Letzte Woche stehe ich im Buchgeschäft an der Kassa. In einer langen Schlange. So lange ist sie normalerweise nur vor Weihnachten, denn niemals kaufen sonst so viele Leute Bücher. Also schaue ich mitten zwischen Ramsch (der sich in Kassanähe immer vermehrt stapelt) und der Menschenmenge mal nach rechts und links um. Ich hab ja noch eine Weile zu warten in der Schlange. Und was stelle ich fest? Weihnachten nervt mich gerade gehörig.

Eigentlich mag ich Weihnachten ja sehr gerne. Wirklich. Ich mag es, wenn alle am 24. kommen und wir gemeinsam feiern und tratschen. Es ist superschön, wenn die ganze Familie vor dem Baum auf der Couch und am Boden sitzt, Herr L. Senior die Weihnachtsgeschichte vorliest und die Kinder dazwischen herum düsen. Voll kitschig, aber schön. Aber was mich wirklich nervt ist das ganze Tamtam drumherum. Draußen nämlich. Das Geglitzer in der Stadt, dieser Kaufwahn, die erhöhte Penetration durch gesäuselte Weihnachtslieder und der unterbewusste Zwang Weihnachten für alle perfekt zu machen. Eine surreale kitschige Realität zu erschaffen, die zwar am 25. Dezember ihren Glanz verliert, aber bis dahin wenigstens ordentlich dazu anregt den Geldbeutel in die Wirtschaft zu entleeren.

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Da stehe ich also in der Schlange an der Kassa. Wirklich mitten im Ramsch. Es ist schließlich ein bekannter Umstand, dass Buchläden ihr Hauptgeschäft heute gar nicht mehr mit Büchern sondern mit dem Zeug drumherum machen. Und mein Blick nach rechts offenbart mir einen der wohl unnötigsten Geschenkartikelstapel, den ich jemals gesehen habe. Einfach alles rund um die Zahl 24. Unnötig weil: wen interessieren schon von einem Buch vorgeschlagene Tipps „24 Dinge, die du bis Weihnachten getan haben solltest„. WEN? Oder der Vorschlag von 24 gemütlichen Teestunden oder „24sonstirgendetwasandereshauptsache24kommtvor„. Ganz ehrlich. Kauft das irgendjemand? Muss wohl so sein, sonst würde es nicht verkauft werden. Aber wem kauft man so etwas? Wohl niemandem, den man liebt oder schätzt. Wozu kauft man es also? Als Verlegenheitsgeschenk? Das sind wohl die miesesten Geschenke überhaupt. Man gibt nämlich Geld für etwas aus, das keiner gebrauchen kann. Weder der, der es schenkt noch der Beschenkte, noch derjenige, der es vom Beschenkten weitergeschenkt bekommt noch überhaupt irgendjemand. Verlegenheitsgeschenke sollte man sich also wirklich sparen. Braucht kein Mensch. Besser gar nichts schenken. Oder wenigstens etwas, was man verbrauchen kann, wie etwa Wein, Marmelade oder wenigstens Kekse.

Wo wir schon am Anfang wären. Ich laufe gerade warm und bin momentan davon überzeugt, dass ich (obwohl ich Weihnachten eigentlich mag) 24 Gründe finde, warum mich Weihnachten manchmal gehörig nervt. Also los geht’s.

1. Die Schlangen im Buchladen sind nie länger als zu Weihnachten.

Und das obwohl die Statistik einerseits sagt, dass nicht so viel gelesen wird wie früher und andererseits angeblich eBooks an Beliebtheit gewinnen. Da frage ich mich, wie viele Bücher zu Weihnachten gekauft werden, die nur gekauft werden um als ungelesenes Geschenk in einer Ecke oder im Altpapier zu verstauben. Anders kann ich mir die mit fortschreitendem Datum exponentiell länger werdende Schlange an den Kassen in Wiens Buchläden nicht erklären.

2. Weihnachtskekse schon im Oktober

Angeblich ist es ja so, dass die Kekse nicht jedes Jahr früher und früher in den Verkauf gelangen. Glauben wir zwar nicht wirklich, es wird aber wohl etwas Wahres dran sein. Ich korrigiere mich gerne selbst, sollte es irgendwann einmal bereits im Juli so weit sein, dass Weihnachtslebkuchen im Supermarkt gesichtet werden. Aber auch wenn es letztlich immer erst Ende September so weit ist – Ende September ist einfach zu früh, um schon an Schokonikolos zu denken. Ehrlich. Ende September freue ich mich noch über laue Temperaturen. Da schmeckt Weihnachtsschoki noch gar nicht …

3. Der erhöhte Konsumwahn

Mir ist das früher gar nicht so aufgefallen. Aber seit ich Kinder habe, schaue ich mir mehr Prospekte einfach mal so durch als früher. Spielzeugprospekte um genau zu sein. Und mich haut es jedes Mal fast vom Hocker. Erstmal wundert es mich, was es nicht alles für Sch*** …. ähm Schrott meine ich natürlich, zu kaufen gibt. Und zwar Schrott im Sinne von Zeug, dass unglaublich viel kostet, aber kein Mensch oder Kind wirklich braucht. Und all das Zeug will speziell für Weihnachten gekauft und verschenkt werden. Ich glaube, das kommt aber nicht nur vom Konsumwahn unserer Gesellschaft (und nein, ich bin auch nicht völlig immun dagegen, aber ich arbeite daran), sondern auch daher, dass man zu Weihnachten einfach Geschenke macht. Es kommt gesellschaftlich kaum in Frage, nichts zu schenken. Auch wenn gar nichts gebraucht wird, denn: Man schenkt eben, das gehört sich so. Nichts zu schenken ist offensichtlich ein gesellschaftliches No-Go. Wenn aber schon schenken, dann vielleicht wenigstens sinnvoll. Das Fräulein im Glück hat kürzlich eine Liste zusammengestellt zum Thema „Sinnvoll Schenken“. Ich finde, das gilt nicht nur für Geschenke für die ganz Kleinen, auch Erwachsene kann man ruhig nach diesem Schema beschenken.

Mit Herrn L. habe ich übrigens auch dieses Jahr ausgemacht, dass wir uns zu Weihnachten nichts schenken, zumindest nichts Materielles. Ich hätte natürlich die letzten drei Geschenke, die ich ihm einfach so gemacht habe aufheben können, nur damit ich dem Prinzip nach zu Weihnachten Geschenke habe für ihn. Aber mal ehrlich: geht es wirklich darum?

4. Adventkalender

Eigentlich nerven sie ja nicht, weil es sie gibt. Aber erinnert ihr euch noch an früher? Da gab es Adventkalender mit Bildern und dann schenkten und unsere Eltern manchmal auch selbst befüllte mit Schoki und anderem Zeugs. Wir fanden es toll. Beides. Und was gibt es heute? Die Adventkalender stapeln sich in den Supermärkten bis zur Decke. Jede Schokoladen- und Spielzeugmarke hat ihren eigenen Kalender am Markt. Und das beste daran: der Preis. Wir scheuen nicht, für einen Adventkalender mal einfach so 30 Euro oder mehr hinzublättern. Das ist heute halt einfach so.

5. Schoki im Adventkalender, Kekse zwischendurch, ein Schokonikolaus am 6. und davor noch ein Krampus am 5. Dezember und dann noch ein Weihnachtsbaum voller Schokiirgendwas

Die sowieso raren Sporteinheiten fallen im gesamten Dezember den obligatorisch mehrmals wöchentlich stattfindenden Punschrunden auf diversen Weihnachtsmärkten zum Opfer. Mal ehrlich. Wundern wir uns wirklich, warum wir nach Weihnachten ordentlich Winterspeck angelegt haben? Ersäuft am 31. eure guten Vorsätze für’s neue Jahr bloß nicht in ein paar Flaschen Sekt. Der hat nämlich auch ganz schön Kalorien.

6. Weihnachten naht und plötzlich steigt der Freizeitstresspegel

Dabei sollte die Vorweihnachtszeit doch ein besinnliche Zeit sein. Die meisten Menschen gehen angesichts der nahenden Feiertage urplötzlich auf Mega-Socialising-Kurs. Zu keiner Zeit im Jahr haben meine Bekannten mehr Punsch- oder andere Afterwork-Termine. Und nicht einmal alle davon gerne. Viele Termine werden nur im Pflichtbewusstsein erfüllt, dass man sich ab und an ja auch mal treffen muss. Und vor Weihnachten kann man scheinbar schlechter Nein“ sagen. Ist das eigentlich die richtige Botschaft? Und wie soll schon erhöhter Stress vor Weihnachten auf geruhsame Feiertage vorbereiten? Lest mal „Weihnachten in Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Irgendwie wird mir immer warm ums Herz, wenn ich das dem kleinen Fräulein vorlese. Kekse Backen, Weihnachtslieder singen, Schlittschuh Laufen. Hach muss Weihnachten in Bullerbü entspannend sein …

Ach herje – ich werde meine „24 Gründe, warum mich Weihnachten manchmal gehörig nervt“ auf mehrere Beiträge aufteilen. Irgendwie bin ich gerade gut in Fahrt und habe viele Ideen … 😉 Eine Fortsetzung gibt es in den nächsten Tagen. Aber morgen (bis ich das poste vielleicht schon heute) ist mal mein Beitrag im Adventskalender vom Fräulein im Glück dran. Das 8. Türchen ist nämlich meins!

PS: Ihr dürft meine Liste sehr gerne erweitern. Was nervt euch denn so an Weihnachten? Ich verlinke gerne 😉

PPS: Herzmutter Janina hat sich wohl gerade das gleiche gedacht. Während ich meinen Artikel hier geschrieben habe, ist gerade ihr Newsletter mit diesem Artikel zum Thema „Weihnachtsboom“ in mein Postfach geflattert … hach, ich bin nicht die Einzige. Das beruhigt mich jetzt irgendwie.

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