Advent, Adent, ein Lichtlein brennt… oder so. Bei uns ja noch nicht. Trotzdem habe ich mich schon sehr auf den Start meines Geschichten-Adventkalenders gefreut. Die erste wundervolle Geschichte stammt aus der Feder von Jeannine vom Blog MINI & ME. Ihr findet sie weiter unten auch noch als Download, damit ihr sie besser Vorlesen könnt. Viel Spaß beim Lesen!

Feoly findet einen neuen Freund

Würfelset Geschochtenwürfel, Rorys Story Cubes

Jeannines Würfelset: Kelch, Holztor, Ei, Pilz, Helm, Kessel, Krone, Schild, verwirrt

Halte das Ei bitte gut fest, Feoly!“, ruft es aus der Küche. „Mach ich, keine Sorge!“, antwortet Feoly ihrem Papa. Die junge Waldelfe huscht zu ihrem Korb und legt das Ei behutsam neben einen bunten, duftenden Pilz. „Ich mache mich jetzt auf den Weg!“, lässt sie ihre Eltern wissen, bevor sie aus dem warmen Mooshaus eilt und ein kühler Windstoß die Tür hinter ihr mit einem lauten Knall schließt. Feoly hat sich heute besonders warm angezogen und zupft noch einmal die dicke Mütze zurecht. Die Werkstatt des Weihnachtsmanns liegt schließlich hoch im Norden, da ist es noch viel kälter, als in Feolys Wald. 

Schnellen Schrittes stapft sie durch das Gehölz. Sie passiert vom Schnee angezuckerte Tannenbäume, in deren Astlöchern es sich kleine Waldbewohner, wie Eichhörnchen oder Spitzmäuse, wohlig warm gemacht haben. Ein rotes, sehr junges Eichhörnchen blickt Feoly verwirrt hinterher: „Was macht denn eine Waldelfe so weit nördlich?“, wundert es sich. Vermutlich ist es noch zu klein, um zu wissen, dass die Waldelfen die fleißigsten Helfer des Weihnachtsmannes sind. 

Ein großes Holztor am höchsten Hügel der Gegend deutet Feoly den Weg. „Gleich bin ich da!“, denkt sie und erblickt wenige Minuten später auch schon das hell erleuchtete Haus. Rings um den Eingang erheben sich baumhohe Zuckerstangen, auf denen sich neugierige Vögel tummeln. Neben dem Haus suchen ein paar Rentiere nach etwas frischem Gras unter der dicken Schneeschicht. Feoly kommt näher und sieht durch das Fenster einen großen Kessel im Kamin stehen. Ob der den herrlichen Duft verströmt? Es riecht so gut nach Zimt, Orangen und Tannenzweigen. 

Feoly öffnet die schwere Holztüre und betritt die Stube. Sogleich eilt ein alter, hibbeliger Elf zu ihr. „Hast du alles?“, fragt er neugierig. „Ich denke schon.“, antwortet Feoly unsicher. „Schnell, wir müssen den Pilz klein schneiden, die Stücke in den Kessel geben und alles gut vermengen. Danach streuen wir etwas Feenstaub aus dem Kelch über das Ei.“, erklärt er hastig und greift nach einem goldenen Kelch am Kaminsims, der Feoly zuvor nicht aufgefallen war. „Ich bin übrigens Mombo!“, fügt er hinzu. Feoly hilft ihm aufmerksam bei den Vorbereitungen. Sie überreicht dem aufgeregten Elfen den Pilz, der ihn hurtig entgegennimmt und geschickt zerkleinert. Danach streut Feoly den Feenstaub über das Ei und möchte es hochnehmen. In diesem Moment hört sie ein leises Knacken und schaut sich in dem großen Zimmer um: Am Boden liegen viele große, alte Teppiche. Ringsherum stehen schwere Holzmöbel und der Kessel blubbert im Kaminfeuer weiter vor sich hin. Im Eck neben dem Kamin entdeckt Feoly eine kleine Maus mit dickem Wollschal, die gerade versucht, ein schweres Stück Käse in ihr Mäuseloch zu befördern. Als die Maus bemerkt, dass sie beobachtet wird, verschwindet sie hastig ins Loch. Die Wände sind mit farbenfrohen Gemälden behangen. Auf einem besonders großen Bild sieht man ein Rentier mit einer roten Nase, das stolz vor dem Weihnachtsschlitten steht. Woher kam bloß dieses Geräusch? „Hast du das gehört?“, fragt Feoly den alten Elfen. Der schüttelt den Kopf und fragt: „Was meinst du?“ „Ich wollte gerade das große Ei hochnehmen, als ich ein Knacken gehört habe.“, erklärt Feoly. Wie vom Blitz getroffen hüpft Mombo an ihre Seite und fasst in den Korb hinein. Als er seine Hand wieder herauszieht, hält er in ihr das Ei. Feoly bemerkt, dass es einen kleinen Riss auf der Seite hat. Es knackst erneut. „Hah! Dachte ich es mir doch! Schnell, geh hinten hinaus in die Werkstatt. Dort ist der Weihnachtsmann, hol ihn!“, sagt Mombo und deutet zur Tür.

Feoly nickt, geht zum Hintereingang des Hauses und betritt die Weihnachtswerkstatt. Ihre Augen leuchten hell, als sie sieht, wie viele Elfen und Wichtel in diesem bunten, großen Saal zugange sind. Es wird gelacht und laut miteinander gesprochen. Ein Wichtel mit lila Zipfelmütze schleppt auf einem Schlitten einen ganzen Haufen kuscheliger Plüschtiere mit sich herum. Ein rothaariger Elf balanciert geschickt viele blaue und gelbe Bausteine. Eine ältere Wichteldame, die eine glitzernde Krone auf ihrem Kopf trägt und ganz in Rosa gekleidet ist, findet Feoly besonders ulkig. Irgendwo in dem frohen Treiben lugt plötzlich die Quaste der Weihnachtsmannzipfelmütze hervor. „Weihnachtsmann, bist du das?“, ruft Feoly und erschrickt kurz, als sich plötzlich ein mit Ritterhelm und Schild ausgerüsteter Weihnachtsmann zu ihr umdreht. „Huch! Bist du ein Ritter?“, fragt Feoly. „Hohoho, aber nein!“, lacht der Weihnachtsmann. „Ein Mädchen hat sich eine Ritterausrüstung gewünscht. Jetzt probiere ich alle möglichen Varianten selbst aus, um ihr mit den Geschenken auch garantiert große Freude zu bescheren.“ Feoly lacht erstaunt: „Du weißt wirklich, was du da tust, Weihnachtsmann!“ Sie beobachtet die geschäftigen Helferlein, als es ihr wieder einfällt: „Oh, Weihnachtsmann, bitte komm ganz schnell mit in deine Stube! Mombo wartet auf dich. Das Ei, das ich mitgebracht habe, knackt ganz laut!“ Da staunt der Weihnachtsmann: „Ach, ist es schon so weit? Nun gut, dann lass uns gehen.“

Am Weg zurück in die Stube wird Feoly ungeduldig. Sie möchte endlich wissen, warum sie Pilz und Ei in diesem Jahr persönlich zum Weihnachtsmann bringen musste, wieso Mombo es so eilig hat und warum das knackende Ei so wichtig ist. Gerade, als sie den Weihnachtsmann fragen möchte, was an diesem vorweihnachtlichen Abend vor sich geht, steigt der Duft ihrer liebsten Pilzsuppe in ihre Nase. „Mmmmh, köstlich!“, denkt sich die kleine Elfe und atmet tief ein. Der Weihnachtsmann bemerkt das und lächelt.

Als sie den vom Kaminfeuer gewärmten Raum wieder betreten, steht Mombo schon neben dem gedeckten Weihnachtstisch. Auf dem Tisch ist die warme Suppe angerichtet, Kerzen erhellen den Raum mit ihrem warmen Licht. In seinen Armen hält Mombo ein kleines, schwarzweißes Knäuel. Der alte Elf winkt Feoly zu sich heran: „Pssst! Ganz leise!“ Sie kommt langsam näher und begutachtet das kleine Häufchen. Es bewegt sich! Unter dem Staub und den Eierschalen blitzt ein feines Federkleid hervor. Vorsichtig hebt Feoly den oberen Teil der Schale weg und strahlt übers ganze Gesicht: Da sehen sie doch tatsächlich zwei große, treuherzige Augen an.

Frohe Weihnachten, Feoly.“, sagt Mombo leise. „Wer ist denn das?“, flüstert Feoly aufgeregt. „Das hier ist Pripp, dein kleiner Feen-Pinguin.“, erklärt der Weihnachtsmann. „Du bist mittlerweile alt genug, um mir bei den Vorbereitungen für Weihnachten zu helfen. Pripp wird dich dabei unterstützen. Mit genügend Pilzsuppe wird er im Handumdrehen zu einem starken, treuen Freund heranwachsen. Gib gut auf ihn acht!“ Feoly traut ihren Ohren kaum. Voller Freude umarmt sie den Weihnachtsmann: „Ein Feen-Pinguin? Meine Mama hat mir immer Geschichten von diesen magischen Wesen erzählt! Vielen Dank, lieber Weihnachtsmann! Dank dir habe ich einen Freund fürs Leben gefunden.“

Der Weihnachtsmann setzt sich zu Tisch und Feoly klettert auf seinen Schoß. Er streichelt ihr über den Kopf und lacht: „Hohoho! Nichts zu danken, Feoly! Du dachtest doch nicht etwa, ich kümmere mich um die Menschenkinder und vergesse dabei meine wichtigsten Helferlein, die Elfen? Ohne dich und die anderen Elfen könnten das Christkind und ich doch niemals alle Kinder in einer einzigen Nacht beschenken!“

An diesem vorweihnachtlichen Abend im hohen Norden verspeist die junge Waldelfe Feoly genüsslich drei Teller Pilzsuppe. Pripp langt auch fleißig zu. Nachdem die beiden viele Stunden gespielt haben, schlafen sie müde ein. Am nächsten Morgen steht ihnen der Weg nach Hause bevor. Feoly lächelt im Schlaf. Sie kann es gar nicht erwarten, Pripp sein Heim zu zeigen und mit ihrem neuen Familienmitglied Weihnachten zu feiern.

Morgen gibt es eine neue Geschichte. Wenn ihr kein Adventtürchen versäumen wollt, tragt euch doch unten in meinen Newsletter ein!

Hier geht es zur Download-Version:

Feolis Abenteuer_Jeannine Mik

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