Patrice vom Blog Absolute Patrice schreibt heute über Wut und Respekt. Lesenswert! Punkt.

Familie Rockt_PatriceEs war ein kalter Morgen. Obwohl ich die Augen noch geschlossen hatte, spürte ich die Sonne. Sie war gerade am Aufgehen. Ein eiskalter Sonnenaufgang. Klar, strahlend und eiskalt.

Ich wünschte mir, ich wäre in Indien. Dort, wo man jeden Tag mit Rock und T-Shirt aus dem Haus gehen kann. Wo Elefanten sich am Fluss in ihrer Wasserfontaine den Rücken abkühlen und es zum Essen Reis und Bambussalat gibt. Aber die Realität war eine andere. Ich lag in einem Holzhaus, vollkommen eingeschneit. Die Füße fühlten sich an wie zwei riesige Eiswürfel. Ich wusste: jetzt musste ich schnell das Feuer im Ofen ankriegen, wenn ich nicht erfrieren wollte. Es gab nichts zu essen und mein Handy funktioniert auch nicht mehr. Akku aus. Langsam stieg die Sonne höher und als das Feuer richtig brannte und knisterte konnte ich mir einen Schneeball in einem kleinen Kupfertopf schmelzen und darauf einen Tee machen. Halt ohne Tee. Den Teegeschmack dachte ich mir dazu. Wie war ich hier gelandet?

Vielleicht war ich doch ein wenig frech zum König gewesen? Als er vor Wut ein paar Teller gegen die Wand schmetterte, weil ich ihm vorwarf auf der faulen Haut zu liegen, während seine Dienerschaft hin und her getrieben wurde und kaum Schlaf fanden, dachte ich mir noch: Kein gutes Zeichen. Aber dass er mich gleich aus dem Schloss jagen würde, ohne Essen und ohne Pelz zum Schutz gegen die Kälte. Das hatte ich mir nicht gedacht. Schließlich war ich ja seine Tochter.

Gegen Abend wurde ich aber dann selber wütend. Ich ging vor die Tür, holte mir ein paar Holzstücke und schreinerte sie zu einem Schild zusammen. Dann stampfte ich zurück Richtung Schloss. Es war dunkle Nacht und noch kälter als zuvor. Als ich beim Schloss ankam, ging wieder die Sonne auf. Aber ich fühlte mich nicht müde. Ich wußte was ich tun musste und ich dachte nur daran. Nicht an meine verfrorenen Füße und an den leeren Magen. Als ich vor dem Schloss stand und die Wachen mich erkannten, schossen sie mit Pfeilen auf mich. Mir kam vor 1000ende Pfeile waren es, die sich in mein Schild und auf dem Boden rund um mich bohrten. Das Schild schützte mich und ich begann leise und dann immer lauter das Freudenlied unseres Königreiches zu singen. Die Pfeile wurden langsam weniger. Bald rieselten nur mehr vereinzelte Pfeile auf mich herab und ich hörte wie die Wachen erst leise und dann immer lauter mit mir mitzusingen begannen. Als der Gesang zu einem Chor geworden war, der durch das ganze Schloss tönte, gingen ruhig aber gleichmässig die Tore zum Schloss auf. Es kamen keine Pfeile mehr. Ich ging mit bestimmten Schritten in den Schlosshof, die Stiegen rauf in den Prunksaal und dort am Thron sass mein kleiner wütender Vater. Er schrie, dass man mich wegführend sollte. Sein Schrei klang wie von einem kleinen Kind, dass die ganze Schokolade alleine essen will. Ich musste den Kopf schütteln. Das war einmal der große König gewesen? Vor dem alle Respekt hatten?

„Vater, du gehst jetzt in dein Schlafzimmer und bleibst dort, bis du dich beruhigt hast. Wenn du dich wieder wie ein normaler Mensch benimmst, kannst du zum Abendessen wieder runterkommen. Aber König bist du jetzt keiner mehr. Du bist jetzt nur mehr der Papi.“

Mein Vater war so empört, dass er vor Wut zu weinen begann. Ich stupste ihn leicht an und deutete ihm zu gehen.

„Wir müssen hier jetzt arbeiten. Du störst. Abmarsch,“ sagte ich zu ihm.

„Na warte nur!“ schrie er im Gehen: „Meine Krone kriegst du bestimmt nicht!“ 

„Die kannst du gerne behalten, wenn sie dir so wichtig ist,“ sagte ich zu ihm und zuckte die Schultern.

Dann plante ich mit meinen Freunden wie wir in Zukunft in unserem Königreich leben wollten. Indien würde nie aus unserem Land werden, aber man kann auch in der Kälte miteinander Spass haben.

Download-Version: Der Koenig und seine Tochter_Patrice Fuchs

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