So, das war also unser Familienurlaub am Wolfgangsee. Einer unserer Lieblingsorte in Österreich übrigens. Hier haben wir vor acht Jahren geheiratet. Hier ist es wunderschön. Und hier sind wir nun also alle so supergenervt, dass ich mit den Kindern eine Woche früher nach Hause fahre. Heute gibt es mal einen ehrlichen Urlaubsbericht.

Ich hör es schon – der beste Mann wird umgehend motschgern, wenn er diesen Beitrag liest:“ Sei doch nicht immer so negativ!“ Jajajaaaaa, du hast so recht – meistens, aber diesmal musste es echt sein. Warum schreibe ich also trotzdem vielleicht etwas zu ehrlich darüber? Weil ich mich diese Woche mit einer Freundin darüber unterhalten habe und es ihr ganz ähnlich geht wie mir. Ihr Urlaub hört sich annähernd wie unser Urlaub an. Ich bin also offensichtlich nicht alleine damit (was ich eigentlich dachte – ich fühlte mich schon echt als Versager-Mama). Und weil ich genau noch zwei weitere Möglichkeiten gehabt hätte: NICHT über diesen Urlaub zu schreiben (neeee!) oder es schön zu schreiben (inakzeptabel). Und mal ehrlich: ich glaube mittlerweile, es geht vielen von euch manchmal so und ich musste es mir von der Seele schreiben.

Urlaub am Wolfgangsee

Am Wolfgangsee ist es übrigens wirklich schön. Wundervolle Berge, smaragdgrüner See, romantische Stege, glasklares Wasser, Ruhe (von meinem Tinnitus mal abgesehen) und viele schöne Erinnerungen. Ich war schon so richtig in Vorfreude vor der Abfahrt. Die erste Woche waren wir richtig im Urlaub hier (ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen). Aber leider entpuppte wir uns allesamt als sehr unentspannt, wie ich vermute eine Nachwirkung vom anstrengenden letzten (Schul-)Jahr. Wir waren beide völlig übermüdet und haben nicht mal für eine Runde Volleyball oder – der einfacheren und kommunikativeren Variante – einen Schlummertrunk den Hintern hoch bekommen. Paar-Zeit? War nicht. Erste Woche vorbei, kein Urlaubs-Feeling in Sicht. Also alle Hoffnung auf Woche zwei setzen.

Phasenweise Urlaubsinkompatibilität – gibt es das?

Woche zwei. Der Mann musste vor Ort ein wenig arbeiten, ich wollte die Kinder bespaßen und am Abend „vor-arbeiten“. Wir hatten schon auch unseren Spaß, aber insgesamt lief es irgendwie nicht rund. Mittendrin dachte ich mir: Wir sind dieses Jahr einfach nicht Urlaubs-kompatibel. Gibt es so etwas? Phasenweise Urlaubsinkompatibilität? Wie kann es sein, dass alle teilnehmenden Kandidaten täglich mehrfach schlecht gelaunt sind? Das ist, als würden wir ein Schlechte-Laune-Stöckchen weiterreichen. Jeder kommt mal dran und dann geht es nochmal reihum. Die letzten Tage sind immer gleich abgelaufen: Aufwachen ca. um 7:30 Uhr. Erster Streit der Kinder um 7:32. Erster Schreianfall kurz vor Acht. Manchmal waren es die Schuhe, gelegentlich das Shirt oder die Zahnbürste, auf die ich gewagt habe vorab die Zahnpasta draufzutun. Habe ich es dann auch noch gewagt, das ganz kleine Fräulein danach nicht vom Zimmer zum Frühstück zu tragen, gab es die nächste Arie, die eben so lange gedauert hat, wie wir für die 200 Meter gebraucht haben. Gefühlt Stunden. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste das ganze Gelände, dass wir frühstücken gingen.

Urlaub am Wolfgangsee

Die kleinen Dramen ganz groß

Dann waren wir natürlich so spät dran, dass der Kakao alle war. Ein herzzerreißend und tränenbenetztes „KAKAOOOOOOOO!“ war die Folge. Kaum mit dem Frühstück fertig sind die Kinder abwechselnd abgehauen. Wer genau sagt eigentlich, dass Leinen für Kinder unmenschlich sind? Mit einer ordentlichen Leine hätten wir wenigstens zwei Schluck Kaffee in Ruhe trinken können, bevor wir einen Hundert-Meter-Spurt hinlegen durften. Zum Aufwärmen. Wie C. das kürzlich treffend ausgedrückt hat:“ Es warad scho‘ fein, zwei Schluck Kaffee in Ruhe trinken zu können vor dem ersten Geschrei. Dafür würd‘ ich sogar um fünf aufstehen!“ Ich sollte unseren Zeitplan noch einmal überdenken.

Um ca. neun Uhr auf dem Weg zurück habe ich das ganz kleine Fräulein dann doch getragen. Bergauf. Und dann kurz abgesetzt. Kehrtwendung, Startknopf gedrückt und sie war kreischend hinter dem nächsten Busch verschwunden. Mein Kopf hat gebrummt, im Gedanken bin ich durchgegangen, welche Kopfschmerztabletten ich in der Reiseapotheke habe. Der Mann und ich motzen uns mal mehr und mal weniger gereizt an. So hat sich das niemand vorgestellt.

Wir streiten, weil ich die Bedürfnisse der Kinder zu schnell befriedige, weil die Kinder sich wie kleine Diven geben, taub sind gegenüber sämtlicher Bitten, Empfehlungen oder Anordnungen, weil sie sich im Geschäft unter Gekreisch und Treten doch noch die wirklich nötigen Turnschuhe aussuchen (es hatte 16 Grad, nicht gerade Schlapfenwetter) und zu Hause nicht mehr anziehen wollen, weil sie müde sind, weil die Schuhe angeblich nicht passen, weil sie die falsche Farbe haben. Sie brüllen, weil das Wasser des Sees zu kalt ist (ok, versteh ich), weil am Boden eine Nacktschnecke kriecht, weil wir Fische sehen, weil Fische toll sind oder auch gerade nicht (je nachdem), weil die Flipflops verschwunden sind, weil das Kleid von gestern in der Wäsche ist, man bei 15 Grad nicht nackig rumlaufen darf oder weswegen auch immer. Einen Grund zum Motzen oder wahlweise Rebellieren gibt es immer, am besten lautstark und im Weglaufen begriffen.

Wenn’s nicht läuft, läuft’s nicht

Sämtliche beliebte Taktiken gegenüber unserer offenbar seit kurzem tauben (nicht stummen!) Kinder versagen: Auffordern, an Abmachungen erinnern, Bitten, Erklären, Verhandeln, Bestechen und am Ende manchmal sogar Drohen oder Laut werden (ja eh, das bringt nie was). Die Kinder waren wie ausgewechselt und schienen auf ihrem eigenen Planeten mit selbstgemachten Regeln zu leben. Eventuell ist Pipi-Langstrumpfismus ausgebrochen. Wir wissen es einfach nicht. Aber manchmal ist ein wenig erwachsene Vernunft eben doch sinnvoll. Im übrigen kann ich das Thema selbstbestimmtes Schlafen gehen hiermit in die Tonne klopfen. Selbstbestimmt bedeutet bei unseren Kindern bis 22 Uhr wach bleiben oder alternativ so lange wie der „Akku“ hält (eher länger) und dann um 7:30 Uhr total müde wieder aufzustehen. Mittagspause ist unnötig, zwischendurch kurz durchatmen ebenso. Dann sind sie eben den ganzen Tag müde, dafür aber selbstbestimmt grantig und streitsüchtig. Friedlich waren sie beim Staudamm-Bauen und Fische gucken. Immerhin.

Urlaub am Wolfgangsee

Und am Abend? Da kippten die Kinder völlig übermüdet ins Bett. So viel Schreien, Streiten, Kratzen, Beißen, Stoßen und das dazwischen Spielen ist anstrengend. Als sie endlich schlummerten, hatten der beste und geduldigste Mann und ich den gleichen Gedanken:“Sie sind so süß und friedlich, wenn sie schlafen …“

Täglich grüßt das Murmeltier …

In der Früh wird dann wieder fleißig gestritten, geschrien und lautstark verkündet, was jetzt wieder nicht passt. Donnerstag reichte es mir. Ich entschloss, früher nach Hause zu fahren. „Das hier bringt niemandem etwas. Keine Entspannung, kein Urlaubs-Erlebnis, schon gar kein befriedigendes…“ Ich packe also unsere Koffer und wir lassen den Papa eine Woche lang in Ruhe hier draußen arbeiten.

Zu Hause ist es auch schön (?!)

Urlaub zu Hause? Im Garten. Oder im Gänsehäufl. Auf jeden Fall bestimmt nicht sehr weit weg von zu Hause. Nicht weiter als ein paar U-Bahn Stationen oder eine Rad-Stunde. Wenn ein Ortswechsel unser Leben so sehr aus den Bahnen wirft, dass ich zu Mittag schon meine Nerven auf dem Schotterweg zum See liegen lasse, dann brauch ich keinen Urlaub am See. Und ich sterbe eigentlich für den Hashtag #wennichdenseesehbrauchichkeinmeermehr wenn es um den Wolfgangsee geht. So gerne ich es dort auch mag, die alte Donau ist auch fein. Mehr brauchen wir nicht zum glücklich sein …

Home Sweet Home. Our Home ist our Castle. Whatever

Also gut, dieses Jahr war der Urlaub nicht so toll. Kann ja mal passieren. Und jetzt freue ich mich erstmal auf ZU HAUSE. Ich hoffe auf eine friedliche Woche, kuscheln, Spaß und einfach Urlaub. Mit meinen zwei Damen. Weil sie haben es irgendwie auch verdient! <3

Zurück zu Hause. Und jetzt?

Ha – kaum sind wir auf heimischem Boden aufgeschlagen, sind diese Kinder wie ausgewechselt. Immer noch ein wenig taub aber zuckersüß und einen Großteil des Tages gut gelaunt. #ichverstehedieweltnichtmehr aber ich freue mich, denn so mag ich sie definitiv lieber und mich auch.

Ist es auch mal so gegangen ist im Urlaub mit den Kindern!? Bitte lasst mich nicht hängen! Mir ist das schwer an die Substanz gegangen und habe mich so ein bisschen als Versager-Mama gefühlt. Nicht schön …

PS: Das hier war übrigens einer der schönsten Momente: das ganz kleine Fräulein selig vertieft in den kleinen Wildbach …

Urlaub am Wolfgangsee

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