Ich war so ein „schmutziges Kind“ und ich sage dir, es hat ganz schön glücklich gemacht. Nicht das schmutzig sein selbst, sondern der Weg dahin. Der hat nämlich über Sandkisten, Bäume, gatschige Löcher am Bach über die Kaulquappenjagd bis zur Regenwurmsuche im Beet geführt.

Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich glücklicher als andere Kinder war, aber es war auf jeden Fall schön. Meine allerbesten Erinnerungen haben mit irgendetwas in der Natur zu tun. Ich habe allerdings keine Ahnung mehr, ob ich dabei tatsächlich schmutzig wurde oder nicht. Es ist zu vermuten … ich sollte mal meine Mama fragen.

Dreck ist gesund - Spielideen outdoor

Hupf’ in Gatsch

Die moderne Technik hat uns leistungsfähige Waschmaschinen und anorganische Chemie für jeden Fleck das richtige Waschmittel. Ich sehe also nichts, was dagegen spricht, sich mal schmutzig zu machen. Der Blick, die Versuchung, wenn ein Kind nach dem Regen am Rand der dunkelbraunen Wasserpfütze steht. Es schaut die Pfütze an, es schaut dich an. Der bittende Blick „Bitte Mama, darf ich?! …“ Dein Kind hat keine Regenstiefel an und auch keine Regenklamotten. Dein Magen krampft sich zusammen. Bäh, schaut das grauslich aus, diese braune Lacke. Dein Kind guckt dich flehend mit glänzenden Augen an. Eure Haustüre ist gleich um die Ecke und es ist nicht besonders kalt. Was machst du?

Sag doch einfach „Rein mit dir, ich will es spritzen sehen! So hoch du kannst!“ Ich kann dich beruhigen. Erstens geht der Dreck in der Dusche schnell ab und zweitens gibt es Studien, die beweisen, dass eine gewisse Menge an Dreck sehr gesund für das Immunsystem deines Kindes ist. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind sich auf diesem Weg mit irgendeiner Krankheit ansteckt sehr gering.

Entwarnung: Dreck ist überwiegend unbedenklich

Ich spreche hier nun nicht von einem Leben in Modder und Dreck. Einschlägige Studien beweisen aber, dass Dreck für Kinder durchaus gesund ist. Dreck härtet nämlich ab, er stärkt die Abwehrkräfte und beugt Allergien vor. In der ersten oralen Phase nehmen Kinder erstmal alles in den Mund, was sie erwischen können. Gut, alles sollten wir nicht erlauben, aber vieles davon können sie völlig bedenkenlos oral testen.

Schmutz ist gesund

Sand, Erde & Steine

Blumenerde, sehr beliebt. Wenn die Blumen nicht gerade frisch gedüngt wurden völlig unbedenklich. Selbst wenn sie verschluckt wird, findest du sie ein oder zwei Tage später in der Windel deines Kindes wieder ohne dass sie geschadet hat. Das gleiche gilt für halbwegs sauberen Sand aus der Sandkiste oder am Strand sowie kleinere glatte Steinchen. Kinder entdecken die Welt eine ganze Weile mit ihrem Mund. Natürlich muß man aufpassen, was dahin wandert, aber oftmals machen wir uns zu viele Sorgen.

Hundehaufen wie Katzendreck nehme ich hier aus. Das versteht sich von selbst!

Achtung bei Müll am Spielplatz! Zigarettenstummel & leere Flaschen sind gefährlich

Eine Quälung. Weshalb schaffen es manche Menschen nicht, ihren Müll in die da für vorgesehenen Behälter zu werfen? Vorsicht bei leeren Flaschen (z.B. Bierflaschen), es kann noch Alkohol darin sein, der natürlich alles andere als Gesund ist. Zudem weiß man nicht, wer die davor im Mund hatte. Auch bei Zigaretten muß man definitiv vorsichtig sein. Nikotin ist für kleine Kinder ein Nervengift. Wenn dein Kind tatsächlich aus versehen einen Zigarettenstummel verschluckt, bitte umgehend zum Arzt gehen!

Raus mit euch: Dreck macht gesund!

Kinder, die am Bauernhof, mit Stall und Tieren aufwachsen, leiden laut Studien viel seltener an Allergien und haben ein viel stärkeres Immunsystem als Stadtkinder. Wer sich viel an der frischen Luft bewegt ist außerdem weniger anfällig für winterliche Krankheitserreger. Für die Immunabwehr macht es sogar mehr Sinn, täglich mal einen Stein abzuschlecken als Immunpräparate einzunehmen, habe ich vor einer Weile in einem Interview mit einem Arzt gelesen. Schmutz bringt die Immunabwehr von Kindern in Schwung. Das natürliche Abwehrsystem von Kindern muß täglich trainiert werden. Passiert das laufend, hilft es nachhaltig gegen Allergien und stärkt gegen verschiedene Krankheitserreger.

Schmutz ist gesund

Kreatives Spiel findet meistens nicht in steriler Atmosphäre statt

Ich meine nun nicht, dass du dein Zuhause verloddern lassen sollst. Irgendwie passiert ein wenig Unordnung, Staub und Lurch sowieso, wenn man mehrere Kinder hat. Bei uns wenigstens. Eine Grundsauberkeit schadet nicht. Aber zu viel Sauberkeit und zu wenig Schmutz schadet Kindern mehr als es hilft. Kinder baden heutzutage täglich, jeden zweiten Tag werden Haare gewaschen, die Wäsche wird mit Hygienespüler versetzt und überhaupt hat Mama immer ein Desinfektionstuch in der Handtasche. Wir übertreiben es. Definitiv.

Sprichwörter kommen manchmal nicht von irgendwoher. Meine Mama sagte immer:“7 Kilo Dreck im Jahr dürfen Kinder schon aufsammeln…“ Ob es wirklich sieben Kilo sind, weiß ich nicht, aber ich denke, meine Kinder sammeln genug davon. Sehr oft findet kreatives Spiel am ehesten in der Natur statt und dort ist es per se niemals steril sauber. Im Wald oder am Naturspielplatz, im Sand oder auf der Wiese, ohne Intervention Erwachsener.

Ich erinnere mich an Grilltreffen mit Freunden meiner Eltern an einem Waldstück nahe an einem Bach. Wir haben Piraten und Indianer gespielt, sind nass und dreckig geworden und nachdem ich ein paar Würstel gegessen hatte, haben mich meine Eltern den ganzen Nachmittag nicht mehr gesehen. Ich hab mich im Gebüsch angepirscht wie Winnetou und Waldlager gebaut wie Robin Hood. Meine Füße waren schmutzig und meine Knie zerkratzt. Am Heimweg im Auto bin ich schmutzig und glücklich eingeschlafen.

Empfehlung: zwei Stunden Bewegung an der frischen Luft täglich!

Zeit Stunden in der Natur oder wenigstens draußen an der frischen Luft sollten Kinder täglich verbringen. Zwei Stunden! Eigentlich nicht viel, sind zwei Stunden am Spielplatz doch schnell um. Doch diese zwei Stunden haben die meisten Kinder nicht. Nicht in allen Kindergärten gehen die Kinder bei jedem Wetter in den Garten. Schulen haben manchmal nicht einmal einen ordentlichen Schulhof mit Grün und Bewegungsmöglichkeit. Turnstunden, die viele Turnlehrer und Turnlehrerinnen nach Möglichkeit draußen abhalten können, werden zugunsten anderer Indoor Stunden gestrichen. In manchen Jahrgängen gibt es überhaupt nur noch eine Turnstunde pro Woche!

Und das, obwohl bekannt ist, dass frische Luft gesund hält, das Immunsystem stärkt und dass das Sonnenlicht den Vitamin-D-Haushalt aufpeppelt.

Angebot schafft Nachfrage

Nicht alle Kinder wollen freiwillig an die frische Luft. Sie wollen natürlich am ehesten machen, was sie kennen und schon gerne machen. Wir müssen also ein Angebot schaffen, ohne unsere Kinder zu zwingen. Ich darf mich nicht darüber aufregen, dass meine Kinder Stubenhocker sind, wenn ich ihnen keine Alternativen anbieten möchte. Wenn es sich meine Tochter gerade mit Buch und Hörspiel gemütlich gemacht hat, brauche ich schon ziemlich gute Argumente um sie dreiwillig nach draußen zu locken, denn sie liebt ihre Hörspiele. Es braucht also gute Ideen und für Kinder atraktive Alternativen. Manche Kinder müssen erst lernen, dass „draußen“ wirklich Spaß machen kann. Manche werden es Überhaut erst als Erwachsene entdecken.

Schmutz ist gesund

20+ weitere Spielideen für draußen

Der Sommer macht es uns leichter, mit den Kindern draußen etwas zu unternehmen. Trotzdem sind viele Ideen und Aktivitäten natürlich auch im Herbst, Frühling und sogar Winter umsetzbar.

Wenn die Kinder noch nicht so richtig im Flow sind, könnt ihr ihnen auch Aufgaben geben. Während sie sich auf die Suche machen, kommen sie bestimmt ins Spiel. Ob sie die Aufgabe am Ende erfüllen, ist dabei eigentlich egal. Ob sie dabei schmutzig werden ebenfalls.

  1. Naturmandala legen, wie wir es hier in Tirol gemacht haben
  2. Stöcke sammeln als bunte Zauberstäbe (DIY Anleitung HIER)
  3. Kastanien sammeln für Herbstdeko (DIY Ideen + Anleitung HIER)
  4. Steine sammeln – z.B. für dieses Spiel. Oder als Erzählsteine, Buchstabensteine, zum Bauen oder für viele andere Spiele
  5. Sich mit Matsch beschmieren und danach in den See hüpfen (oder Duschen gehen)
  6. Einen Staudamm bauen am Bach (wenn es noch warm genug ist!)
  7. Blumenstrauß pflücken und zu Hause dekorieren
  8. Eine Lupe mit in den Wald nehmen und Blätter und Insekten genauer betrachten
  9. Blätter und Blumen sammeln zum Pressen
  10. Blätter und Blüten sammeln, um sie zu Pressen und dann zu Folieren. Macht sich schön am Fenster!
  11. Bei Regenwetter auf einem Plastiksack oder auf einem Stück plane den gatschigen Hang hinunterrutschen.
  12. Bei Schönwetter einen Hügel hinunter rollen (gesteht: wer hat das nicht selbst gern gemacht als Kind!?)
  13. Im Garten Regenwürmer suchen und sie im Beet aussetzten
  14. Das Beet umgraben (vor allem im Frühjahr und Herbst) und schauen, was es zu entdecken gibt
  15. Blätter sammeln,  auffädeln und als Mobile auf Terasse oder Balkon hängen
  16. Blätter sammeln für Blätterkronen (DIY Anleitung HIER)
  17. Eigene Pflanzen ziehen. Mit Kresse oder Basilikum funktioniert das mit genug Licht am Fensterbrett übrigens das ganze Jahr! Im Sommer könnt ihr das ruhig auch draußen machen.
  18. Gemeinsam mit ihnen in eine ordentliche Regenlacke hüpfen
  19. Im Regen tanzen. Wer einen eigenen Garten hat: nackig!
  20. Ein Waldlager bauen
  21. Ein Lagerfeuer machen (Achtung! An lokale Vorschriften halten!)
  22. Holz sammeln, um ein kleines Mini-Floß für Puppen zu bauen und ausprobieren

Spielidee mit Printable: Das Wald-Wimmelspiel

Im Frühjahr habe ich sie mit einem Stadt-Wimmelspiel zu einem Stadtspaziergang „überredet“. Sie fand es super! Das gleiche kann man natürlich auch in der Natur spielen. Meine Wimmelbildvorlage mit allen Dingen, die Kinder in der Natur entdecken können gibt es HIER für euch als Download. Herunterladen, Ausdrucken und los geht es mit dem entdecken.

Herbst Wals Suchspiel Printable

SCHMUTZ IST GUT!

Mit der Kampagne „Schmutz ist gut“ möchte OMO Aufmerksamkeit schaffen für die Wichtigkeit des Spiels unserer Kinder an der frischen Luft. Erschreckend, dass Studien zeigen: die meisten Kinder verbringen nicht einmal annähernd die empfohlenen zwei Stunden täglich draußen sondern eher eine Stunde, 30 Minuten oder sogar weniger.

Sich schmutzig zu machen und dabei Spaß zu haben geht oft Hand in Hand. Kreatives Spiel nimmt keine Rücksicht auf saubere Kleidung. „Mach dich nicht schmutzig!“ ist kontraproduktiv, es bremst Kinder in ihrer spielerischen Kreativität. Es macht für Kinder auch gar keinen Sinn (Warum sollen sie sich nicht schmutzig machen?) Wie soll denn ein Kind auf einen Baum klettern oder ein Loch graben, ohne sich dabei schmutzig zu machen? Ganz zu schweigen von der tiefen, braunen Lacke, in die es gerne hüpfen möchte?

Ich ende hier, wie ich begonnen habe: die moderne Technik hat und Waschmaschinen geschenkt. Niemand von uns muß heute mit großer Mühe Flecken händisch aus der Wäsche reiben. Also lass dein Kind ruhig Flecken machen. Provokant gesagt: befreie sie aus schlecht gelüfteten Kindergärten oder Schulen. Wenn du sie abholst, lüftet sie mal ordentlich aus, lass sie in der Erde graben und Steine aufsammeln. Das einzige, was ihr dabei werden könnt ist steinreich. Egal wo: am Spielplatz, im Wald, im Garten. Jeder hat andere Möglichkeiten, aber jeder hat sie, wenn er denn will.

Schmutz ist gut! Gewinnspiel: hol dir deinen OMO Jahresvorrat!

Habe ich etwas in meiner Liste oben vergessen? Hast du noch Ideen, wie sich Kinder so richtig im Gatsch austoben können? Verrate deine liebsten Outdoor-Aktivitäten, bei denen deine Kinder dreckig werden dürfen und können und hol dir im Gewinnspiel einen von drei OMO-Jahresvorräten Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2018, eure Ideen könnt ihr an gewinn@tipimagazin.at schicken. Ich bin mir sicher, ihr habt genug Schmutzwäsche für so einen Gewinn 😉

Übrigens: die Gewinner-Einsendungen werden außerdem im nächsten TIPI vorgestellt!

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