Heute gibt es eine richtige Weihnachtsgeschichte für euch. Camilla vom Blog Bauchzwerg und ich erzählt von einem richtigen kleinen Weihnachtswunder.

Camilla_bauchzwergundichJulius war traurig. Zum ersten Mal in seinem Leben sollte er zu Weihnachten nicht zuhause sein. Dabei wäre es das erste Weihnachten als Papa gewesen. Wie oft hatte er sich ausgemalen, wie das erste Weihnachten mit Kind sein sollte. Glitzernde Kinderaugen unter dem Weihnachtsbaum, Lametta im Kinderhaar, die letzten Glitzerfäden erst im Jänner aus der Kleidung fischend. Seit der Geburt seiner Tochter im Frühling hat er darüber nachgedacht, was er seiner kleinen Prinzessin zu Weihnachten schenken sollte. Eine Puppe? Das hölzerne Xylophon, das er im Weihnachtsprospekt gesehen hat? Plötzlich hatte er die Idee. Er würde seiner kleinen Sophie einen Stofftierpharao schenken, der sie zu Weihnachten an ihren Papa, der ja beim großen Fest nicht da sein kann, erinnert. Julius ist Archäologe und schon seit dem Studium träumt er davon einmal nach dem Geheimnis der alten Könige zu suchen in Ägypten, bei den Pyramiden. Nun war es also so weit. Zu Weihnachten sollte er im Land der Könige sein. Und eigentlich sollte Julius Luftsprünge vor Freude machen, aber da er das erste Weihnachtsfest seiner Tochter verpassen würde, war es eher Fluch als Segen.

Am Weihnachtstag musste er wehmütig an seiner Tochter zuhause denken. Ob sie wohl an ihren Papa in der Ferne denkt, wenn sie den Stofftierpharao auspackt? Ob sie sich überhaupt freut? Ob sie überhaupt noch an ihn denkt? Immerhin war er schon über eine Woche bei den Ausgrabungen und seine kleine Sophie ist noch kein Jahr alt. Er hatte an Weihnachten Angst, dass ihn seine Tochter vergessen hatte.

Am Weihnachtsabend dachte er an die Weihnachtsgeschichte. An die Herbergssuche von Maria und Josef und an die Heiligen Drei Könige. Natürlich dachte Julius auch an die kleine Sophie, deren Freudegequieke er gerne gehört hätte, als sie die Wunderkerzen am Christbaum sah. Und da geschah es. Am Himmel war eine Sternschnuppe zu sehen, so hell und klar, dass Julius am liebsten eine Sonnenbrille gehabt hätte.

Die Sternschnuppe blieb, anders als normale Sternschnuppen, am Himmel und sie wurde auch nicht blasser, nein! Die Sternschnuppe wurde immer heller und größer und schien zu blinken. Julius konnte seinen Augen nicht trauen. Und als das Spektakel nach zehn Minuten noch immer nicht vorbei war, beschloss Julius der Sternschnuppe zu folgen. Mit seiner Arbeit war er ohnehin fertig, doch sein Rückflug war erst nach den Feiertagen gebucht, die Flugbegleiter wollten ja auch Weihnachten mit ihren Familien feiern.

Als Julius schon eine Zeit lang gegangen war kam er zu einer Schafherde. Er wusste garnicht, dass Schafe in Ägypten gezüchtet werden. Durch seine Ausgrabungen war er so abgelenkt, dass er eigentlich garnichts über Land und Leute der einzelnen Ausgrabungsorte weiß. Plötzlich erlosch die Sternschnuppe und der Schafhirte erschien. Ein alter Mann, gestützt auf einen Gehstock. Die beiden Männer unterhielten sich eine Zeit lang und Julius empfang Mitleid mit dem alten Schafhirten. Der Schafhirte war durch seine Arbeit mit den Schafen so abgelenkt gewesen, dass ihn seine Frau vor Jahren verlassen hatte. Jetzt im Alter war er allein und auch er musste Weihnachten ohne seine Liebsten verbringen. Er war alt und krank geworden und auch der Schafhirte war traurig, denn auf Grund eines verstauchten Knöchels konnte er den Weg zu seinem Fischteich nicht bewältigen. Seine Fische wurden schon seit einigen Tagen nicht mehr gefüttert und drohten zu verhungern.

Julius wäre nicht Julius, wenn er sich nicht dazu bereit erklärt hätte, die Fische zu füttern. Nicht, dass der alte Mann ihn gebeten hätte, aber auch Julius konnte den Gedanken an vor Hunger leidenden Fische nicht ertragen. Und als er wieder vom Fischteich auf die Schaffarm zurückkam, fütterte er auch noch die Schafe mit den Äpfeln, die er im Stall fand.

Es war spät geworden und der Schafhirte hatte Julius aus Dank angeboten bei ihm im Bauernhaus zu schlafen. Die beiden Männer haben sich noch ein wenig unterhalten und auch der Schafhirte hatte Mitleid mit Julius, weil dieser das Weihnachtsfest nicht mit seiner Tochter verbringen konnte.

Was Julius nicht wusste, der Schafhirte hatte Zauberkräfte, die nur in der Weihnachtsnacht zum Vorschein kommen. Als Julius endlich eingeschlafen war, berührte der Schafhirte Julius und als Julius am nächsten Tag erwachte war er nicht mehr im ägyptischen Bauernhaus, nein er war in seinem eigenen Bett. Er konnte seinen Augen nicht trauen und als er auf den Kalender schaute sah er, dass es erst Weihnachtsmorgen war. Er durfte also doch Weihnachten mit seiner Tochter feiern.

Und als er das nächste Mal an einer Schafherde vorbeikam, hat ihn doch tatsächlich ein Schaf zugezwinkert. Julius war dem Schafhirten sehr dankbar, anders konnte er sich sein Weihnachtswunder nicht erklären. Es muss wohl der alte Mann mit dem Gehstock gewesen sein.

Geschichten-Download:

Julius Weihnachtswunder_Camilla Trampusch

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