Gestern ist es wieder passiert. Das kleine Fräulein hat völlig aus dem Blauen heraus das Gesicht verzogen und plötzlich zu Schreien und Toben angefangen. Der Grund für die Aufregung war … ja, das ist eine gute Frage. Man weiss es nicht so genau.

Ich habe vermutlich die falschen Worte benutzt und damit unbewusst einen Auslöser gedrückt. Aber erstmals hat jemand ausgesprochen, was ich mir eigentlich immer denke, wenn ich eine ähnliche Situation bei anderen beobachte:“Ich bin so froh, dass das bei euch aus so ist!

Stadtmama_Hand

Danke W.! Ich bin froh, dass auch andere so denken. Solche Phase sind nämlich die, die mich bei meinem eigenen Kind meistens am hilflosesten machen. Danke, dass es dir auch so geht. Dass du das ausgesprochen hast. Das empfinde ich nicht aus Schadenfreude so. Als Mutter einer bald Dreijährigen würde NIEMALS schadenfreudig oder kopfschüttelnd mit einem helfenden Kommentar auf den Lippen neben Eltern stehen bleiben, deren Kind sich gerade tobend am Boden windet, lauthals „NEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIN MAMAAAA!“ plärrt oder sogar mit dem Kopf auf den Boden schlägt – was ich angeblich als Kleinkind gelegentlich gemacht habe. Das machen nur Menschen ohne Kinder. Oder Omas, die die Kindheit ihrer Kinder schon vergessen haben. Die waren nämlich immer alle gehorsam und haben das bestimmt nie gemacht. Ehrlich, ich würde bestenfalls verständig Schmunzeln oder anerkennend Nicken.

Übrigens ist der Urheber des Zitats ein Vater. Das gab mir zu denken. Als ich eben darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass die meisten Mütter, die ich in einer solchen Situation erlebt habe, sich an irgendeinem Punkt sogar für das Verhalten ihrer Kinder entschuldig haben. Entschuldige, wie bitte? Ja, sie haben sich entschuldigt. Verkehrte Welt. Dabei sollten wir doch in jeder Situation zu unseren Kindern stehen. Und wenn es nur ein „Oh mein Gott, das tut mir leid. Wir müssen jetzt wohl gehen, …“ war. Weil es uns Müttern offensichtlich peinlich ist, dass man von uns denken könnte, wir haben die Situation oder unsere Kinder nicht „im Griff“. Uns wird nämlich scheinbar eingeredet, dass wir dazu eigentlich im Stande sein sollten. Aber mal ehrlich, wer hat ein Kind schon „im Griff“. So ein blöder Begriff. Will man das eigentlich? Einen Roboter? Ist wohl auch auf dem Mist unserer Großmütter gewachsen.

Kleine Anekdote dazu: mein kleines Fräulein hat im Sommer mal mitten auf der Kreuzung vor dem Museumsquartier ein Tamtam gemacht und sich unter Gebrüll geweigert weiterzugehen. Ist eine große Kreuzung. Wenn man da mitten drauf einfach stehenbleibt ist das gefährlich. Ich habe sie also zuerst weitergeschubbst und dann am Ende hinterhergezogen, weil es mit Baby und Kinderwagen nicht anders ging. Unter lautem Prostest natürlich. Lautstarkes Kommentar einer älteren Dame hinter mir:“… Kind nicht im Griff … blablabla(nicht verstanden) … Das sind ja Zustände wie im Mittelalter!“ Ähm, ja. Was soll ich sagen. Kauf dir nen Hund und richte ihn ab. Oder einen Roboter.

So sehr es mich nämlich an meine Grenzen bringt, wenn das kleine Fräulein wieder so eine Phase hat, so stolz bin ich auf sie, wenn ich sie sonst in ihren Interaktionen beobachte. Wie sie geschäftig mit ihren Freunden „Einkaufen“ geht oder etwas baut. Wie sie sich die Rollen verteilen und uns das Ergebnis ihres Spiels bestaunen lassen. Und wie sie uns erschreckend genau spiegeln, in Worten wie im Verhalten. Noch ein Grund mehr, warum wir uns vielleicht vorher überlegen sollten, wie wir in solchen sowieso immer wiederkehrenden Situationen verhalten wollen. Ich nehme an, auch unser Verhalten in diesen Situationen nehmen sie in ihr Repertoire auf. Das kleine Fräulein hat bestimmt auch irgendwo gespeichert, dass ich sie einmal aus Verzweiflung und Übermüdung angeschrien habe, als ich nicht mehr weiter wusste. Leider. Ich hoffe, meine Versuche, diese Verhaltensweise zu Überschreiben fruchten …

 

 

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