Stillen. Ist. Wunderbar. Stillen gibt so viel mehr als Nahrung. Es gibt Aufmerksamkeit, Wärme, Schutz, Liebe. So war es bei uns. Eineinhalb Jahre lang. Dann haben wir mit dem Abstillen begonnen.

Abstillen ist so ein bisschen wie mit der ersten großen Liebe Schluß machen. Zumindest, wenn die Entscheidung einseitig getroffen wird. Im Gegensatz zum ersten Mal Schluß machen, ist es hier aber eine langsam gewachsene und gut überlegte Entscheidung gewesen. (Oh Gott, hoffentlich liest das mein damaliger erster Freund hier jetzt nicht…)

Abstillen

Zu gerne würde ich behaupten, das jüngste Mädchen hat sich von alleine abgestillt. Leider nicht. Ich habe gerne gestillt. Wahnsinnig gerne. Die Entscheidung zum Abstillen ist mir nicht leicht gefallen. Vor dem Sommer war der Plan, es nach dem Sommer zu tun. Nach dem Sommer kam der Kindergarten. Sie hat noch mehr Nähe gebraucht. Nach dem Kindergartenstart war der Mann viel weg. Es ging einfach nicht, denn das Mädchen liebte Stillen und weil wir es schön fanden war es schlichtweg einfacher, sie so in den Schlaf zu begleiten.

Dann kam Weihnachten und ich wusste, es ist so weit. Aber von vorne: …

Weshalb ich abstillen wollte, wenn ich so gerne gestillt habe?

Vor jetzt schon mehr als 15 Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Seither habe ich meinen Rücken mit Sport und der richtigen Bewegung mehr oder weniger im Griff. Meist ohne Schmerzen. Was gut ist, denn Schmerzen von den Bandscheiben sind … richtig mies. So richtig zum vor Schmerz Anpinkeln fies.

Nach jeder Geburt das gleiche Spiel: schlechte Haltung beim Rumtragen, Stillen und dann auch noch die halbe Nacht eine verdrehte Haltung beim Schlafen. Sport, Physio, … aber eine Nacht krumm liegend schlafen nach dem Stillen und alles war beim Teufel.

Das mit dem Rücken war die eine Sache, die mir sagte: auch wenn das Mädchen gerne länger Stillen möchte, werde ich es meinem Körper zuliebe nicht können.

Das andere Thema war die Libido.

Die Sache mit der Libido oder: Stillen und das sexuelle Grundbedürfnis

Das Stillen die Libido schmälert ist dir vielleicht bekannt. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Nun ja, es ist wie in der Schwangerschaft: der Hormonhaushalt ist ein Hund.

Diesmal war Stillen hier also eher Unkraut für meine Libido. Das geht mal einhalbes Jahr gut, vielleicht auch ein Jahr. Oder eineinhalb. Muß wohl, geht auch nicht anders. Aber irgendwann ist es – mir fällt fürchte ich das richtige Wort nicht ein – zäh. Es ist verständlich, weil alle Beteiligten wissen, die Hormone sind schuld. Trotzdem ist es ätzend.

Stillen befriedigt für die Mutter ein gewisses sexuelles Grundbedürfnis. Das macht durchaus Sinn, denn das frische Baby braucht Fürsorge, die volle Aufmerksamkeit der Mutter und vor allem Nahrung. Es soll ja nicht allzu bald ein Geschwisterchen nachkommen. Stillen ist ein passables Verhütungsmittel*, weil man meist einfach keinen Bock auf Sex hat. Alles andere ist ein Märchen.

Wie habe wir abgestillt?

Wir haben seit Herbst nur noch nachts gestillt. Abends zum Einschlafen und nachts nach Bedarf. Erstmal habe ich versucht, unser Mädchen in den Schlaf zu begleiten ohne sie zu stillen. Das hat nicht geklappt. Mehrmals nicht. Wutausbrüche, Weinen, Schreien. Ich konnte nicht nicht Stillen. Ich habe selbst geweint, als sie so geschrien hat und habe sie natürlich nicht schreien lassen. Weder Fläschchen noch Schnuller waren für sie eine Option, also habe ich sie gestillt.

Wir wussten, das Abstillen muß der Papa übernehmen. Mit mir Einschlafen ohne Stillen klappt definitiv nicht. Wenn ich Abends nicht da war, hat das das schon lange mein Mann übernommen.

Ich war deshalb erstmal zwei Abende hintereinander nicht zu Hause. Dann bin ich zusätzlich für drei Nächte aus dem Schlafzimmer ausgezogen, um es ihm zu erleichtern. Auch für sie war es einfacher. Wenn ein Kind nicht von sich aus beschließt Abzustillen, dann ist da immer ein Trennungsschmerz und es hat das Recht zu trauern.

Es ging erstaunlich gut. Nach ein paar Nächten bin ich wieder in unser Bett umgezogen. Wir konnten nachts kuscheln ohne zu Stillen. Ich hatte nicht erwartet, dass es so funktionieren würde. Ich hatte sogar eher Angst, dass es ganz schlimm für sie sein könnte.

Papa bringt sie nun immer noch die meisten Abend ins Bett, kuschelt mit ihr, bleibt da bis sie schläft. Die ersten zwei Abende war sie sehr traurig. Ich hatte es ihr vorher gesagt, dass wir nun nicht mehr Stillen werden, sie wusste, es ist vorbei. Sie war zornig und traurig. Zu recht.

Mittlerweile, über einen Monat später, genießen wir das Kuscheln nachts längst wieder gemeinsam. Ohne Stillen. Sie erinnert sich noch, aber sie verlangt nicht mehr aktiv danach. Zu Beginn wollte sie sich einfach meine Brust schnappen, aber auch das verging. Dafür kuschelt sie noch mehr als früher. Innig, lange, auch im Schlaf.

Ich habe sie nach dem „offiziellen“ Abstillen übrigens noch zwei Mal gestillt, um einem Milchstau vorzubeugen. Wie man das handhabt hängt vermutlich davon ab, wie viel man davor noch gestillt hat. Bei mir hat nur Milch ausstreichen nicht ausgereicht.

Abstillen & Familienbett?

Ja, das funktioniert. Wir teilen uns noch ein Bett. Sie schläft ganz wunderbar und nachdem unsere Stillsituation geklärt war war es auch kein Thema mehr. Aus meiner Sicht wäre es außerdem unbarmherzig gewesen, sie gleichzeitig abzustillen und aus unserem Bett auszuquartieren, wenn sie die Nähe des Stillens durch Kuscheln kompensieren möchte. Das hätte ich niemals übers Herz gebracht.

Das war übrigens „nur“ unsere Geschichte. Jede Stillgeschichte ist anders, jede Abstillgeschichte ebenso. Die zwei älteren Mädchen habe ich nachts im Alter von zehn und zwölf Monaten mit der Flasche abgestillt. Das war damals völlig problemlos für sie, es gab eigentlich keine Zeit des Trauerns und sie haben Milch in der Flasche oder einfach Wasser als Ersatz akzeptiert. Da jedes Kind anders und jede Stillgeschichte verschieden ist, kann ich keine Anleitung geben, wie „man“ es am besten macht. Du musst deinen Weg mit deinem Kind finden. Es spricht ja übrigens auch absolut gar nichts dagegen länger zu stillen, wenn ihr es beide genießt.

Die einigen Tipps, die ich tatsächlich mitgeben kann sind: sei dir sicher, was du willst und stehe dazu. Sei geduldig, akzeptiere Trauer. Abstillen ist für ein Kind ein Verlust, so es nicht in beidseitigem Einverständnis passiert.

Unsere Abstillgeschichte wurde vielfach nachgefragt, weshalb ich sie niedergeschrieben habe. Ich bin keine Stillberaterin oder Hebamme und spreche nur aus meiner Erfahrung. Stillen und Abstillen sind sensible Themen, die immer individuell zu behandeln sind, weshalb ich mich generell mit Tipps zurückhalte. Bitte stelle gerne deine Fragen hier oder schreib mir auch – ich beantworte sie gerne.

*DISCLAIMER: ja, man kann schwanger werden, wenn man stillt. Schickt mir bitte keine Alimenteaufforderungen, weil ich schreibe, es wäre ein Verhütungsmittel. Ihr wisst, was ich meine … 

Abstillen? Wie soll ich es angehen? Tipps? Ich erzähle, wie wir nach 1,5 Jahren Langzeitstillen abgestillt haben und wie es uns damit ging.

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