Eigentlich ist es unglaublich. Unglaublich nämlich, dass so etwas bei uns überhaupt passieren kann. Ich hätte es zumindest nicht gedacht. Aber ich sehe manchmal ja auch nur das Gute in der Welt. Kleine Charakterschwäche meinerseits. Meiner (bisherigen) Meinung nach werden Kindergärten und Kindergruppen nämlich ab und an auch mal überprüft. Tief Luft holen und dann hinsetzten. Dies ist eine längere Geschichte.

Juchu – ein Betreuungsplatz!

Es war vor rund eineinhalb Jahren, als meine Freundin – nennen wir sie mal P. – mir völlig aus dem Häuschen berichtet hat, dass sie für ihren Nachwuchs nun endlich einen passenden Kindergartenplatz gefunden hat. Er war zu dem Zeitpunkt knapp ein dreiviertel Jahr alt und ihre Elternzeit sollte nach einem Jahr enden. Höchste Eisenbahn also, einen Betreuungsplatz zu finden. Und wie der Zufall es so wollte hatte sie  wenigstens auf einer der unzähligen Warteliste Glück gehabt. Wohlgemerkt: Der erste Eindruck passte, Sohnemann gefiel es auch, also nichts wie hin.

Alles Paletti?

Die Eingewöhnung war sehr kurz, lief aber gut, Mini-P. ging scheinbar gerne in den Kindergarten. Also zumindest eine Weile. Nach ein paar Monaten ging er allerdings immer weniger dahin, bis er nach rund einem Jahr für ein paar Wochen zum letzten Mal dort war. Er konnte nicht so genau artikulieren, warum er nicht mehr so gerne hin wollte, denn mit ausführlichen Geschichten hat man es in dem Alter noch nicht so. Aber ihrem Gefühl folgend ließ P., die praktischerweise wieder in Karenz war, ihn zu Hause bleiben. Wie sie herausgefunden hatte, ging die Gruppe sowieso nicht so oft in den Garten und die Betreuerinnen waren scheinbar etwas überfordert mit der enormen Kinderanzahl. Also weniger Programm und mehr freies Spielen – oder wie man das nennt. Warum? Das läuft nämlich so: Man stellt eine Betreuerin in die eine Gruppe und eine zweite in die andere. Dazwischen lässt man dann die Tür offen. So kann man sagen, es sind für eine Gruppe eh zwei Betreuerinnen da. Schockiert? Da stieß es P. zum ersten Mal auf. Sie konnte ja ganz gut zählen und man kann sich ausrechnen, wie viel Zeit zwei Betreuerinnen für 30-40 Kinder haben.

Und was machen betroffene Eltern? Wegschauen. Solche kleinen Fehler werden gerne übersehen. Denn alle sind heilfroh, wenigstens irgendeinen Betreuungsplatz für ihr Kind zu haben.

Die „Geistergruppe“

Die Geschichte geht allerdings weiter. Denn ohne eine unbezahlte Rechnung wäre das ganze niemals wirklich „aufgeflogen“. Mini-P. geht also nicht mehr in den Kindergarten. Weil meine Freundin aber ihren Betreuungsvertrag nicht mehr so ganz im Kopf hatte, überschritt sie die Abwesenheitszeit um ein oder zwei Tage. Daraufhin wurde sie vom Kindergarten aufgefordert, das Betreuungsgeld aus eigener Tasche nachzuzahlen, da es für nicht anwesende Kinder keine Förderung gibt. Etwas aufgebracht, weil man es nicht geschafft hat, sie beim Telefonat in der Vorwoche darauf hinzuweisen, stellt P. Nachforschungen an und fragt beim Magistrat nach (in erster Linie, um zu verhindern, dass die Gruppe Förderung und ihr Geld bezieht, also doppelt kassiert). Und was dabei rauskommt ist das eigentlich Schockierende: Die Gruppe war scheinbar gar nicht zugelassen gewesen. Eine „Geistergruppe“ also. Ganz zu schweigen davon, dass offenbar mehr Kinder in der Gruppe gewesen sind als zulässig. Der Clou: man nimmt Kinder einfach dauerhaft als „Gäste“ aus. So ist es natürlich auch nicht verwunderlich, dass es drastisch zu wenige Betreuerinnen gibt. Für eine nicht gemeldete Gruppe braucht man ja auch keine zusätzlichen Betreuungspersonen, oder? (so zumindest meine persönliche Einschätzung)

Wie man sich also an Kindern bereichert …

Und wisst ihr was? Man ist scheinbar machtlos dagegen. Selbst offizielle Stellen können nur wenig machen. Den Betreiber selbst juckt es kaum am großen Zeh, wenn Eltern anrufen und sich über die Zustände beschweren. P. wurde telefonisch an den Anwalt verwiesen. Und mir drängt sich der Gedanke auf, dass sich manche Menschen dreist einerseits an der (Betreuungs)not der Eltern bereichern und dann auch noch rücksichtslos gegenüber unserer Kinder handeln. Solche Betreuungsstätten gehören eigentlich umgehend geschlossen. Blöd nur, dass dann hunderte von Kindern „auf der Straße stehen“ und dann erst wieder Zuflucht in neuen zweifelhaften Betreuungsplätzen gesucht wird.

Mini-P. hat übrigens mittlerweile einen Platz in einem Gemeindekindergarten gefunden. P. ist bislang zufrieden, die Eingewöhnung läuft gut. Zumindest, so lange Mama in Sichtweite ist. Auch ein Unterschied zum vorigen Kindergarten. Dort hat man sich um die nötige Länge der Eingewöhnung wenig geschert.

STadtmama_Spielplatz

Persönliches PS

Ich kann den Namen des Kindergartens leider nicht nennen (ihr wisst ja: Rufmord und so … das könnte ich gerade noch brauchen). Mich hat das Thema aber das ganze Wochenende schon so beschäftigt, dass ich darüber schreiben wollte. Auch aus persönlicher Erfahrung mit unserer ersten Kindergruppe noch mein Tipp für alle, die zum ersten Mal einen passenden Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs suchen:

Augen auf und vor dem ersten Besichtigungstermin in eurem Wunschkindergarten die rosarote Brille abnehmen. Ich glaube, dass man aus Verzweiflung über die Betreuungsproblematik gerne einmal über verschiedene Mängel hinwegsieht… Ein wenig Recherche in verschiedenen Familien- und Elternforen legt manchmal auch so einiges offen.

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