Ich kenne kaum einen Vierjährigen, der Piraten nicht mag. Und dann kommen in dieser Abenteuergeschichte von Verena von Königskinder auch noch – was sonst – Königskinder vor! Perfekt. Deshalb: Los! Geschichte Ausdrucken und Vorlesen!

Königskinder Geschichte VorlesenWie jede gute Geschichte beginnt auch unsere so: Es waren einmal vor gar nicht allzu langer Zeit zwei Königskinder. Eines Tages gingen Prinzessin Anna und Prinz Jakob im Schloss, in dem sie wohnten, auf Entdeckungsreise. Dabei erforschten die beiden Ecken, in denen sie zuvor noch nie gewesen waren und öffneten Türen und Tore, die seit vielen Jahren nicht mehr geöffnet worden waren.

Im hintersten Eck des Südflügels stießen die Königskinder auf ein Tor, das so ganz anders aussah, als alle anderen Türen im Schloß. „Sieht ein bisschen aus, als käme es aus Japan“, befand Prinzessin Anna. Ihr Bruder interessierte sich allerdings weniger für die Herkunft des Tores, als dafür, was er wohl dahinter finden würde. Und da er ein mutiger kleiner Prinz war, öffnete er das Tor und betrat den Raum, der dahinter lag. Eine dicke Staubschicht bedeckte alle Oberflächen. „Schon lange keiner mehr hier gewesen“, stellte Jakob fest. „Und wir sollten auch nicht hier sein!“, flüsterte Anna eindringlich. Der Prinzessin war der Raum so gar nicht geheuer. Doch gerade als sie ihren Bruder wieder aus dem Raum hinaus ziehen wollte, fiel ein einzelner Sonnentrahl durch das verschmutze Fenster in den Raum ein und traf auf einen interessanten Gegenstand. Neugierig, wie er nun einmal war, lief Jakob zurück in das Zimmer. „Anna“, rief er aufgeregt. „Komm doch her! Ich habe etwas entdeckt!“ Die Prinzessin zögerte nur kurz, dann gewann auch ihre Neugierde über die Angst. „Na lass sehen, was du da hast.“

Die beiden sahen, dass der Lichtstrahl auf eine Schriftrolle gefallen war. Als Prinz Jakob diese aufheben wollte, protestierte Anna: „Jakob, du weißt ja nicht, was das ist. Wir sollten lieber gehen!“ Doch der Prinz hatte die Rolle bereits in de Hand. „Schau, Anna!“, rief er. „Da steht etwas drauf!“ Noch bevor Prinzessin Anna ein weiteres Wort sagen konnte, hatte Jakob das vergilbtes Blatt Papier aufgerollt. „Eine echte, richtige Schatzkarte!“, jubelte Jakob. „“Ich wollte immer schon eine richtige, echte Schatzkarte finden und dann auf Schatzsuche gehen!“ Anna nahm ihrem Bruder die Karte aus der Hand. „Das ist ja tatsächlich eine Schatzkarte“, staunte sie. „Und so wie’s aussieht führt der Weg zum Schatz durch den Schlossgarten hinunter zum See.“ „Lass uns doch bitte den Schatz suchen, Anna“, bettelte Prinz Jakob. Doch das war gar nicht mehr notwendig – seine Schwester war bereits vom Schatzsucher-Fieber befallen und musste nicht mehr überredet werden.

Die Kinder machten sich auf den Weg in den Schlossgarten, immer die Karte in der Hand. Sie gingen am großen Brunnen im Schlosshof vorbei und am Häuschen des Gärtners. Die Nach einigen Minuten gelangten sie der Karte folgend zu einem kleinen Wäldchen. Doch die Karte zeigte an, dass sie noch nicht am Ende der Suche waren. Also marschierten die beiden Königskinder weiter. „Anna, was glaubst du denn – was wird denn der Schatz sein? Eine Kiste voller Goldstücke? Edelsteine und Schmuck?“, fragte Jakob aufgeregt. „Jakob, was wenn das alles nur ein Scherz ist und wir gar keinen Schatz finden?“, versuchte die Prinzessin die Vorfreude ihres Bruders ein bisschen zu dämpfen. „Aber was, das wird schon ein richtiger Schatz sein. Ist ja schließlich eine richtige Schatzkarte.“ Jakob marschierte fröhlich weiter und Anna hinten drein. So gingen die zwei, bis sie an einer steilen Klippe ankamen. Ratlos blickten sie hinunter. Anna sah’s zuerst und rief: „Jakob, schau! Da unten hat jemand ein großes Kreuz in die Felswand geritzt! Ich glaub du hast wirklich recht und wir haben einen Schatz gefunden!“ Wenn er nur nicht so weit unten wäre!

Ratlos sahen die beiden Kinder die steile Klippe hinunter und auf das Kreuz. „Da kommen wir auf gar keinen Fall runter“, stelle Anna enttäuscht fest. Auch Jakob war knapp dran, aufzugeben. Doch plötzlich begann er zu grinsen. „Wir brauchen eigentlich nur eine Leiter. Und wir sind doch am Weg hierher am Häuschen des Gärtners vorbei gekommen – der hat doch garantiert eine Leiter!“

Also marschierten die zwei Kinder zurück durch den Wald und als sie an der Hütte ankamen sahen sie durch das Fenster hinein. Der Gärtner saß gerade vor einer Schüssel mit dampfendem Reis und aß mit Genuß. „Ich würd‘ ihn gar nicht stören – und dann müssen wir auch nix erklären“, war Anna irgendwie erleichtert. Also schnappten sich die beiden einfach die Leiter, die hinterm Häuschen lehne, hinterließen einen Zettel und marschierten mit der schweren Leiter unterm Arm wieder Richtung Klippe. Sie schnauften ganz schön, als sie endlich ankamen. Aber die Aufregung verlieh ihnen Kraft und so schafften sie es, die Leiter die Klippe hinunter zum Kreuz zu lassen. Kaum stand die Leiter, war Jakob auch schon auf dem Weg nach unten. Anna seufzte – sie mochte Höhen nicht so gerne – und folgte ihrem Bruder.

Beim Kreuz im Stein angelangt waren die beiden Königskinder ein wenig ratlos. „Was jetzt?“, fragte Prinz Jakob die große Schwester. Die wußte doch immer ganz genau, was zu tun sei. „Na ich weiß auch nicht“, gab Anna kleinlaut zu. Jakob ging zum Kreuz und begann, daran herum zu drücken. Als er genau in die Mitte drückte, ächzte der Felsen und begann, sich zu bewegen. „Da ist eine Geheimtür in der Wand“, rief Jakob aufgeregt. Anna war das alles nicht mehr ganz geheuer – sie wollte lieber wieder gehen, aber der Prinz war schon durch die Geheimtür in die dahinterliegende Höhle gerannt. Anna hörte ihn schon wenige Sekunden später jubeln: „Ein Schatz, ein Schatz! Juhu, wir haben einen Schatz gefunden!!“ Sie folgte ihm in die Höhle und tatsächlich – da stand eine Holzkiste.

Auf dem Deckel der Kiste war ein großer Totenkopf mit zwei überkreuzten Knochen abgebildet. „Jakob, ich glaube nicht, dass wir da reinschauten sollten – das ist doch ganz offenbar eine alte Piratenkiste.“ Anna war wieder die Stimme der Vernunft. Doch Prinz Jakob hatte den Kopf bereits in der Kiste und tauchte auch schon wieder mit einem triumphierenden „Aha“ aus der Kiste auf. In den Händen hielt er einen goldenen, mit Edelsteinen besetzen Kelch. Am Rand des Kelches schien eine Inschrift eingeritzt zu sein. Um diese besser sehen zu können, rieb Jakob mit seinem Ärmel daran. Da begann es in der Höhle unheimlich zu leuchten, der Kelch blitzte und Jakob begann zu wanken. Anna schrie auf: „Jakob, lass den Kelch in Ruhe!“, doch es war zu spät. Jakob begann zu wachsen und zu wachsen und immer weiter zu wachsen. Bis er dreimal so groß wie Anna war. Anna begann mit ihrem Riesenbruder zu schimpfen: „Weil du auch immer alles anfassen musst und nie auf mich hörst und so neugierig bist und nie nachdenkst, bevor du was tust…“ Der riesige Jakob kratzte sich am Kopf und sah ein bisschen betreten drein. „Ja schon, aber das hilft jetzt auch nicht. Was sollen wir bloß tun? So kann ich ja wohl schlecht zu Mama und Papa heimgehen, oder?“

Anna blickte ratlos in der Höhle herum. Sie sah den Kelch am Boden liegen und nahm in vorsichtig hoch. Die Inschrift war nun gut zu lesen. Das stand „Wer mich reibt, riesig bleibt. Wer’s Pillchen schluck, sich wieder duckt.“ „Welches Pillchen?“, war Jakob verwirrt. Er wollte sich ebenfalls in der Höhle umsehen, aber haute sich dabei wegen seiner Größe sofort fürchterlich den Kopf an den Felsen an. „Aua! Das ist ganz schön blöd, so groß zu sein“, schimpfte er, und rieb sich die Stirn. Anna war inzwischen wieder zur Kiste zurück gegangen und sah noch einmal genau hinein. Und tatsächlich, da war noch was – eine grünlich schimmernde Tablette. „Hm, Pillchen – wie kleine Pille. Und für Jakob ist jetzt ja alles klein…“, murmelte sie vor sich hin. Sie schnappte die Tablette und gab sie Jakob. „Na dan probieren wir das einmal, du Riesenbaby“, meinte sie. „Riese vielleicht, aber Baby ist nicht sehr nett“, maulte der große Prinz. Aber richtig beschweren wollte er sich auch nicht – schließlich hatte Anna ja nicht unrecht, böse auf ihn zu sein. Er nahm vorsichtig die Pille in seine Riesenfinger und steckte sie in den Mund. Wieder begann die Höhle zu leuchten und zu blitzen und wenige Sekunden später stand Jakob auf seine richtige Größe geschrumpft wieder vor Anna. Die stemmte die Arme in den Hüften und blickte streng. Sie holte Luft und wollte beginnen, weiter zu schimpfen. Doch Jakob kam ihr zuvor. „Ich weiß, Schwesterlein. Schön blöd und unvorsichtig und es tut mir wirklich sehr sehr leid! Bitte schimpf nicht mehr und lass uns doch nach Hause gehen. Ich fand die Schatzsuche zwar ganz lustig, aber das jetzt war mir doch zu aufregend.“

Und so schnappte sich Anna ihren wieder kleinen Bruder und die beiden Abenteurer stapften wieder nach Hause. Sie verschlossen die Kiste, schlossen die Höhle, brachten die Leiter zurück und waren ehrlich gesagt sehr froh, als sie wieder daheim im Schloss waren. Und für die nächsten Tage und Wochen waren beide sehr zufrieden mit ihren Spielsachen und Büchern. „Abenteuer sind schon schön – aber in kleinen Dosen“, stelle Anna ein paar Tage später noch fest. Jakob grinste und drückte seiner Schwester einen dicken Kuss auf die Wange.

Geschichten-Download:

Die zwei Königskinder …_Verena Tanos

Keine Kommentare