Jeden Sonntag schieben alle in unserer Straße ihre große schwarze Mülltonne vor die Türe, weil Montag Früh der Müllwagen kommt. Oft stehen noch ein oder zwei Müllsäcke daneben. Ein oder zwei Müllsäcke, die nur deshalb so knallvoll sind, weil die Leute Müll nicht trennen, viele Lebensmittel wegwerfen, viel Zeugs in Plastikverpackung kaufen oder weil es ihnen einfach scheißegal ist. Nachhaltigkeit? Was ist das?

In unserem Haushalt leben 5 Personen. Unsere Tonne ist selten wirklich voll. Ich bin mir also ziemlich sicher, eine Tonne müsste für annähernd jedes Haus in unserer Straße ausreichen. Warum zum Teufel tut es das also nicht?

Nachhaltigkeit für Anfänger

Ja, warum nur???

Fast überall in Österreichs schmeckt das Trinkwasser aus der Leitung wirklich gut. Trotzdem kaufen die Leute Mineralwasser in Plastikflaschen. Still, nicht prickelnd, was wenigstens Logik hätte …

Die Frau in der Gemüseabteilung nimmt für ihre zwei Gurken ein Plastiksackerl – die Gurken sind auch nochmal extra in Plastik verpackt. Für die zwei Äpfel ebenfalls und dann noch eins für drei Mandarinen. Auf jedes Sackerl klebt sie fein säuberlich den Preis drauf, den die Waage ausspuckt. Zu Hause packt sie das Obst und Gemüse aus und wirft die Sackerl in den Müll.

Frau M. freut sich, dass die Kindergetränkeflaschen im 6er Pack im Angebot sind. Perfekt für die Schule. Nicht mal ein Viertel Liter Getränk in Plastik verpackt, fünf Schultage lang. Wirklich?

Autofahren ist auch in der Stadt einfach viel angenehmer als die U-Bahn. Weniger Gedränge, weniger Gestank, … nein, diese Worte stammen nicht von mir.

Wenn der Müsliriegel in der Verpackung in noch einer Verpackung steckt. Oder die Nudeln, der Reis, der Kaffee, …. setzte beliebiges Produkt ein.

Plastikspielzeug in Ü-Eiern, beim McDonalds, in Geburtstagstüten in Kindergarten und Schule. Das Ding ist, dass meine Kinder das natürlich auch cool finden, ich aber nicht. Ich kämpfe. Manchmal werde ich schwach und dann ärgere ich mich. Ich gestehe: letztens habe ich bescheuerten Plastik Scheiß gekauft im Ramsch-Deko-Geschäft, weil die Tochter mich mit großen Kulleraugen angefleht hat. Ganz super, danach hatte ich ein schlechtes Gewissen.

Nachhaltigkeit für Anfänger

Wer will uns verarschen?

Das Ding ist, in Wirklichkeit liegt es kaum in unserer Hand. Wir sind kleine Lichter im Ökosystem. Konzerne tun, was sie wollen und was Profit bringt. Da wird der Regenwald abgefackelt und tonnenweise Plastik, Öl und sonstwas ins Meer gekippt. Fische sterben an Plastikteilchen, die sie für Nahrung halten und verfangen sich in Plastiktüten, die der Wind über alle Meere trägt. Aber Schuld ist natürlich der Endverbraucher, denn der will das ja alles so, der nährt sich am Konsum.

Wir könnten natürlich alle geschlossen aufhören 80 Prozent der Dinge die wir konsumieren zu konsumieren, vegan und plastikfrei zu leben und überhaupt ein wenig mehr wie vor 200 Jahren leben, weil da war die Welt noch in Ordnung. Kleidung wurde nicht in China produziert, auch das Essen kam von der nächsten Weide und Wäsche gewaschen wurde nur einmal im Jahr. Back to the Roots – eine Lösung?

Als Minorität nachhaltig denkender Menschen etwas auszurichten auf einer Erde, die von billigem Konsum überschwemmt wird scheint aussichtslos zu sein, so lange die Nachbarn noch Shampoo in Plastikflaschen kaufen, Fleisch essen und mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen. Wer sich nicht daran hält wird angefeindet – auch ich in Beiträgen hier am Blog. Übrigens vertrete ich hier eher den Gedanken: jeder versucht zu tun, was er kann. Ich halte nichts von Bashing, denn zum Umdenken kann man die Menschen nicht zwingen, indem man sie mit der Nase in den Dreck tunkt. (Ihr kennt das sicher: Trotzreaktion und trotzdem tun was man nicht soll …). Kluge Kampagnen wie etwa die des WWF im Frühjahr zum Thema Billigfleisch sind für mich die bessere Lösung, Menschen ein nachhaltigeres und durchdachteres Leben näher zu bringen. Zwar heißt es, es muß weh tun, damit der Mensch etwas ändert, aber leider tut es uns ja jetzt tatsächlich noch nicht wirklich weh. Das wird es erst wenn etwas passiert, dass eine direkte Auswirkung auf uns hat. So lange nich unser Wienerwald brennt oder die Donau plastikverseucht ist wird weitergemacht.

Die Welt retten? Wie jetzt?

Da ist die einmal jährliche Türkei Flugreise der österreichischen Durchschnittsfamilie ein Pups dagegen. Wunderbar, in Österreich gibt es keine billige Atomenergie. Dafür in jedem angrenzenden Land. Wir haben strengere Bio-Richtlinien als viele andere Länder, faire Arbeitsbedingungen in der Industrie und trotzdem: es wird noch viel importiert, was nicht unbedingt nachhaltig ist und wir eigentlich gar nicht importierten müssten.

Sehr her, es wird bereits umgedacht!

Die meisten Supermärkte bieten bereits an, Wurst und Käse an der Frischetheke in der eigene Umverpackung mitzunehmen. Manche Gurken liegen tatsächlich nackt im Regal – die sind dann halt lokal aber meist nicht bio. Es gibt Netzbeutel für den Obsteinkauf und Joghurt in Glastiegeln. Ein guter Anfang. Und offenbar sind Hygienevorschriften was die Verpackung angeht doch nicht so streng wie gedacht.

Ich bin in einer Generation aufgewachsen in deren Kindheit über Plastikverpackungen und die Problematik der Entsorgung noch nicht viel nachgedacht wurde. Die Leute von Greenpeace waren damals seltsame Ökos, die die Welt retten wollten. Aber seht her, was sie gesagt haben hat uns eingeholt. Jetzt brennt es, wir müssen etwas tun. Wenn ich daran denke, dass unsere Urenkel in einer Welte aufwachsen werden, deren Ökosystem auf wackeligen Beinen steht, dann könnte ich weinen – dabei liegen meine Urenkel zeittechnisch noch weit von mir entfernt.

Seit ich Kinder habe, denke ich mehr darüber nach, WAS ich kaufe und WO es herkommt aber auch WIE es verpackt ist und was es mit unserer Umwelt macht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es realisiert habe, aber tatsächlich, man könnte sagen, meine Kinder haben mich zum Umdenken gebracht. Ich vermute, ICH werde in den nächsten 60 Jahren hier auf unserer kleinen Insel der Seeligen noch ganz gute Luft atmen und recht sauberes Wasser genießen können. Meine Urenkel dagegen …

Nachhalltigkeit für Anfänger

Bitte nicht überfahren!

Was oft ein Problem ist, wenn man Menschen darauf anspricht, die sich noch nicht viele Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit gemacht haben: sie sind schlichtweg überfordert mit der Fülle an Informationen. Sie glauben „Jetzt muß ich alles auf einmal umsetzen! Hilfe, wie nur!? Das schaffe ich nicht!“

ABER: der Weg zum Umdenken passiert nicht von heute auf morgen. Das sehen viele, die schon sehr viel weiter gegangen sind nicht mehr. Für sie ist es einfach und logisch beim Konsum auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit zu achten. Für jene, die gerade damit anfangen nicht. Wo beginne ich am besten? Was tausche ich aus, auf was verzichte ich? Und muß Nachhaltigkeit „weh tun“?

Nachhaltigkeit bedeutet nicht, dass man von nun an leiden oder verzichten muß oder permanent pleite ist, weil alles was plastikfrei und bio daher kommt teuer ist. Ich glaube, dass jede Bemühung zählt und wer es einmal probiert hat, wird weiter gehen und sehen, dass es sich gut anfühlt und das Familienbudget sogar schonen kann. Das schöne: es wird alltäglich und ist nicht mehr ungewöhnlich und weil Nachhaltigkeit mittlerweile ein Modewort ist, wird es uns auch leichter gemacht. Jetzt müssen wir nur noch alle mitziehen …

Weshalb ich glaube „auch wir Kleinvieh machen Mist“ und schafft Bewusstsein

Angesichts der Tatsache, dass wir kleine Peanuts im Ökosystem dieser Welt sind, könnte ich täglich weinen. Es ist durchaus möglich, dass unsere Bemühungen hier für die ganze Welt jetzt genau gar nichts ausrichten, so lange am anderen Ende der Welt Müll ins Meer gekippt wird, es zu jedem Einkauf 15 Plastiktaschen dazu gibt, die umgehend in den Müll wandern, eine einzelne Familie mit zwei Benzinschleudern im Individualverkehr unterwegs ist oder Unmengen an Chemikalien zur Herstellung möglichst Billiger Alltagsgegenstände oder Klamotten an die Luft gelangen. Riskante Atomenergie sorgt für billigen Strom, Öltanker verseuchen das Meer, Wälder werden abgeholzt, …

Ja, schlechte Karten für uns, auch wenn wir auf Plastik im Haushalt verzichten und vielleicht sogar in ein E-Auto investiert haben. Wir. Hier. Jetzt. Für unsere Kinder, während am anderen Ende der Welt Kinder weiterhin billige Klamotten nähen oder zumindest ihre Mütter, damit sie ihre Familie annähernd ernähren können. Ich frage mich, wie ich früher guten Gewissens die Shirts und zwei Euro aus dem Discounter tragen konnte.

Vielleicht ist unsere Leistung in Sachen Nachhaltigkeit also unerheblich für unsere Generation, aber ich denke, es wächst hier eine Generation heran, die sich durch uns hoffentlich früher und mehr Gedanken darüber macht und mit dem „Verbrennen“ unserer Ressourcen gar nicht erst anfängt. Eigentlich muß es so sein, damit unsere Welt eine Chance hat und genau das ist der Grund weshalb ich denke, wir haben durchaus in unserem Mikrokosmos eine Chance. Viele Teilchen im System können eine ordentliche Kraft entwickeln… Diese Mikrokosmen gibt es sicher überall auf der Welt und überall dort wo es sie gibt werden diese Kinder zu Erwachsenen, die sich bewusst sind, dass unsere Umwelt es verdient.

(Edit: ich gebe zu, das ist eine wunderbare Idealvorstellung, aber ich denke, wir haben es in der Hand …)

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Nachhaltigkeit ist ein Dauerthema - in Social Media teils so intensiv, dass es viele abschreckt. Dabei muß es nicht schwer sein - nachhaltiger Leben kann bedeuten, sein bestes zu tun und vor allem zu tun, was man schafft.

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