Jede Mama kennt das, irgendwann ist es so weit. In etwa wie beim Thema Babyschlaf („schläft sie schon durch?“), beginnen die Leute zu fragen: „Braucht sie noch Windeln? Geht sie aufs Töpfchen?“ Ab diesem Zeitpunkt ist es vorbei mit dem entspannten Windelkauf. Ab sofort hat man immer das Männchen im Hinterkopf sitzen, das sagt: dein Kind muß doch auch mal trocken werden1

Wunderbar, ihr habt hier rein geklickt. Ich verrate euch heute nämlich das ultimative „Geheimnis“ ums Trocken werden und meine Enthüllung wird euch so was von entspannen …

trocken werden

Bei uns war das so …

Die große Tochter ist zwei Monate jünger als mein Patenkind. Irgendwann im Frühjahr mit zwei Jahren wurde das Patenkind „sauber“. Er machte am Spielplatz Pipi hinter den nächsten Busch, manchmal ging es daneben, meistens klappte es. Wie das so ist beim ersten Kind, fing es auch in meinem Hinterkopf an zu rattern. Soooooo, jetzt müsste es auch bei uns bald so weit sein. Oder?

Ich habe damals gleich mal ein Töpfchen gekauft, das wiederum erstmal gekonnt ignoriert wurde. Mit Begeisterung hat die Tochter aber das singende Töpfchen ihres Sandkastenfreundes benutzt. Nur mit großer Überredungskunst konnte der beste Mann mich davon abhalten uns auch so ein lächerliches Ding zu besorgen. Ihr merkt schon, ich war bereits ein bisschen im Streß deswegen (typisch erstes Kind …).

Bis zum Sommer passierte dann erstmal gar nichts. Im Sommer dachte ich mir: hmmmm, Sommer. Perfekt, um ohne Windel gehen zu „üben“. Tja, als ob man so etwas üben könnte. (Wusste ich damals noch nicht). Im Strandbad war es halb so schlimm, denn ob sie mit oder ohne Windel Pipi ins Donauwasser macht ist in Wirklichkeit egal. Bis zum Klo haben wir es eigentlich selten geschafft.

Der Sommer ging vorüber, die Tochter trug immer noch oder eigentlich wieder Windeln. Weil uns das bei Freunden gut gefallen hatte in Sachen Selbständigkeit, haben wir ein Klotreppchen gekauft. Von einem Tag auf den anderen benutzte sie es dann auch plötzlich. Einfach so. Das wars. „Mama, keine Windel. Ich will Unterhose!“ Das wars.

Ein paar Wochen später sagte sie den Windeln auch in der Nacht „Tschüß!“. Das war in etwa mit zweieinhalb. Ob das früh oder spät ist – ich weiß es nicht. Denn jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Das habe ich dann natürlich erst gelernt, als beim Sandwichmädchen alles wieder ganz anders war.

Was ist wichtig beim Trocken werden?

Ich bin gegen Töpfchentrainings jeglicher Art und für mich sind auch Sticker, Stempelkarten oder ähnliches mehr oder weniger sinnfrei, weil sie eine externe Motivation darstellen, die nichts mit dem „Phänomen“ der Harnkontrolle an sich zu tun haben. Du willst jetzt sicher wissen, was ist dann der wunderbare und todsichere Tipp, den ich versprochen habe? Ich habe viel gelernt mit meinen Kindern und das wichtigste im Zusammenleben mit meinen wunderbaren kleinen Menschen ist: Geduld.

Ich weiß, ich weiß, wir Eltern können vor allem beim ersten Kind kaum den jeweils nächsten Entwicklungsschritt abwarten. Die Ungeduld und Freude daran drängt und schubbst uns geradezu von einem Schritt zum nächsten. Der Verzicht auf Windeln ist auch für uns Erwachsene ein besonders großer Schritt, weil er mit einem großem Stück Selbständigkeit verbunden ist. Wenn wir aber überlegen, welch einen marginalen Zeitraum im Leben eines Menschen Windeln gebraucht werden (also diese zwei bis vier Jahre in einem ganzen Menschenleben), dann ist das doch gar nichts! Geben wir ihnen doch diese ihre Zeit, um sich zu Entwickeln!

Weshalb gibt es nicht DEN Zeitpunkt für’s Trocken werden?

Wenn jemand dir erzählt, sein Kind wäre mit eineinhalb Jahren windelfrei, dann mag das sein, ist aber eher ungewöhnlich. Denn tatsächlich ist die Zeitspanne, in der Kinder ohne Windeln selbst wissen, wann sie zur Toilette müssen sehr groß. Bei manchen ist es eben schon unter zwei Jahren so weit, bei anderen mit vier Jahren. Ob Kinder das können hängt nicht (wie wir oft glauben) von externer Motivation ab, wie etwa die schon erwähnten Sticker, Stempel oder sonstigen Goodies mit denen Eltern sie versuchen zu „bestechen“.

Vielmehr hängt die Fähigkeit der Harnkontrolle bei kleinen Kindern von der Entwicklung des Nervensystems ab – nennen wir sie in dem Fall ganz unwissenschaftlich die Pipi-Synapsen. Sind diese quasi noch nicht verbunden, dann kann das Kind noch nicht sagen, ob es gleich zur Toilette muß, ganz egal, welchen Tanz wir Eltern um das Töpfchen aufführen. Ist das Nervensystem so weit entwickelt und sind die Kinder bereit und können den Harnddrang bewusst wahrnehmen, dann signalisieren sie ganz von selbst – vielleicht zuerst nur durch auffälliges Trippeln oder von einem Fuß auf den anderen treten – dass sie „mal müssen“.

Was ist also wichtig für’s Trocken werden?

Es ist völlig verständlich, dass man auf diesen einen für uns Eltern so bedeutsamen Entwicklungsschritt ungeduldigst wartet. Jeder kennt das. Trotzdem ist es wichtig, sein Kind nicht zu drängen. Es spricht nichts dagegen, schon mal ein Töpfchen auf der Toilette zu platzieren oder eine Treppe zu besorgen, damit dem Kind der Zugang erleichtert wird, wenn es so weit ist.

Auf das Töpfchen oder auf die Toilette zu gehen soll in gewisser weise Spaß machen oder eigentlich selbstverständlich werden. Wenn man sein Kind zu sehr dahin drängt, kann sich das auch negativ auswirken (aus Angst, einfach nicht zu schaffen, was Mama da verlangt).

Bei den meisten Eltern ist es sowieso häufig so: das zur Toilette gehen ist oft familiär recht öffentlich. Viele Mamas kennen das – die Tür muß offen bleiben, damit der Blickkontakt bestehen bleibt. Kinder sehen so natürlich auch, wie es funktioniert. Keine Sorge, irgendwann darfst du auch wieder ganz alleine zur Toilette gehen. Um ehrlich zu sein: ich sperre mittlerweile einfach zu, damit nicht permanent die Klotüre aufgerissen wird:“Mamaaaaaaaa, kannst du mal …. Mamaaaaa, schau mal!, Mamaaaa … whatever!“

Und dann plötzlich klappt es. „Oh schau, es hat geklappt. Du hast Pipi in die Toilette gemacht!“ Huch, das klingt seltsam für Erwachsene, aber ich habe es so gehandhabt Zu Beginn. Und sie waren sehr stolz darauf.

Trocken werden in der Nacht

Die meisten Kinder werden erstmal untertags windelfrei. Meist ist das Nervensystem aber dann noch nicht so weit entwickelt, dass es den Zusammenhang zwischen dem Harndrang und Aufwachen herstellen kann. Deshalb kann es noch eine Weile dauern, bis es auch in der Nacht ohne Windel funktioniert. Exakte Richtwerte gibt es auch hier nicht. Beim kleinen Fräulein war das mit zweieinhalb der Fall und nur ein paar Wochen nach dem Weglassen der Windel untertags, bei der Sandwichtochter gerade eben erst mit dreieinhalb, rund eineinhalb Jahre nachdem sie untertags trocken wurde.

Keine Sorge, dein Kind wird mit recht großer Wahrscheinlichkeit nicht mit Windeln in die Schule kommen. Setzte es nicht unter Druck oder stell es bloß, wenn es dafür länger braucht als zum Beispiel seine Kindergartenfreunde oder wenn mal ein „Unfall“ passiert. Abwischen, Wechselwäsche rauskramen und umziehen. Eine Partie Wechselwäsche mehr zu waschen ist kein Drama.

Lass dich nicht verunsichern oder unter Druck setzten, wenn Betreuerinnen im Kindergarten „Trocken sein“ mit drei Jahren als „Muß“ einfordern. Ihnen sollte eigentlich klar sein, dass man Trocken werden nicht erzwingen kann. Natürlich werden sie trotzdem darauf hinweisen, weil es ihnen ihre Arbeit mit der Gruppe erleichtert, wenn 20 Kinder selbst auf die Toilette gehen können und nicht gewickelt werden müssen.

Doch noch ein kleiner Trick fürs Selbstbewusstsein

Unsere Kinder haben es gut verstanden, wenn wir auch nach der Verabschiedung der Windel „mit Windel“ situationsbedingt abgesprochen haben. Untertags war es kein Thema, da macht auch eine nasse Hose nicht viel mehr Aufwand. Für längere Autofahrten (auf der Autobahn zum Beispiel) habe ich zu Beginn meist entweder tatsächlich trotzdem eine Windel genommen oder eine Wickelunterlage unter dem Po vereinbart. Das war für sie völlig in Ordnung mit meiner “ für den Fall der Fälle“ Erklärung, dass sie vielleicht Einschlafen oder dass wir nicht so schnell stehen bleiben können auf der Autobahn.

In der Nacht galt als Richtwert fürs ohne Windel schlafen: drei trockene Windeln drei Nächte hintereinander. Ich habe beiden erklärt, dass ein nasses Bett passieren kann aber für mich sehr viel Wäsche bedeutet, die bei drei Kindern momentan einfach sehr schwer zu bewältigen ist. Beide haben es verstanden und quasi mit uns einen Deal abgeschlossen. Hat super geklappt und Unfälle gab es eigentlich nicht oder nur sehr selten.

Sollte es doch nicht klappen, was dann?

Ein gesundes Kind braucht normalerweise bis zum Schuleintritt keine Windeln mehr. Sollte Einnässen oder Inkontinenz trotzdem vorkommen, kann das andere körperliche oder seelische Gründe haben  und du solltest erstmal versuchen herauszufinden, woran es liegen kann (zuhören!) und beim Arzt abklären ob es körperliche Gründe gibt. Bitte gib nicht deinem Kind die Schuld dafür – meistens kann es selbst am allerwenigstens dafür und kann den Grund weder analysieren noch benennen. Kinderseelen sind verletzlich und schon kleine uns nicht bewusste „Schürfwunden“ an der Kinderseele können verantwortlich dafür sein.

Ich habe diesen Beitrag zum Trocken werden verfasst, da eine Leserin mich kürzlich gefragt hat, wie wir mit dem Thema umgegangen sind. Ich danke dir für deinen Input und teile unsere Geschichte hier gerne. Es gibt nicht nur unseren Weg, es gibt viele Wege und jeder davon ist individuell. Das WICHTIGSTE ist: Geduld haben. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, jedes Kind ist anders. Vorgegebene Entwicklungstabellen für Kinder sind deshalb sehr flexibel zu verstehen. Es ist so: ein Kind kann als Erwachsener nicht besser Laufen, weil es mit 10 Monaten Laufen gelernt hat. Genauso kann ein Kind als Erwachsener nicht besser auf die Toilette gehen, weil es das mit zwei Jahren schon konnte oder eben erst mit drei oder vier.

Alles Liebe,

Trocken werden kann ganz einfach sein. Ich verrate euch den ultimativen Trick und einen guten Grund, das Thema entspannt anzugehen. #aufwachsen #bedürfnisorientierung #mamablog #mamablogger #mamablogger_at #mamablogger_de #erziehung

5 Kommentare