Diese Woche war ich mit A. spazieren. Wir unterhielten uns über (tataaaaa!) Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Am Ende traf mich eine erschreckende Erkenntnis: die ganze Diskussion rund um Familie und Vereinbarkeit ist in gewisser Hinsicht einfach nur Müll. Es führt zu nichts. Außer oftmals zur völligen Verausgabung. Wer’s nicht glaubt, sollte diesen Blogpost einer erschöpften Mutter  lesen. Darin findet sich ein Körnchen Wiederekennungswert für jede Mutter.

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Hauptteil der Familienarbeit

Wir können es echt nicht verleugnen: althergebrachte Rollenbilder prägen uns und werden es noch lange tun. Sobald sich ein Paar für Kinder entscheidet, steht eigentlich auch fest, dass ein Partner den Hauptteil der Organisations- und Erziehungsarbeit zu leisten hat. Meist Fast immer ist das die Partnerin. Kinderarzttermine, Kindergarten- und Schulrecherche sowie -anmeldung, Turnen, Klamotteneinkauf, Elternsprechtage, Spielplatz, Schwimmkurs, Geburtstagspartys und Einladungen, Ferienspiel oder ‚wasweißichnichtallesnochanaktivitäten‘. Das meiste davon organisieren Mütter. Ja, es gibt Väter, die das ebenso tun. Aber ich setzte mich jetzt mal in die Nesseln und behaupte, die meisten tun es nicht oder nur sehr selten. Nicht, weil sie das nicht wollen, sondern weil sie einfach keine Zeit dafür haben, sich Gedanken darüber zu machen. Ist auch nicht verwunderlich. Wer hat schon neben 40 Stunden+ noch viel Kopf und Energie für solche Dinge?

Mama die Wollmilchsau

Mütter haben sie. Oder müssen die Energie haben. Interessanterweise erwartet die Gesellschaft von uns, dass wir das können und auch tun. Nämlich den Beruf ausüben UND mit der Familie vereinbaren. Das gehört sich schließlich so. Wenn sich Mütter heute tatsächlich enstcheiden, länger als zwei Jahre zu Hause zu bleiben, werden sie schief angesehen. Vereinbarkeit ist schließlich einer DER feministischen Sager des Jahrhunderts. Mütter können das. Wir sind gut organisiert, multitaskingfähig, vielfältig und belastbar. Eigentlich die idealen Mitarbeiter. Wahre Wollmilchsäue.

Alle seine Frage der Organisation?

Erst seit ich zwei kleine Kinder zu Hause habe, mache ich mir wirklich Gedanken darüber. Die beiden lasten mich derzeit voll aus. Ich bin auch schon ohne zehn, zwanzig oder vierzig Stunden Job nebenher am Ende vom Tag völlig platt. Unfähig, irgendetwas mit mir anzufangen. Manchmal wünsche ich mir schon um acht Uhr Früh, dass es schon Schlafenszeit ist. Ressourcen aufzutanken ist ein Luxus für … später irgendwann. Wenn ich dann mal wirklich Zeit für mich hätte bin ich unfähig zu entscheiden, was wichtiger ist: Couch, Bett, Geschirrspüler, Waschmaschine oder doch ein Buch? Fragt nicht, was meistens gewinnt … Wo also sollte ich noch einen (sagen wir mal) 30 Stunden Job unterbringen?

Work-Life-häh?

A. meinte, ihre Work-Life-Balance wäre inexistent. Am Ende vom Tag ist nicht mehr viel Tag übrig. Ich musste ihr leider recht geben. Mir geht es oft so. Und das wird wohl kaum besser, wenn ich wieder arbeite. Denn ist man ein Mann, dreht sich das Rad im Job kontinuierlich weiter. Als Frau verändert sich einfach alles. Die familiären Belastungen sind hinken einseitig, weil sie nach der Elternpause selten auf beide Partner umverteilt werden.

Mal ehrlich: ich bin einfach keine Wollmilchsau. Ihr vielleicht? Ich habe nur zwei Arme und Beine. Ich brauche ein bisschen Schlaf. Studien zufolge ein Minimum von sieben Stunden. Sechs reichen auch. Ich werde wieder arbeiten. Aber ich bin weder Wonderwoman noch Karrieremutti. Ich möchte nicht die nächsten fünfzehn Jahre so müde sein wie jetzt. Leider habe ich momentan as Gefühl, dass der öffentliche Druck in Sachen „Vereinbarkeit“ bei vielen Müttern genau das bewirkt…

 

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