Stimmt natürlich. Ich denke ganz genau so. Meine zwei Zwerge sind die besten Zwerge, die man haben kann. In einfach allem. Und wenn nicht, dann sind sie es trotzdem. Und das sage ich ihnen auch. Aber: Wen geht es etwas an, was meine Kinder können oder nicht? Hm?

Stadtmama_Klettern

Für Mama und Papa ist das eigene Kind immer das tollste. Egal, was es kann oder tut. Wir lieben unsere Kinder und es ist gut, dass wir so empfinden. Aber kaum wagt man sich über die magische Grenze der Haustüre hinaus in die große weite Welt, da wünscht man sich gelegentlich, andere Eltern würden das nicht als Anlass zu ewigen Vergleichen nehmen.

Klar, man vergleicht gerne. Nicht nur die Kinder, auch Wohnung, Auto, Kleidung, Handtasche, Schuhe, Oberweite….  Ja was eigentlich nicht? Statussymbole? Warum also nicht auch unsere Kinder. Kinder sind heutzutage offensichtlich auch eine Art Statussymbole. Oder nicht? Ok, das war zynisch gemeint. Und trotzdem beginnt die Vergleicherei, sobald ein Baby in die Welt geflutscht ist. Alle Babys sind süß, aber welches ist süßer? Das andere wird doch wohl nicht herziger als das eigene sein? Oder schon Krabbeln können. Oder gar Gehen, Sprechen, Hüpfen, Radfahren, Schreiben undsoweiterundsofort. Die Liste lässt sich unendlich fortsetzten.

Solche Vergleiche sind etwas, das mir schon so einige Mütterrunden (oder Baby- und Kinderkurse) vermiest hat. Kritische Seitenblicke. Fragen wie:“Wie alt ist sie denn schon?“, „Kann sie dies oder das schon?“ oder „Echt, sie braucht keine Windeln mehr?“ Und zwar nicht in einem Zusammenhang, der einfach nur der Feststellung dient oder das Kind lobt, weil es etwas gut macht. Weil das kleine Fräulein mit drei Jahren Rad fahren konnte, habe ich im Turnkurs ein geseuftzt zynisches „Ach ja, O. ist schon so weit voraus, seit wir sie kennen!“ geerntet! Aber wisst ihr was? Ihr kennt mein Kind gar nicht! Wir sehen uns ein Mal die Woche eine Stunde lang. Ihr habt keine Ahnung, wie mein Kind so ist oder was es kann oder nicht!

Mir war diese Bemerkung damals aus irgend einem Grund unangenehm und ich habe darauf gar nicht geantwortet. Was auch. Den Kurs besuchen wir übrigens nicht mehr. Mir ist der permanente (ACHTUNG! – nicht jugendfrei) „Schwanzlängenvergleich“ ziemlich auf die Nerven gegangen. Wir waren verdammt noch mal im Turnkurs, damit mein Kind einfach nur Spaß hat! Aber irgendwann ist zumindest mir der Spaß eben vergangen.

Dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat, können viele Mütter offensichtlich nur schwer akzeptieren. Ich erinnere mich an Gespräche in der Turngarderobe – ja, ich habe gelauscht – in denen es um vier oder fünf verschiedene Kurse gegangen ist, die das Kind pro Woche besucht. Freizeitstreß nennt man das wohl. Dass ein Kind schon so viele Interessen hat, ist kaum zu glauben und ich vermute,es überfordert sie wohl eher als dass es fördert. Dabei lernen Kinder soviel, wenn man sie einfach mal machen lässt. Es ist ja auch nicht jeder Erwachsene gleich stark sportlich, musikalisch, rethorisch, mathematisch, sozial, usw. begabt. Warum verlangen das dann eigentlich alle von ihren Kindern?

Und nein, Kinder sind keine Statussymbole. Kinder sind Kinder. Und sie sollen ohne Hintergedanken und Vergleiche Kinder sein dürfen, finde ich!

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