Wenn ihr die heutige Geschichte lest seid ihr gleich mittendrin und sitzt gemeinsam mit Ritter Knopf und der Hexe Ti am Ofen und wärmt euch die Hände. Vielen Dank Nadine (Buntraum) für deinen großartigen Beitrag! Ich wollte die Geschichte gleich nochmal lesen!

Buntraum_NadineDer kleine Ritter Knopf saß am Frühstückstisch und mampfte eine große Schüssel Müsli. Schnell stopfte er sich Löffel für Löffel in den Mund, schob dann die Schüssel von sich, rief noch mit vollem Mund: „If bin fertif!“ und rannte davon. Er zog sich an, nahm sein großes Holzschwert, sein Schild mit dem großen Knopf drauf und seinen Ritterhelm.

Wo willst du denn hin?“ fragte seine Mutter aber der kleine Ritter Knopf war schon längst aus dem Haus. Schnell lief er durch den Garten in den Wald hinein bis das Ritterhaus nicht mehr zu sehen war. Dann kramte er aus seiner Jackentasche ein zusammengeknülltes Papier heraus, faltete es auseinander und starrte darauf. Es war eine Schatzkarte, die er bei seinem Vater, Ritter Nadelöhr gefunden hatte. Und weil er von nichts mehr träumte, als einmal einen echten Schatz zu finden und weil er schließlich ganz und gar nicht zu klein dafür wie, wie sein Vater immer sagte, hatte er die Karte heimlich eingesteckt und beschlossen, sich ganz allein auf die Suche zu begeben.

Leider konnte er noch nicht alle Buchstaben lesen und so wusste er nicht, was auf der Karte stand. Er erkannte Linien, Bäume und eine Schatzkiste. Aber wie er da hinkommen sollte, war ihm rätselhaft. Da erkannte er zwischen ein paar Bäumen etwas, das wie ein Haus aussah. Das konnte nur das kleine Hexenhäuslein der kleinen Hexe Ti sein. Natürlich! Sie wohnte hier im Wald in einer kleinen Hütte. Ansonsten gab es in dem Wald keine Häuser. Die kleine Hexe Ti musste immer ganz laut niesen und das klang so, als würde sie ganz laut „Ti!“ rufen. Deshalb wurde sie die kleine Hexe Ti genannt. Sie konnte ihm bestimmt helfen die Schatzkarte zu lesen, denn die kleine Hexe Ti konnte fast alles. Sie ging zwar nicht zur Schule, weil ihr da immer furchtbar fad war und sie dann besonders viel niesen musste. Aber sie wusste viel mehr als alle kleinen Ritter in Knopfs Klasse. Er schnappte Schwert und Schild und steckte die Schatzkarte in die Tasche. Dann lief er los zum Haus der Hexe Ti.

Und nachdem er eine Weile gelaufen war, sah er auch den kleinen Schornstein zwischen den Bäumen hervorragen. Rauch stieg hinauf. Das hieß, dass die kleine Hexe Ti zu Hause war. Ritter Knopf lief schnell zu der braunen Holztür und klopfte an. „Ti!“ hörte er es von drinnen. „Ti. Ti.“ Oje, die kleine Hexe musste heute wieder besonders viel Niesen.

Vorsichtig öffnete sich die Tür und ein kleines rotes Gesicht mit einem schwarzen Zauberhut kam zum Vorschein. „Ah, Ritter Knopf, schön dass Du kommst, mir ist heute so unglaublich fad. Ti. Ti.“ „Gesundheit, kleine Hexe.“ sagte Ritter Knopf. „Jaja, schon gut.“ winkte sie ab. Es hatte keinen Zweck ihr jedes Mal Gesundheit zu sagen. Denn sie nieste ja nicht, weil sie krank war. Sondern. Ja… warum, das wusste sie selbst nicht so genau. Und sie hatte schon so viele Zaubertränke gekocht und gebraut, doch nichts half. Sie konnte nicht aufhören zu niesen. „Ti. Komm doch rein. Ti.“ Sie öffnete die Tür ein Stück für ihn und er trat in ihre warme Küche, in der es immer nach Kräutern und leckeren Kuchen roch. Im Ofen brannte ein Feuer und das Holz knackste dabei. Ritter Knopf war es gleich viel wärmer, er legte Schwert und Schild beiseite und nahm seinen Ritterhelm vom Kopf. Da erschrak die kleine Hexe Ti. „Hilfe, was ist denn mit Dir passiert? Ti!“ „Wieso, was ist denn?“ fragte er. „Dein Gesicht ist ja voller roter Punkte! Du schaust aus wie ein Fliegenpilz, nur andersrum! Ti. Ti.“ Ritter Knopf hielt sich die Hände ans Gesicht. Ein Fliegenpilz? So ein roter Pilz mit weißen Tupfen? „Da, schau!“ Die kleine Hexe Ti reichte ihm einen Spiegel und dann erschrak auch er. „Oje! Das ist ja furchtbar! Was ist das nur? Was ist das?“ Die kleine Hexe Ti zog ein altes staubiges Buch aus ihrem Regal. Sie musste kräftig niesen und blätterte eifrig. Sie nickte, schüttelte dann wieder den Kopf und murmelte komische Worte vor sich hin. Ritter Knopf hielt sich dabei die Hände an beide Wangen. Oweh. Was war nur mit ihm los? „Ahaaaa!“ rief die kleine Hexe Ti. Und vor lauter Aufregung darüber, dass sie einen Plan und endlich wieder etwas zu tun hatte, vergaß sie sogar zu niesen. „Du hast die Sturmpusteln. Steht da. Ganz klare Sache. Kommt mit dem Wind durchs Fenster hinein, macht rote Punkte, bleibt ein paar Tage und fliegt dann weiter. Brauchst Du dringend eine gute Tinktur zum Trinken. Koche ich Dir gleich.“ „Sturmwas?“ fragte Ritter Knopf. „13 Blätter Salbei, 74 Eicheln, 86 Bucheckern, ein großes Hühnerei und 4 große Wurzeln einer ausgewachsenen Fichte. Das ganze mit etwas Ohrenschmalz aufgekocht und 44 Mal umgerührt. Fertig.“ Die kleine Hexe Ti war voller Tatendrang und sprang sofort in ihrer Küche umher. Ritter Knopf sah sie mit großen Augen an. „Na los, hilf mir schon, oder willst Du Deine Sturmpusteln ewig behalten?“ Er schüttelte den Kopf. „Na dann geh und hol mir ein

großes Hühnerei. Und ich brauche eine Leiter, um die getrockneten Wurzeln da oben von der Decke zu schneiden. Ritter Knopf stand auf holte, was die kleine Hexe Ti ihm aufgetragen hatte. In der Zwischenzeit hatte sie einen riesigen Topf auf den Herd gehoben und einen großen Kochlöffel hervorgeholt. Sie zählte die Salbeiblätter ab und warf sie in den Topf. Aus einem Korb in der Ecke zählte sie 74 Eicheln und 86 Bucheckern.

Alles in den großen Topf für den kleinen Ritter Knopf“ sprach sie und kicherte. Aber Ritter Knopf war gar nicht zum Lachen zumute. „Jetzt noch ein großes Hühnerei, dann geht sie los, die Zauberei!“ rief sie fröhlich und musste noch immer nicht niesen.

Mit ihren langen Fingern bohrte sie sich eine Weile im Ohr, holte einen klebrigen Batzen Ohrenschmalz heraus und warf ihn ebenfalls in den Topf. Ritter Knopf verzog das Gesicht. Und das sollte er dann trinken? „Schau nicht so Du Pustelfloh!“ rief die kleine Hexe Ti. „Oder willst du ewig mit Deinen Pusteln herumlaufen?“ Er schüttelte den Kopf.

Es blubberte gewaltig im Topf und die kleine Hexe Ti tanzte vor Aufregung mit ihrem Kochlöffel in der Hand umher. Als die Suppe genug geblubbert und gekocht hatte, rührte sie 44Mal umher und sprach dabei:

Ti, ti, ti, klopf klopf klopf. Alles Sachen sind im Topf kochen und dampfen, brodeln und tanzen. Eins, zwei, acht, der Rest wird ausgelacht.“

Dann lachte sie ganz laut, warf den Kochlöffel hoch in die Luft, fing ihn wieder auf und schlug damit dreimal gegen den Topf. „Fertig!“ rief sie. Dann fühlte sie ihm etwas in einen Becher und hielt es ihm hin. Ritter Knopf roch daran und hustete kräftig. Es roch nach Hühnerstall und Kaugummi gleichzeitig. Und da lachte die kleine Hexe Ti laut auf: „Es hat funktioniert! Alle Pusteln weg!“

Waaaas?“ rief Ritter Knopf und schaute wieder in den Spiegel. Tatsächlich. Alle Pusteln waren weg. „Sei froh, oder hast Du Dich auf Ohrenschmalzsuppe gefreut?“ Ritter Knopf verzog wieder das Gesicht. „Na also!“ rief die Hexe Ti. „Alles was man braucht, um gesund zu werden, ist

was Ekliges und ein bisschen Zauberei. Und jetzt gehen wir Deinen Schatz suchen! Ti!“ Und Ritter Knopf fragte lieber nicht, woher sie von seinem Plan wusste.

Geschichten-Download:
Ritter Knopf und die kleine Hexe Ti_Nadine Hilmar

Keine Kommentare