Habt ihr auch Wunderkinder zu Hause? Nein? Also ich schon. Oder eben nicht. Je nachdem, wie man das sieht. Sie können mehr aber auch weniger als andere Kinder in ihrem Alter. Und doch sind die meine kleinen Wunder und ich bin unendlich stolz auf sie.

Heute habe ich Minimenschleins Beitrag „Brief einer Mutter: Liebe Angeber-Mom …“ gelesen und war erstmal amüsiert. Dann habe ich nachgedacht. Ich konnte meine Gedanken dazu einfach nicht so stehen lassen. Denn ich finde, nicht immer ist alles gleich Angeberei. Ein Fünkchen Wahrheit will ich Minimenschleins Artikel aber nicht absprechen. Deshalb heute mal etwas über Wunderkinder und Mamastolz.

Denn: ja, es gibt Eltern, die geben mit den Talenten und dem Können ihrer Kinder gerne an. Und ja, manche profilieren sich vielleicht auch über das, was ihre Kinder alles schon können, möchten sich selbst im Nachwuchs verwirklichen und binden anderen Leuten gerne einen Bären auf. Gut, dass ich solche Freunde nicht habe, mich würde es auch nerven, wie Minimenschlein in ihrem Brief an die Angeber-Mutti schreibt.

Kinder, könnt ihr das auch schon?

Aber da kommt es schon, das große ABER: Wenn mir meine Freundin erzählt, was N. schon kann, dann sehe ich das nicht als Angeberei. Stolz berichtet sie davon, dass er mit Papa Laufen geht. Laufen, echt? Wow, mit vier Jahren! Aber ich kenne N. und das mit dem Laufen ist sicher kein Schmäh. So ist er eben, er braucht die Bewegung. Mit zweieinhalb konnte er super Radfahren und ich bin gar nicht verwundert darüber. Ist eben so. Das kleine Fräulein hat es auch irgendwann letztes Frühjahr gelernt. Freundin  L. fährt in dem Alter noch Laufrad. Aber wisst ihr was? Dafür kann L. viel besser mit Zahlen und zählt bis zehn, während wir uns noch mit der verschwundenen vier herumschlagen. Und als mir ihre Mama mit stolz leuchtenden Augen zeigt, was L. aus Lego zusammengebaut hat (ihr abstraktes Vorstellungsvermögen ist in ihrem Alter wirklich erstaunlich …), staune ich nicht schlecht. Meine Tochter kann das noch nicht. Ich empfinde das nicht als Angeberei, sondern verstehe den Stolz in ihren Augen. Auch ich bin stolz auf meine Kinder.

Alles super. Nicht.

Wir reden nicht immer darüber, was alles super läuft. L. wirft sich gerne im Supermarkt auf den Boden und schreit. Und ich selbst bin die Mutter, die nach 45 Minuten immer noch im Kindergarten hockt, weil das kleine Fräulein sich weigert, Schuhe und Jacke anzuziehen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass sie schon Wörter schreiben kann. Leider hilft mir das in diesen besagten und wöchentlich wiederkehrenden Situationen rein gar nichts. Das heißt auch nicht, dass sie in der Schule mal ein Genie sein wird, weil sie jetzt an Buchstaben interessiert ist. Wer weiß, in zwei Jahren findet sie das vielleicht uncool. Uncool ist übrigens das Stichwort des Jahres. Unerfreulicherweise durchlebt das kleine Fräulein gerade ihre erste Pubertät (nennt man das so?) Es ist nämlich alles „ur langweilig“. Das Bällebad, der Kindergarten, das neue Buch, der Spielplatz, einfach alles. Seht ihr, jedes Kind hat so seine Macken. Ihr etwa nicht?

„Wunderkinder“ und so

Wunderkinder Schwimmen SuperkinderÜbrigens war das kleine Fräulein in meinen Augen natürlich auch ein „Wunderkind“. Sie hat superfrüh ganz toll gesprochen, konnte schon mit eineinhalb aufs Gerüst am Spielplatz klettern und hat mit dreieinhalb ihr Frühschwimmerabzeichen gemacht. Ich gebe an? Nein. Ich bin einfach nur unglaublich stolz, dass sie das kann. Sie will manches eben und ich lasse sie. Aber darum geht es nicht, wenn wir uns am Spielplatz mit Freunden treffen. Eher reden wir über andere Dinge. Wir begutachten unsere Augenringe, wenn wir mal wieder bis zwei in der Früh gearbeitet haben, weil die Kinder nicht schlafen wollten. Diskutieren, dass wir in der Früh Stunden brauchen zum Anziehen und selbst nicht mal Zeit zum Schminken haben. Oder ich „sudere“ mal wieder, dass das kleine Fräulein so unordentlich ist, dass es sogar mir die Haare aufstellt. Die Jacke zieht sie sich mitten im Wohnzimmer aus und lässt sie fallen, die Schuhe fliegen einem schon mal um die Ohren und ihr Lieblingspony sucht sie gefühlte zehn Mal am Tag, weil sie vergisst, wo sie es fallen gelassen hat. Außerdem spielt sie gerade gerne Baby und vergisst, dass sie mehr sprechen kann als „sitzi“, „yamyam“ und „dursti“. Darauf bin ich jetzt nicht so stolz, aber so ist das eben gerade. Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt, ganz klar. Aber man darf doch wohl ein bisschen stolz sein, findet ihr nicht auch?

Jedes Kind ist anders!

Das ganze ist ein heikles Thema. Man darf Stolz und Angeberei nicht über einen Kamm scheren, finde ich. Auch meine Mama hat mir oft von Freundinnen berichtet, die offensichtlich Superkinder hatten. Aber irgendwann hat sie das nicht mehr interessiert. Sie hat sich nicht mehr mit ihnen getroffen, weil das einfach nervt. Es ist eben so: jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Manche laufen früher, andere eben später. Das Problem liegt vermutlich eher darin, dass wir zu vergleichen anfangen und uns dann schlecht fühlen, wenn unsere Kinder noch nicht können, was wir bei anderen hören oder vermuten. Ist unser Kind vielleicht nicht intelligent, weil sie noch n icht spricht? Hilfe! Das ganz kleine Fräulein fängt jetzt erst mit 22 Monaten an zu sprechen! Also mehr als Mama, Papa und Nana (ihre Schwester). Vielleicht ist sie ja dumm? Äh, nein, natürlich nicht! Aber ich traue ihr ihr eigenes Tempo zu, sie wird das schon hinbekommen.Da bin ich mir sicher!

Und ihr so?

Ich muß hier jetzt Schluss machen, sonst schreibe ich noch ein Buch darüber. Ich werde hier am Blog auch weiterhin darüber schreiben, warum ich auf meine Kinder stolz bin. Ebenso werdet ihr auch weiter darüber zu lesen können, wenn mich etwas total nervt. Das ist der Grund, warum das Bloggen so eine feine Sache ist. Zwischen trockeneren Berichten und praktischen Tipps kann ich auch mal emotional ein bisschen Dampf ablassen. Dürft ihr hier übrigens auch! Ich freue mich, wenn ihr mir erzählt, wie das bei euch so ist!

 

 

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