Vor dem Abflug habe ich ja ganz enthusiastisch meine Fliegen mit Kindern – Checkliste gepostet. Die war wirklich fein und ich sag’s euch, es ist wirklich fast so perfekt gelaufen wie geplant…  Fast.

Meine zwei Damen waren auf dem Weg nach Hause Zucker. Sie waren sehr aufgeregt aber kooperativ, wenn auch ein wenig unwillig den geliebten Campingplatz mit seinem Kinderpool und der endlosen Sandkiste vor der Tür zu verlassen.

Ich habe sie über Mittag noch ins Bett gesteckt, damit wir uns gut ausgeschlafen auf die Reise machen können. Im Bus durfte ich mal wieder Bobo vorlesen, danach Conny und dazwischen sogar kurz Luft holen. Die Bestechung mit Gummizeug klappte ganz fantastisch (das richtige Essen habe ich natürlich versehentlich liegen lassen …) und die Stunde bis zum Flughafen war schneller um als gedacht.

„Mama, ich will …“ (…irgendwas Süßes). Die Bestechung.

Am Flughafen haben sie sich aus der Sicht eines Erwachsenen vorbildlich verhalten. Rechnet man die Hitze dazu und dass sie eigentlich auch schon Hunger hatten könnte ich sie im nachhinein noch dafür Knutschen, dass sie so unglaublich geduldig waren. Der Flughafen Venedig wird offenbar gerade umgebaut und wir sind drei Mal im Kreis gelaufen, bevor ich festgestellt habe, dass wir in den ersten Stock müssen. Obligatorische Zwischenrufe, wie „Ich will einen Schlecker!“ oder „Mamaaaaa, ich will ein Eis!!“, welches das ganz kleine Fräulein umgehend als „Mama, Eis! Mamaaaaaa, Eeeeeeis!“ in ihr Repertoire übernommen hat, habe ich mit einem Schoko-Muffin abgestellt. Ja, ich weiß – pädagogischer Fehlgriff, aber es hat mir Zeit verschafft.

Fliegen mit Kindern

Das Pony-Drama

Wir haben auch die Security gut überstanden. Das ist besonders erwähnenswert, da das kleine Fräulein bereits im Bus fast zu Weinen begonnen hat, nachdem ich ihr erklärt habe, dass ihre Ponys durch die Security Kontrolle über das Band laufen müssen. Hoppla. Wer konnte denn ahnen, dass das eine mittlere Krise auslösen würde? Ich musste ihr umgehend versichern, dass den Ponys in dem Gerät nichts passiert. Mehrmals und nachdrücklich. Ein Tränchen war schon im Augenwinkel. So weit alles gut, die Ponys sind unversehrt am anderen Ende der Security wieder raus gekommen und wir konnten den Flughafen erobern. Das sieht mit hungrigen Kinder so aus: Lautes Gebrüll nach Eis. Weil Hunger = mir egal was ich bekomme, bevorzugt aber Eis. Man suche sodann ein Lokal und fülle ihre Mägen. Mit Spagetti.

Finale: Das Gurt-Drama

Wir boarden also mit gut gefüllten Bäuchen. Das Flugzeug ist halb leer. Gut, denn Mama hat online versehentlich Plätze ohne Fenster reserviert. Wir dürfen tauschen. Ich gebe ihnen Stifte und Block, die Flugbegleiterin bringt die Kinder-Goodies. Wir starten. Die Kinder-Goodies werden bemalt, die Notfalls-Anleitung auch (Memo an mich selbst: Buntstift geht mit Feuchttuch nicht runter von beschichtetem Papier. Nächstes Mal auch einen Radiergummi einpacken! Ist mir total unangenehm, dass sie rumgeschmiert haben). Ich sammle laufend Memo-Schnippsel ein und packe sie in ein Müllsackerl. Dann teile ich die iPods aus. Doch HALT! Der iPod des ganz kleinen Fräuleins ist leer. Wie konnte das passieren. Nicht aufgeladen! Aaaaaah! Sie guckt mich mit großen, traurigen Augen an. „BOBO?“ Oh nein. Ich setzte sie zu mir rüber und lese Bobo vor. Und lese. Und lese. Fertig. Sie will sich abschnallen. Nein, das darfst du nicht. Tisch runter. Nein! Wir landen. Sie weint. Ich erkläre und erkläre, tröste, halte sie fest (weil sie muß ja angeschnallt bleiben). Die Flugbegleiterin hat noch mal energisch darauf hingewiesen und ihren Gurt enger gemacht. Ich verstehe es ja. Aber das ganz kleine Fräulein nicht. Drama. Unverständnis. Unverstandenheit. Sie brüllt und brüllt und brüllt. Weint, schreit, schlägt um sich, ruft „Auf! Auf! Aaaaauf!“, versucht sich herauszuwinden, tritt nach mir, die Tränen laufen ihr über die Wangen. Sie tut mir so leid. In ihrer Welt ist es nicht notwendig, sich im Flugzeug anzuschnallen.

Fliegen mit Kindern

Drei Reihen hinter uns zischt eine ältere Wienerin:“ Pscht. Jetzt sei doch ruhig! Bist endlich leise!?“ Sie schaut mich vorwurfsvoll an. Ja, ich weiß, das schrille Geschrei nervt andere Passagiere. Sie nörgelt weiter. Mein verzweifeltes Mädchen bekommt das sowieso nicht mit. Als wir stehen endlich die Erlösung: ich schnalle mein völlig zerstörtes Kind ab. Sie völlig fertig, ich auch. Und alles nur wegen einem Gurt. Sie bricht auf mir zusammen, ich packe sie in die Trage. Kopfschüttelnd drängt sich die schimpfende Lady vorbei. Wir haben wohl ihr Flugerlebnis zerstört. Früher, da gab es wohl Kinder, denen man gesagt hat „sei ruhig“ und sie waren es auch…

Stolz

Das kleine Fräulein einstweilen: Entspannt in der Reihe nebenan. Conny lauschend, Kekse knabbernd. Wie eine Große. Ich war ihr so dankbar, sie war einfach wunderbar. Als ob sie es ausnahmsweise mal verstanden hätte, dass ich meine Energie diesmal zu hundert Prozent auf ihre Schwester verwenden musste (ein normalerweise inakzeptabler Zustand). <3

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