Stillen – kann wunderbar sein, verwirrend und für manche Mamas auch ganz schrecklich. Stillen kann so unterschiedlich sein wie wir verschieden sind und unsere Babys. Für manche ist es einfach das natürlichste der Welt, andere kämpfen monatelang darum, dass es funktioniert. Ich freue mich, dass heute eine Leserin ihre Geschichte für euch erzählt.

Stillgeschichte

Photo by Dalila Dalprat from Pexels

Also meine Stillgeschichten…

Mein älterer Sohn ist jetzt bald 4 Jahre alt, also ist es schon fast 3 Jahre her, dass ich ihn abgestillt hab.

Aber von Anfang: Noch in der Schwangerschaft hab ich schon einiges über das Stillen gehört und bin mit den verschiedensten Modellen der Babyernährung in Kontakt gekommen. Am schrägsten fand ich, dass sich eine Mama eine Tablette gegen den Milcheinschuss geben ließ, weil sie auf keinen Fall stillen wollte. Damals verstand ich es gar nicht, weil doch Stillen das beste fürs Kind ist…
Eine befreundete Hebamme hat mir auch ein bisschen vom Stillen erzählt „jede kann stillen, wenn sie es wirklich will“ und „ja, es tut weh“ haben mich trotz allem dazu bewogen, alles dafür zu tun, stillen zu können.
Als er dann auf der Welt war, wurde er mir auch gleich noch im Kreißzimmer angelegt. Nachdem ich während und nach der Geburt oft fast einschlief, habe ich es vielleicht nicht richtig verstanden oder nur die Hälfte der Infos mitbekommen, die mir die Kinderschwester in diesem Moment gegeben hat. Ich hab die ersten Tage falsch angelegt und der kleine Mann hat abgenommen und abgenommen und abgenommen. Bis sie ihm schlussendlich ein Flascherl geben wollten.

„Alles nur das nicht!!!“ schrillte es in mir.

Sie haben sich dann weich klopfen lassen und ich sollte einmal zum Abpumpen kommen, damit wir schauen können, wie es um meine Milch bestellt ist. Diese strömte nur so aus mir raus, was für etwas Verwunderung bei der Schwester sorgte. Nachdem er das Fläschchen Muttermilch brav ausgetrunken hat und ich wahnsinnig stolz auf ihn war, dass er die Nahrungsergänzung abgelehnt hat, mit der der letzte kleine Rest Muttermilch gestreckt wurde, damit ja nichts von dem ach so kostbaren Gut verloren ging, ging ich bestärkt zurück aufs Zimmer und sollte für das nächsten Mal Stillen wieder kommen. Und sofort wurde der Anlegefehler erkannt, ich habe es gelernt und am nächsten Tag hatte die Gewichtstalfahrt ein Ende…
Stillgeschichte

Zu Hause …

So stolz ich im Spital noch war, dass wir das alles doch noch gut hinbekommen haben, so mühsam wurde es in den nächsten Wochen und Monaten. Ich hatte immer eher zu viel Milch, ständig war alles nass, die Brüste spannten und und und… „Warum pumpst du nicht ab?“ – „Na, weil das den Milchfluss anregt!“. „Sei doch froh, dass du Milch hast! Wie viele Mütter würden gern stillen und können nicht, weil sie keine Milch haben?“
Es brachte mich auf die Palme und ich entfernte mich (innerlich) von so manchen Personen…
Zu dem körperlichen Unwohlsein kam noch dieses „Angehängtsein“. Ständig muss dieses Baby mit. Man liebt es ja abgöttisch und will es um keinen Preis der Welt wieder hergeben. Aber einmal ein halber Tag für sich oder ein ganz normaler Christkindlmarktbesuch, bei dem man nicht irgendwann in ein Lokal gehen muss oder halb erfriert beim Versuch im Freien zu stillen oder oder oder…
Durch das Stillen verliefen einige Freundschaften im Sand. Ich war halt die, die nicht einfach mitgehen konnte. Ich musste ja daheim sein für das Baby. Oder das Baby mitnehmen…
Und wieder: „Wieso pumpst du nicht einfach ab?“ – „ja, weil das bei mir nicht so einfach ist…“

Die besten Freundschaften waren das wohl nicht…

Immer wieder wollte ich ihm zwischendurch ein Flascherl Pre-Milch anbieten, aber er verweigerte. Ich war verzweifelt und gleichzeitig wieder wahnsinnig stolz auf ihn, dass er genau weiß, was das beste für ihn ist.
So ging das dahin. Mit der Beikost hat er bald Stillmahlzeiten ersetzt. Mit ca. elf Monaten konnten wir ihn nachts mit Wasser zum Weiterschlafen animieren, wodurch auch der Papa einmal aufstehen konnte.
Schließlich stillte er nur noch vor dem Abendessen.
Ein paar Tage vor seinem ersten Geburtstag kam der Papa früher nach Hause und blieb mit ihm noch länger im Hof. Ich ging rauf, richtete das Abendessen her, wir setzten uns gemeinsam hin und aßen. Das wars…
So kompliziert, wie es zwischendurch immer wieder war. So einfach hätte ich mir abstillen niemals vorgestellt!

Jetzt bin ich seit ca. acht Monaten zweifache Mama und stille wieder…

Der Beginn war wieder etwas turbulent. Nach der Geburt (die diesmal viel schöner war, obwohl die erste wohl von vielen auch schon als Traum-Geburt gedeutet werden würde) musste er kurz ins Wärmebett und die Sauerstoffsättigung wurde überwacht. Das ging aber ganz schnell und schon lag er wieder auf meinem Bauch. Ich hab von diesem Phänomen bisher schon öfter gehört, aber er konnte es auch. Er fing wie wild an zu suchen. Ich packte schnell aus und schon nuckelte er fröhlich an meiner Brust. Er wollte gar nicht mehr aufhören, also gleich auch auf der zweiten Seite…
Das haben wir gefühlt die ganze Nacht gemacht. In der Früh waren die Brustwarzen wund. Also begann ich zu schmieren und und und… es wurde nicht besser. Meine Hebamme machte mich darauf aufmerksam, dass sie vermutet, dass er ein ausgeprägtes Zungenbändchen hat. Es könnte der Grund dafür sein, dass er nicht optimal trinken kann und deswegen meine Brustwarzen so wund sind. Ich ließ das natürlich gleich von einem Kinderarzt ansehen. Der meinte, es ist schon etwas ausgeprägter, aber er ist dagegen an Kinder rumzuschnippeln, wenn es nicht unbedingt sein muss. Das bin ich auch…
Allerdings hörten die Schmerzen nicht auf. Ich war täglich bei den Schwestern Lasern, schmierte, legte Multi-Mam auf – das volle Programm – keine Besserung. Ein oder zwei Tage vor der Entlassung ging ich dann zu den Schwestern und habe ihnen meinen Entschluss mitgeteilt – das Zungenbändchen muss durchgeschnitten werden – so geht es nicht weiter!!!
Er hatte auch einen Hang zu Clustern, was mich an einem der Abende zuvor dazu veranlasste, mir von der Kinderschwester ein Fläschchen machen zu lassen, das er ablehnte (wie die Jahre zuvor sein Bruder – so toll die zwei) und frisch gepuckt doch gut einschlief!
Am Tag der Entlassung wurde also das Zungenbändchen durchgeschnitten, in dem Alter ein wirklich minimaler Eingriff ohne Betäubung. Ich ließ mir von den Schwestern nochmal Multi-Mam geben und eine Lansinoh. Liegt alles noch unberührt rum. Zu Hause waren die Schmerzen weg und ich brauchte das alles nicht mehr.

Das Clustern war echt mühsam am Anfang…

Der Große hätte dringend mehr Aufmerksamkeit gebraucht, aber das ist wohl das Los der älteren Geschwister.
Es pendelte sich ein und wir hatten eine wirklich gute Stillbeziehung. Er trank immer nur recht kurz, also war ich nicht ewig ausgeschaltet.
Das mit der Beikost war und ist bei ihm schwieriger. Er will zwar gerne essen, am liebsten selbst, aber es fehlen halt die Zähne. Nach ein paar Wochen reinem Fingerfood ließ er sich doch für Brei erweichen – man wird ja doch schneller satt. Allerdings isst er auch davon nicht viel. Daher: Weiterstillen, weiter alle 2-4 Stunden… Weiterhin keine so wichtige Exklusivzeit mit dem Großen. Und dann hat auch noch mein Immunsystem gestreikt. Natürlich nicht so richtig – Mama darf ja nicht krank werden. Aber über Wochen immer ein bisschen…

Das Abstillen

Daher kam ich vor einer Woche zu dem Schluss, dass ich teilweise abstillen möchte. Zumindest untertags. Ich will meine Nährstoffe wieder für mich, ich will, dass er auch von jemand anderem gefüttert werden kann, ich will Zeit für mich, Nerven für meinen Großen und ich will wieder mehr Kraft und Energie!
Kaum zu glauben, es klappte sogar sehr schnell. Er trinkt schon seit einiger Zeit total gern Wasser aus dem Flascherl. Und auch die Pre-Milch hat er gut angenommen.
Schon nach wenigen Tagen merkte man in der ganzen Familiendynamik eine Veränderung.
Der Papa kann sich aktiv einbringen und die Bindung zum kleinen verbessern. Der Große hat Zeit mit mir, ich muss ihn nicht zur Seite schieben, weil ich wieder stillen muss. Bei mir fehlt noch einiges, aber ich bin optimistisch, dass wir das auch bald wieder hinkriegen.

Weshalb Stillberaterinnen so wichtig sind

Morgen kommt Catharina von barefoot austria. Eigentlich für eine Cranio Sacral Anwendung am Baby. Aber, da sie auch Stillberaterin ist, werde ich sie auch noch ganz viel fragen, wie ich das jetzt im Alltag am praktischsten angehe. Sie hat mir gleich die wichtigsten Fragen online beantwortet. Das fand ich so toll und wertvoll.
Mit einer guten Stillberaterin hätte ich vielleicht die erste Stillbeziehung auch besser genießen können. Aber es muss eine gute sein! Was ist gut? Meiner Meinung nach ist das eine, die genau hinhört. Die nicht auf Teufel komm raus alles versucht, dass die Mutter stillt. Eine, die schaut: was braucht die Mutter, was braucht das Kind.
Manchmal ist es besser, abzustillen. Stress ist bestimmt noch viel schädlicher für das Kind als Pulvermilch! Das wurde mir in den letzten Jahren klar.
Vielen vielen Dank du Liebe für deine Geschichte! Stillen kann/darf/muß so vielfältig sein. Stillen darf länger statt finden oder kürzer. Stillen darf sich nicht nur nach dem Kind richten, sondern auch nach der Mutter.
Meine Geschichte könnt ihr übrigens auch hier am Blog nachlesen – inklusive unserer Podcastfolge zum Thema.
Fotocredit oben: Photo by Dalila Dalprat from Pexels
Stillen: Eine Mama erzählt von ihren beiden Stillgeschichten und weshalb Stillberaterinnen so wichtig sind
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