„Was arbeitest du noch mal?“ „Ich blogge.“ „Kann man davon leben? …“ So und kaum anders beginnen in letzter Zeit häufig meine Gespräche, wenn ich mich mit anderen über meinen Job unterhalte. Dass das möglich ist und wie und warum wurde bei der Salt and the City 16 am Wochenende in Salzburg heiß disskutiert. Dahinter steht momentan eine enorme Professionalisierung der österreichischen  Blogger-Szene. Heute ein paar Gedanken von mir dazu.

Salt and the City 16 BloggenAls ich früher gesagt habe, ich bin „Social Media Managerin“ oder „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ (eigentlich ein total abstrakter Begriff), hat mich selten jemand irritiert angeschaut. Oder wenn, dann nur, weil er nicht wusste, was man da so macht. Social Media Managerin, das klang einfach plausibel. Aber Bloggerin? Hm. Was macht man da eigentlich so den ganzen Tag?

Am Samstag war ich beim Salt and the City, einer Blogger Konferenz in Salzburg. Ich war zum ersten Mal dabei und leider aus Zeigründen nur einen Tag. Aber am Ende vom Tag war ich sehr begeistert und vor allem sehr motiviert. Es war gar nicht so, dass es mir fachlich zu einem so großen Sprung verholfen hat, sondern eher, dass einen der Austausch mit anderen Menschen, die das gleiche tun wie man selbst unglaublich viel Motivtion und Inspiration bringt. Denn im Home Office zu Arbeiten kann manchmal eine recht einsame Geschichte sein.

Thema: Professionalisierung

Professionalisierung und Bloggen als Job – das stand bei bisher jeder Bloggerkonferenz dieses Jahr irgendwie im Mittelpunkt oder zumindest im Raum. Das liegt aus meiner Sicht weniger daran, dass Blogger geldgierig werden und groß Kohle machen wollen, sondern viel eher daran, dass das Hobby aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes eines professionell geführten Blogs irgendwann überhand nimmt und neben einem Vollzeitjob kaum mehr umsetztbar ist. Blogger fangen an, sich weiterzubilden. Sie haben Blut geleckt und wollen sich mit jeder Facette des Bloggens beschäftigen, sich auskennen, mehr Menschen erreichen und Statements setzten. Wer glaubt, ein Blogger tippt einfach nur in tiefster Nacht irgendwelche Texte in seinen Laptop und gut ist es, der sollte es selbst mal probieren.

Es geht beim Thema Professionalisierung gar nicht so sehr darum, erst seine Niesche zu finden und dann nach absolvierter Markstforschung ein Blog-Imperium aus dem Boden zu stampfen. Eigentlich bloggen die Teilnehmer so einer Veranstaltung ja bereits, viele schon lange. Der Weg zum Erfolg ist ein langer, schließlich ist der Wettbewerb groß und blogfreudig. Und zufrieden ist man selbst eigentlich nie. „Da geht noch was …“ Ich denke mir das jeden Tag.

Wenn’s rennt …

Ihr kennt das sicher: wenn es eine Weile läuft, kommen Unternehmen mit Koopertionsangeboten auf euch zu, egal ob ihr viel Trommelwirbel darum gemacht habt oder nicht. Zu Beginn macht ihr Luftsprünge, mit der Zeit müsst ihr dann vielleicht schon schauen, wie ihr das alles managt und irgendwann fragt ihr euch: „Verkaufe ich mich richtig?“ und „Schaffe ich das noch?“ Man ist  hin und hergerissen, denn investiert man mehr Zeit, muß sie woanders weggekürzt werden. Eine schwere Entscheidung, vor allem, was Familienblogger angeht. Denn die kürzen die Zeit nicht in ihrer frei verfügbaren Freizeit weg (die sie eh nicht haben) sondern bei den Kindern. Bevor jemand fragt: nein, genau das wollte ich nicht. Ich habe meinen Teilzeitjob gekündigt und bin jetzt selbständig.

Blogger: die eierlegende Wollmilchsau unter den Medienmenschen

Wochenende in Bildern Salt 16

Professionalisierung bedeutet nicht nur, mehr Zeit zu investieren. Blogger bieten ein Rundumpaket an. Sie sind in gewisser Wiese jene, die von sich behaupten können: „Ich mache irgendwas mit Medien“, weil sie sich in unzähligen Bereichen auskennenmüssen. Ein bisschen HTML hier, SEO da, Schreiben, Interviews führen, Fotografieren, Videos filmen und schneiden, Social Media Vermarktung, Kunden-Akquise und Verhandlungen und und und. Blogger sind für mich eierlegende Wollmilchsäue unter den Medienmenschen. Sie sind einerseits Spezialisten für’s Bloggen generell, können aber genau dadurch auch all die anderen Dinge, damit ihr Kleinunternehmen funktioniert. All die verschiedenen Dinge, für die große Agenturen mehrere Spezialisten beschäftigen.

Was ist meine Arbeit wert?

Eine der für mich wichtigsten Aussagen von Salt and the City 16 für das Blogger-Selbstbewusstsein:

Learning: Lerne als Blogger, deinen Wert zu schätzen.

Nicht „einschätzen“ (das natürlich auch), sondern schätzen. Du machst keinen Hokuspokus, du tust – denke ich mal – etwas, was du gut kannst. Am Ende mußt du natürlich gegenüber Unternehmen auch versuchen zu schätzen, was du und deine Arbeit in Geld wert bist. Sei es nun, dass du sie in Stunden berechnest oder dadurch, was du an Expertise zur Verfügung stellen kannst und was dein gesamtpaket enthält. Es wurde im letzten Block der Veranstaltung auch viel darüber disskutiert, wie viel ein Blogger in Euro wert ist. Wie viel kann man für Kooperationen verlangen und wie viel sollte man? Eine schwierige Frage, weil dahinter neben Zeitaufwand und Reichweite auch immer steht, ob man jetzt nun wirklich nur als Hobby bloggt oder davon leben muß. Wie viel Zeit man investiert, wie viel Wissen, wie viel bildet man sich fort und was kann man einem Kunden überhaupt bieten? Ich sehe vollkommen ein, wenn jemand Produkte kostenlos vorstellt, weil er sie einfach geil findet und damit sowieso nichts verdienen will oder muß.

Fazit Salt and the City 16 #sbatc16

Am Ende kann ich nur sagen: Es war eine sehr spannende Konferenz. Vor allem persönlich hat sie mir viel gebracht. Ich finde es immer schwer, meinen Wert zu erkennen und gut zu verkaufen. Ein Frauenleiden, habe ich mir sagen lassen. So ein Austausch mit Kollegen (wenn auch davor unbekannt) bringt mir persönlich immer einen enormen Motivationsschub. Momentan könnte ich virtuelle Bäume ausreißen, nur fehlt mir blöderweise die Zeit dazu. Eine ganze Seite Ideen sind mir am Samstag so ganz nebenbei durch den Kopf geschossen. Hoffentlich reicht das Jahr noch, um sie alle umzusetzten. Und obwohl für mich nicht so viel Neues dabei war hilft es mir schon, etwas noch einmal zu hören, was sich in irgendeiner Ecke meines Gehirns verkrochen hatte. Es kriecht dann langsam wieder raus. „Ah, da war doch was …!“ Salt and the City 17, wir sehen uns sicher nächstes Jahr!

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