Es ist schon spannend: 9 Monate lang trägt man als Mutter sein Baby im Bauch und noch lange, bevor auch nur irgendjemand dieses Kind sieht oder im Arm halten kann, spüren wir schon eine starke Verbindung und wissen sehr genau, wie dieser kleine Mensch da drin tickt- ob es ein kleiner Wildfang ist oder eher zu der ruhigeren Fraktion zählt, gerne Musik hört oder schon so früh willensstark zeigt was es mag und was nicht. 

Dann ist es „da“ und als Mutter verbringen wir- abgesehen von wenigen, meist eher kurzen Pausen- 24/7 unserer Zeit mit dem Neugeborenen. Teilen oft Bett und im Fall von stillenden Müttern weiterhin unseren Körper mit unserem kleinen Wunder, kümmern uns selbst nachts in harten Zeiten sogar 1-2stündlich um die Bedürfnisse dieses hilflosen Wesens.

Innerhalb kürzester Zeit lernen wir, die verschiedensten Laute und Gesten, die unser Baby von sich gibt, zu unterschieden. Egal ob es Bauchweh, Hunger oder Müdigkeit ist, mit Ausnahme von Tagen mit allgemeiner Unzufriedenheit, Schüben oder Phasen wissen wir eigentlich immer, was unser Kind braucht. Sehr oft bringen wir unsere Mitmenschen mit diesem Wissen zum Staunen. Wir sind eindeutig die Expertinnen für unseren Nachwuchs und kaum ein Mensch würde das je anzweifeln… bis…ja, bis wir unser Kind in den Kindergarten eingewöhnen wollen.

Kindergarten Eingewöhnung

Kindergarten Eingewöhnung: wieso will man uns Müttern das Bauchgefühl abgewöhnen?

Dann passiert es leider nicht selten, dass uns innerhalb kürzester Zeit von sogenannten „Spezialisten“ (es ist ja ihr Job, und egal, ob sie selbst Mutter sind oder nicht, sie müssen doch wissen, was ein Kind so braucht) uns manchmal mehr, manchmal weniger unterschwellig suggerieren, dass wir einfach nicht auf unser Bauchgefühl vertrauen dürfen.

„Weil die Eingewöhnung immer so abläuft und die anderen Kinder sich ja offensichtlich wohl fühlen. Weil die Kinder jetzt mal einfach den Schmerz der Trennung durchleben müssen. Weil das Kind nur in den ersten beiden Wochen von einem Elternteil in die Gruppe begleitet werden darf, sonst denkt es noch, das geht immer so. Weil…“ … die Liste könnte man noch einige Zeit lang fortsetzen.

Wir sind die Experten für unser Kind!

Aber mal im Ernst – je nach Zeitpunkt der Eingewöhnung waren wir 1 Jahr, 18 Monate, ja bis zu 30 Monate lang oder in manchen Fällen sogar darüber hinaus DIE EXPERTEN für UNSER KIND. Wieso sollte sich das schlagartig mit Eintritt in den Kindergarten plötzlich ändern? Das tut es eben NICHT und nichts und niemand sollte uns davon überzeugen können, dass wir nicht immer ganz genau spüren, was wir unserem Spross zumuten können und was vielleicht zu viel ist.

Wann wir eine Trennung anstreben, wann wir besser noch ein oder mehrere Tage mit in die Gruppe gehen und ja, auch das kann und darf vorkommen: wann wir vielleicht mal einen Versuch der Trennung abbrechen, weil wir als Spezialistin für unseren Nachwuchs merken, dass es jetzt für unseren Kindergartenneuling (vielleicht nur heute, weil kurze Nacht, schlechte Laune, Vollmond, Schub oder…) einfach nicht geht. Morgen ist ein neuer Tag und da kann man es ganz einfach wieder versuchen.

Kinder sind wie Trüffelschweine …

Nur, wenn unser Kind das Gefühl hat, sich auf uns und auch auf die neue Bezugsperson (= die Pädagogin oder Betreuerin) verlassen zu können, wenn es weiß, dass seine Bedürfnisse und damit meine ich tatsächlich Bedürfnisse wie Sicherheit und nicht „nur“ Wünsche wahrgenommen und ernst genommen werden, dann ist es auch bereit zu Vertrauen. Erst dann kann es sich auf diese neue Situation und die Pädagogin wirklich einlassen und die Eingewöhnung wird der Beginn einer wunderbaren neuen Zeit als Kindergartenkind. Und wenn du mit der angewandten Methode nicht einverstanden bist und das für dich behältst, spürt dein Kind diese Inkongruenz so sicher wie ein Trüffelschweinchen im Wald und reagiert sofort mit einem „instinktiven Notfallplan”, der unser Überleben seit Anbeginn unserer Zeit gesichert hat. Es klammert sich an seine engste Bezugsperson – also dich – und wird sich nicht (kampflos) lösen, bis die „Gefahr“ vorüber ist.

Kinder wissen nicht genau, was in ihnen vorgeht …

Das passiert absolut unbewusst und selbst, wenn du dein Klammeräffchen fragst „Was ist denn jetzt los, wieso darf ich nicht gehen, etc.“ wird es dir diese Frage nicht beantworten können. Es weiß selbst nicht, was da gerade passiert! Aber du hast in diesem Moment die Möglichkeit, in dich hinein zu hören und hineinzuspüren, ob du gerade selbst hinter der Methode bzw. der angestrebten Trennung stehst oder ob diese Situation für dich (aus welchen Gründen auch immer) jetzt gerade nicht stimmig ist.

Kindergarten Eingewöhnung

Ich möchte dich anregen, ehrlich hinzusehen und offen zu sein für dein Bauchgefühl.

Das bedeutet natürlich nicht, dass es nie auch nur eine Träne geben wird. Doch! Es gibt Tage, an denen sich Kinder nicht so gut von Ihrer Bezugsperson lösen können, wir gehen ja auch nicht jeden Tag mit der gleichen Motivation in die Arbeit (und ja, Kindergarten ist für unsere Kinder Arbeit!). Aber dann wird dort eine Bezugsperson im Kindergarten sein, die das Kind auffangen und trösten kann, wo es zeigen darf, dass es jetzt traurig ist, um wenige Minuten später fröhlich und gelöst zum Spielen mit den Freunden aufbrechen darf. Weil es weiß, dass es auch im Kindergarten einen sicheren Hafen hat, der in Momenten der Unsicherheit Halt gibt und bedingungslos da ist.

Natürlich gibt es (zum Glück) immer mehr Kindergärten, die auf die Bedürfnisse der Kinder achten und die Eltern als Experten voll mit einbezieht, aber solltest du nicht das Glück haben und dir Sätze wie oben beschrieben begegnen- lass mich dir sagen:

DU bist der wahre Experte für dein Kind und du darfst und sollst deine Expertenmeinung einbringen und demnach Entscheidungen treffen. Denn manchmal ist es besser, ein paar Tage länger in die Eingewöhnung zu investieren und dafür ein sicher eingewöhntes Kindergartenkind zu haben, das gerne dort ist und an den meisten Tagen fröhlich in den Kindergarten geht.

Dieser wunderbare Text zur Kindergarten Eingewöhnung stammt von Kathi Kriz, Mama von drei Kindern, Familienbegleiterin, Mentalcoach in Ausbildung.

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