Seit einem Jahr verwende ich fast ausschließlich Naturkosmetik Produkte. Ich habe mich nach und nach informiert, nach leistbaren Alternativen umgesehen und siehe da: es geht auch ohne die harte Chemiekeule. Nach einem Jahr Naturkosmetik habe ich meine 5 Tipps zum Umstieg auf Naturkosmetik für euch zusammengefasst.

Kosmetikprodukte waren mir schon als Teenager nie besonders wichtig. Klar, Shampoo, Duschgel und Deo, das braucht man. Ob eine Hautcreme aber nun besser ist als die andere? Das war mir ehrlich gesagt damals egal. Hauptsache es wirkt. Und das, obwohl ich es aufgrund meiner chemischen Ausbildung eigentlich hätte besser wissen müssen. Meine Haut hat es gut überstanden, auch wenn ich sie im Nachhinein betrachtet recht gedankenlos behandelt habe.

Naturkosmetik Umstieg

Erst als ich berufsbedingt begonnen habe mich mehr mit Inhaltsstoffen von Kosmetikprodukten auseinander zu setzen, ist mir bewusst geworden, was ein großer Anteil der Produkte im Regal mit der Haut machen, um sie scheinbar zu verschönern. Die meisten herkömmlichen kosmetischen Produkte enthalten synthetische Inhaltsstoffe wie Parabene, PEG, Paraffine, Silikone, Erdölprodukte und synthetische Duftstoffe oder schlicht und einfach in den meisten Fällen nicht nachhaltig hergestelltes Palmöl.

Achtung! Dieser Inhaltsstoff kann krebserregend sein!

Ja, das ist leider wahr. Natürlich trifft das nicht auf alle Produkte zu, aber auf mehr als ich erwartet hatte. Manche Inhaltsstoffe wollen die Haut geschmeidiger machen, andere das Produkt selbst haltbarer. Ein Beispiel dazu: während einige Gesichtsreinigungstücher oder Augen Make Up Entferner (also etwas, was die meisten von uns täglich benutzen), „nur“ Disodium Edta enthalten, welches laut Untersuchungen „nur“ die Zellmembran schwächt, wird es bei anderen Produkten geradezu absurd. Hydrogenated Polyisobutene wirkt beispielsweise zwar hautglättend und -pflegend, ist aber auch potentiell krebserregend. Das wurde natürlich in Tierversuchen erhoben … muß man dazu noch etwas sagen? Von umweltschädlichen oder -zerstörenden Inhalttstoffen wie etwas Palmöl oder sogar Mikroplastik in vielen anderen Produkten ganz zu schweigen.

Wir bombardieren unsere Haut also täglich mit Chemie. Warum eigentlich? Bringt das wirklich etwas? Ja und nein. Die Kosmetikindustrie verspricht uns, optisch jünger und schöner zu wirken. Natürlich sieht unsere Haut bei täglicher Anwendung mit bestimmten Produkten schöner aus. Es werden ja auch Fältchen aufgefüllt, die Haut geglättet oder ein frisches Strahlen versprochen. Für jedes „Wehwehchen“ unserer Lifestyle-Gesellschaft gibt es einen passenden Inhaltsstoff. Das hat natürlich seinen Preis. Also letztlich: nein, es bringt nichts. Denn der Preis ist die dauerhafte Anwendung dieser Produkte und am Ende das Gesundheitsrisiko. Natürlich nur ein geringes Risiko, denn nicht jeder Raucher erkrankt an Lungenkrebs. Aber wenn wir Palmöl als Beispiel nehmen, treiben wir auch noch Schindluder mit unserer Umwelt.

Naturkosmetik „denkt“ nachhaltiger

Ich sag es jetzt mal ein wenig übertrieben: ein bisschen Palmöl hier, ein Plastiksackerl da, Heizen, sobald es unter 20 Grad hat, Erdbeeren aus Tschibutti im Jänner, Advocados sowieso ganzjährig, ein paar Kurzstreckenflüge und hunderte Kilometer Autoabgase jährlich – das alles summiert sich und wirkt sich auf unseren ökologischen Fußabdruck aus. Es geht nicht darum, auf alles zu verzichten, aber jeder Verzicht auf irgendein umweltschädigendes Produkt ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Für mich bedeutet das in meinem Mikrokosmos: vor einem Jahr habe ich begonnen, meine Pflegeprodukte Stück für Stück zu ersetzten und nach natürlichen Alternativen zu suchen, die ich mir auch leisten kann und bin achtsamer in deren Auswahl geworden. Im letzten Jahr habe ich viele Dinge gelernt, was Naturkosmetik und die Inhaltsstoffe angeht. Danke an dieser Stelle auch an meine allerbeste Beraterin Dani! Sie ist ein wahres Naturkosmetik-Lexikon.

Versuch einer Definition: Was ist Naturkosmetik?

Für den Begriff Naturkosmetik gibt es noch keine offizielle internationale Definition. Eine halbwegs einheitliche Definition wäre, dass Naturkosmetik auf bestimmte synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe verzichtet und auf natürliche Inhaltsstoffe aus pflanzlicher, mineralischer aber auch tierischer Herkunft setzt. Viele Marken bieten aber auch vegane Produkte an. Außerdem werden Emulgatoren und Konservierungsstoffe nur eingeschränkt verwendet. Naturkosmetikmarken verwenden üblicherweise gentechnik- und tierversuchsfreie Produkte. Es gibt verschiedene Zertifikate, die Naturkosmetik als solche auszeichnen und die Unternehmen für ihre Produkte erwerben können. ABER: solche Zertifikate kosten oftmals viel Geld, das nicht alle (vor allem kleine) Unternehmen zur Verfügung haben. Deshalb gibt es auch viele Labels ohne entsprechende Zertifikate, die durchaus ausgezeichnete naturkosmetische Produkte anbieten.

Naturkosmetik ist mittlerweile in schwankendem Umfang in fast jedem Drogeriemarkt erhältlich und nicht nur mehr in Reformläden oder spezialisierten Geschäften. Wer also gerne zu Müller oder dm geht und sich vorab gut informiert hat, der wird dort mit Sicherheit fündig werden. Ansonsten haben viele Denn’s Filialen ebenfalls eine gute Auswahl und für alle Wiener habe ich hier eine umfangreiche Auflistung diverser Naturkosmetik-Shops und Reformläden gefunden.

Umstieg auf Naturkosmetik

Meine 5 Schritte zur Naturkosmetik

Irgendwann hat es also bei mir „Klick“ gemacht. Ich wollte keine Produkte mit fragwürdigen Inhaltsstoffen mehr verwenden. Naturkosmetik war mehr oder weniger Neuland für mich. Diese 5 Schritte könnten euch helfen, euren Ansatz und eure Produkte zu finden und herauszufiltern, was ihr aus eurer Produktpalette alles ersetzten solltet oder wollt.

Step 1 | Checkt euren Kosmetikschrank!

Nicht alle Produkte, die nicht auf naturkosmetischer Basis hergestellt sind „schlecht“ oder gar gefährlich – hier sollte man natürlich keine „Panikmache“ betreiben. Auf Codecheck könnt ihr euch die Inhaltsstoffe vieler Produkte genauer ansehen. Es gibt Suchfunktion und ein Ampelsystem, mit dem ihr auf den ersten Blick sehen könnt, welche Produkte prinzipiell ok sind und in welchen bedenkliche Inhaltsstoffe verarbeitet wurden.

Global 2000 hat auch 2016 wieder einen Kosmetik-Check durchgeführt. Das positive Fazit: Der Anteil an Produkten mit hormonaktiven Inhaltsstoffen am Markt ist in den letzten Jahren stark gesunken. Die genauen Ergebnisse gibt es auch Download (Link oben)

Wenn ihr im Supermarkt steht, könnt ihr eure Produkte im Regal direkt checken. Sowohl mit der App ToxFox als auch mit der Codecheck App könnt ihr euch Inhaltsstoffe direkt per Strichcode anzeigen lassen.

Eine Liste von hormonell wirksamen Chemikalen findet ihr ebenfalls bei Global 2000 hier oder mit genauerer Info zum Thema am aktuellen Flugblatt.

Step 2 | Aussortieren

So, seid ihr nun informiert und habt auch geguckt, welche eurer Produkte bedenklich sind? Ich bin mir sicher, ihr habt ein paar Pflegeprodukte in eurem Schrank gefunden, die oben in verschiedenen Kosmetik-Check-Listen auftauchen. War bei mir wenigstens so. Werbung wirkt. Bei gleichem Preis würden die meisten trotzdem das aus der Werbung bekannte Produkt des internationalen Unternehmens anstatt der Eigenmarke des Drogeriemarktes kaufen. Egal, was drin ist.

Step 3 | „Gute“ Produkte aufbrauchen

Wenn ihr beschlossen habt, eure Pflegepalette zu ändern, besteht trotzdem kein Grund, alle Produkte von heute auf morgen zu entsorgen. Das wäre vermutlich auch eine teure Angelegenheit und ehrlicherweise findet man ja auch nicht auf Anhieb ein neues Produkt, das zu einem passt. Ich habe das zu Beginn erstmal nur mit der Gesichtscreme gemacht und auch die BB Cream wanderte umgehend in den Müll. Alle restlichen Produkte habe ich mir angesehen und sie erstmal aussortiert um sie im Laufe der Zeit nach aufbrauchen zu ersetzten.

Step 4 | Nach und nach ersetzten

Körperpflegeprodukte könnt ihr quasi über Nacht ersetzten. Meine Haut hat gefühlt ein oder zwei Wochen für die Umstellung gebraucht und danach war sie mit den neuen Produkten zufrieden, meine Haare dagegen etwas länger. Ich habe dazwischen auch wieder herkömmliches Shampoos aus der Apotheke verwendet, weil mich im Winter die Schuppen überfallen haben und nichts geholfen hat. Hier ist wichtig zu wissen: So gut wie alle Haarshampoos enthalten Silikone, welche das Haar geschmeidig machen – und ihr könnt es euch schon denken – auch im Haar bleiben und es weich und geschmeidig machen. Die Silikone brauchen eine Weile, bis sie sich aus den Haaren herausgewaschen haben und demnach dauert die Umstellung und Gewöhnung an silikonfreie Produkte hier etwas länger. Wenn ihr das durch Silikone weichgespülte Haar vermisst, schaut euch am besten nach Alternativen zu Pflegespülungen um (oder wartet auf meinen Blogpost dazu 😉 ). Ich bin meistens auch ganz ohne Pflegespülungen mit etwas Haaröl zufrieden.

ACHTUNG: naturkosmetische Reinigungsprodukte (z.B. Haarshampoo, da fällt es am meisten auf) schäumen weniger bis gar nicht, reinigen aber genauso effizient.

Step 5 | Naturkosmetik Shopping

Wer auf Naturkosmetik umsteigt, wird erstaunt sein, wie umfangreich die Produktpalette ist. Mit ziemlicher Sicherheit werdet ihr mit der Auswahl zu Beginn heillos überfordert sein und vor allem ist preislich von günstig bis teuer alles drin. Lasst euch am besten beraten oder vielleicht habt ihr ja bereits Bekannte, die sich auskennen und Produkte empfehlen können! Kleinere Labels mit eigenem Shop führen meist nur ihre eigene Linie und sind ohne Frage auch hochpreisiger. Wenn ihr eine größere Bandbreite sucht, schaut besser in einem gut sortiertem Reformhaus, wie in Wien z.B. bei Prokopp, Staudigl, Buchmüller, im hochpreisigeren Segment z.B. bei just green things oder auch einem Müller oder Denn’s mit Naturkosmetikabteilung, vorbei. Einen feinen Bio-Onlineshop habe ich auch gefunden.

Mein Fazit nach einem Jahr Naturkosmetik

Derzeit verwende ich zu ungefähr 90 Prozent Naturkosmetik Produkte. In Sachen Schminke habe ich eine Umstellung noch nicht geschafft. Alles was ich bisher an Mascara und Lippenstift getestet habe, verrinnt nach fünf Minuten und lässt mich wie ein Zombie aussehen. Ich schminke mich selten bis nie und mein Mascara hält noch ewig. Deshalb: Schwamm drüber. Dieses Kapitel ist verschoben, wird aber noch angegangen.

(Noch) nicht ganz „natürlich“ ist auch mein Duschgel und Bodylotion, weil ich hier noch meine Vorräte aufbrauche, die ich geschenkt bekommen habe. Bei manchen Produkten, wie etwa von Lush, schaue ich mir die Inhaltsstoffe beim Kauf an und entscheide ja nachdem, ob das für mich passt oder nicht.

Für alle Schwangeren habe ich einen feinen Tipp: Ihr sucht nach einem guten Öl zur Babybauchpflege? Ich habe in der Schwangerschaft aus Faulheit mich nach einem Massageöl umzusehen einfach hochwertiges, kaltgepresstes Olivenöl verwendet. Olivenöl pflegt, zieht fabelhaft ein und ist ein absolut natürliches Produkt. 😉 Natürlich gibt es noch viele andere geeignete Öle, aber Olivenöl hat bestimmt jeder rumstehen. Wir zumindest …

Psst! Ich habe übrigens auch schon Feuchttücher ganz einfach aus natürlichen Inhaltsstoffen mit Kokosöl und ohne aus Küchenrolle selbst gemacht. Noch nachhaltiger ist das ganze natürlich mit Stofftaschentüchern oder Waschlappen.

Verwendet ihr Naturkosmetik? Wenn ja, welche?

Oder meint ihr, es ist zu aufwändig oder ihr kennt euch einfach nicht ausreichend aus? In dem Fall würde ich  mich freuen, wenn ihr mir verratet, was euch interessiert. Es wird noch mehr Beiträge zu dem Thema geben und ich gehe in den Artikeln gerne auf eure Fragen ein!

So gelingt euer Umstieg auf Naturkosmetik bestimmt. Meine 5 Tipps.

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