„Was, ihr habt nur ein Kind?“, „Ist denn ein zweites geplant?“ und „Oh, wieder ein Mädchen? Wollt ihr nicht auch einen Buben?“ Kennt ihr? Ja, ich auch. Vielleicht müssen wir noch eines bekommen, wegen der „Thronfolge“ und so …? (Ja, dieses Wort ist gefallen) Achtung, dieser Artikel über das „Kinder kriegen“ ist völlig Klischee-überladen und ein wenig absurd.

Zwei Kinder gelten als perfekt und das, obwohl die pro Kopf Anzahl der Kinder in Österreich eigentlich darunter liegt, nämlich ca. bei 1,5. Bei drei Kindern neigt die allgemeine Meinung bereits zu der Vermutung, das dritte wäre ein Unfall gewesen. Denn wer will heute schon drei Kinder, also geplant. Vier Kinder gelten fast schon ein wenig als asozial a la „Können die nicht verhüten?“ und  „Um Gottes Willen, können die sich das leisten?“ oder auch „OMG, wie viele will sie denn noch bekommen?!“

Merke, denn das war schon immer so: man kann es der Gesellschaft und deren Meinung sowieso niemals recht machen. Auch nur ein Schritt abseits der Norm und man wird schief angesehen. Seltsam muten in einer Welt der Scheidungen nämlich auch Single-Eltern an, Single-Väter sind sowieso vom Mond (So was gibt es?) oder aber auch Patchwork-Konstellationen oder gleichgeschlechtliche Eltern. Alles nicht die Norm, alles irgendwie unheimlich für die paar wenigen, die noch in einer klassischen Familienkonstellation leben.

Genauso schief angesehen wird Frau, wenn sie keine Kinder möchte. Plötzlich sind sich alle einig: Unsere Kinder „sichern“ unsere Pensionen. Obwohl, Pension bekommen wir vielleicht sowieso keine mehr 2045, aber sie sichern unsere Zukunft. Unser ganzes System würde ohne Kinder zusammenbrechen, angefangen bei der Altersversorgung. Einzig Lehrer bräuchten wir natürlich irgendwann nicht mehr. Eigentlich ist es fahrlässig unserer eigenen Zukunft gegenüber, keine Kinder zu bekommen. Trotzdem kann ich es auch keinem übel nehmen in einer Gesellschaft, die sich bemüht zeigt, Familien ganz gerne Steine in den Weg legt.

Fakt ist: Kinder haben bedeutet verzichten

Kinder kriegen

Kinder zu haben, bedeutet Abstriche zu machen. Kinder kosten Geld, Zeit und Nerven. Eine Studie hat gezeigt, dass sich die Menschen durch Kinder kaum eine Verbesserung der Lebenszufriedenheit erwarten.* Wie gesagt, man kann es ja vorher nicht wissen und nur wenige Menschen gehen gerne Risiken ein. Kinder bekommen bedeutet für Frauen, ihre üblichen Aufgaben plus die „Kinder-Aufzucht“ zu übernehmen und auf Männern senkt sich über Nacht (die der Geburt nämlich) die Last des Familienerhalters herab. Oder der Glaube, es sein zu müssen. Das steckt scheinbar in den männlichen Genen?! Die Verantwortung verhundertfacht sich gefühlt und plötzlich entdeckt man, wie „verantwortungslos“ (oder besser „-arm“) man als kinderloser Mensch leben durfte.

Kinderwunsch über 35? Eher nicht.

Sagt zumindest eine Studie zur Familienentwicklung in Österreich. Baby schuckeln statt Partynacht am Samstag? Das können sich viele Paare heute selbst Mitte 30 noch nicht vorstellen. Immerhin sind es nicht gerade die familiären Werte, die in unserer Gesellschaft als positiv dargestellt werden. Erfolgreich, frisch, jung, motiviert, gut aussehend (alias schlank und rank) und aufstrebend sind weniger die Eigenschaften, die man Familienvätern oder Müttern zuschreibt. Ganz abgesehen von der Diskussion darüber, ob man sich als Mutter denn nun mit Kindern gegen eine Karriere entscheiden muss/soll/darf/kann, ob es denn überhaupt in Ordnung ist auch nur Mutter und Hausfrau zu sein oder wo man einen geeigneten Betreuungsplatz herbekommt. „Karriereweiber“ sind nicht unbedingt gerne gesehen, denn die vernachlässigen ja ihre Kinder. Aber so ein bisschen Arbeiten, das sollte schon drin sein, das müsste sich für Frau doch ausgehen. Nur nicht zu viel und bloß nicht zu erfolgreich, sonst kommt auf gut österreichisch der Neid auf. Plus: Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kleinkinder ist sogar im verhältnismäßig gut versorgten Wien noch weit über dem Angebot.

Was man sogar vor den Kindern weiß: man muss mit Kindern quasi über Nacht lernen, Rücksicht zu nehmen und all seine bisherigen Tagesplanungen über Bord werfen. Weil Kinder eben keine Haustiere sind und ganz und gar nicht durchplanbar.

Gesellschaftliche Diskriminierung

Fakt ist: Als Mutter oder Vater bekommt man weniger Schlaf als früher, verzichtet lange Zeit auf Vorlieben und Hobbys, richtet sein Leben nach dem Nachwuchs aus, investiert viel Zeit und Geld, macht sich fast immer Sorgen und hat seine liebe Mühe, seine „ICH-“ und „WIR-Zeit“ zusammenzukratzen. Zusätzlich wird man als Eltern von unserer Gesellschaft in vielen Bereichen diskriminiert. Sobald sie dem „Achwieniedlichistdasdenn“-Alter entwachsen sind, erntet man für kindertypisches aber erwachsenen-abnormes Verhalten böse Blicke und abschätzige Worte („Kann das Kind nich tmal ruhig sein? …“) Kinder sind oft laut, aktiv und neugierig und ein solches Verhalten stößt gerade unbekannten Erwachsenen im öffentlichen Raum ganz gerne auf. Eltern sollten sich für Aufenthalte in der Öffentlichkeit gut wappnen sowie immer ein einfallsreiche Antwort parat haben.

Warum also Kinder kriegen?

Und trotz all der oben angeführten Argumente, die in unserer Gesellschaft gegen Kinder sprechen, bin ich glücklich. Ich habe immer viel gelacht, aber mit Kind lache ich noch häufiger. Selbst wenn ich müde oder krank bin, das kleine Fräulein bringt mich zum Lachen. Und leider auch manchmal zur Weißglut. Soll aber angeblich gut für das Herz-Kreislauf-System sein … 😉 Ich bin häufiger erschöpft als früher (ok, eigentlich fast immer) und merke, dass ich meine körperlichen Ressourcen oft voll ausgeschöpft habe. Ausgeschlafen war ich nicht mehr seit dem Tag bevor das kleine Fräulein zu uns kam. Also so richtig mit von selbst Aufwachen und langsam in den Tag dämmern. Dafür kommen manchmal kleine Zwerge ins Bett gehüpft und drücken mit ein feuchtes Bussi auf die Wange. Ich habe in den letzten vier Jahren mehr über mich gelernt als viele Jahre davor. Ich habe mich mit Dingen beschäftigt, die ich noch für möglich gehalten hätte und habe gekuschelt und geknuddelt, was das Zeug hält. Kurbelt die Produktion der Glückshormone an. In irgendeiner Studie (ich hab keinen Link) habe ich gelesen, Kinder machen glücklicher. Ist so. Schön ist das!

Weiterlesen & Fakten

*Nachzulesen im Standard

Über die Entwicklung der Geburtenrate in Österreich

Demographische Indikatoren zur Bevölkerungsentwicklung in Österreich (Statistik Austria)

 

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