„Schläft es denn schon durch?“ Eine der beliebtesten Fragen, seit es Eltern gibt. Man könnte Eltern auch gleich foltern. Der Frage folgt meistens betretenes Schweigen, alternativ hysterisches übermüdetes Lachen. Spass beiseite. Diese Frage stellt man einfach nicht. Aber wieso schläft dein Baby eigentlich nicht durch?

Was es in der Generation unserer Eltern offenbar nicht gab: Babys, die nicht durchschlafen. Haben wir selbst doch alle friedlich wenigstens acht Stunden oder gleich die ganze Nacht in unserem EIGENEN Bett geschlummert. Wetten, zum Thema Babyschlaf zaubert jeder noch so kinderlose Erwachsene schlaue Sprüche aus der Tasche?

Auf uns Eltern wirkt es so, als schliefen alle anderen Kinder dieser Welt durch, nur unsere nicht…

Stimmt nicht. Du bist nicht alleine! Jedes Baby schläft anders. Die meisten schlafen nicht durch. Lange nicht. Genauso wie es generell bei Erwachsenen ganz unterschiedliche Schlaftypen gibt, hat es verschiedene Gründe, weshalb Babys eben erst schlafen wie Erwachsene, wenn … ja wenn sie erwachsen werden. Dafür aber gibt es keinen zuverlässigen Termin. Denn jedes Baby, Kind, Teenager oder Erwachsenen schläft anders.

Ob ein Baby durchschläft oder wie oft es aufwacht hängt von unterschiedlichen Faktoren (Gehirnentwicklung) ab, auf die wir selbst wenig Einfluß nehmen können. Man könnte sagen: dein Baby sucht es sich selbst aus, wann es bereit ist dazu.

Helfen Schlaftrainings?

JEIN. Egal, welchen Erfolg diverse Schlaftrainings versprechen, es gibt keine nachvollziehbaren und anerkannte Studien dafür, dass Schlaftrainings tatsächlich funktionieren und egal wie sehr diverse Schlafexperten es bestreiten: ein Training ist immer das Abtrainieren der natürlichen Instinkte beim Baby. Dein Baby entwickelt sich im Normalfall gut und altersadäquat. Es ist nicht notwendig und aufgrund der nicht abschätzbaren Spätfolgen sogar unverantwortlich an einem so hilflosen Lebewesen psychisch „herumzudoktern“, um es an unsere Anforderungen anzupassen. Zumal es sich zu hundert Prozent auf uns verlässt und bereits alles tut, um schnellstmöglich in unsere Welt hineinzuwachsen um ihr und uns gerecht zu werden. Außerdem: berichtet wird zwecks Werbung bei Schlaftrainings natürlich nur von den Fällen, bei denen es geklappt hat, alle anderen Fälle bleiben unerwähnt. Meist sind Schlaftrainings außerdem physisch und psychisch sehr anstrengend und nervenaufreibend für Eltern und Baby. Von den möglichen psychischen Spätfolgen durch unzureichende, nicht vorhandene oder falsche Schlafbegleitung spricht keines der Trainings in der Aufklärung.

DESHALB: egal wie müde du bist, vertraue nicht auf Schlaftrainings! Dass Babys nicht durchschlafen (können) ist völlig natürlich. Babys die das tun sind die Ausnahme und wenn du öfter davon hörst, hat das nur den einzigen Grund: dass es jeder Mama leichter fällt über ausreichend Schlaf zu sprechen als über die Entbehrungen von Schlafmangel.

Babyschlaf Tipps

Die schlechte Nachricht

Babys Schlafrhythmus unterscheidet sich von unserem völlig. Ein Grund, weshalb es für uns oft furchtbar anstrengend ist auch nur ein- oder zweimal pro Nacht aufzustehen, zu Stillen oder das Fläschchen zu geben.

Die gute Nachricht

Irgendwann kann dein Baby durchschlafen. Von selbst, meist von einem Tag auf den anderen. Es wird dich überraschen, du hast dann bestimmt nicht damit gerechnet. So war es bei uns. Zwei Mal bereits – einmal mit 12, einmal mit 14 Monaten.

Die zweite gute Nachricht gilt all jenen Mamas, die sich für das Familienbett entscheiden. Du wirst vermutlich folgendes Phänomen erleben: deine eigenen Schlafphasen und die deines Babys synchronisieren sich auf magische Weise. Du passt dich unbewusst an, wachst auf, kurz bevor das Baby aufwacht, stillst oft, ohne es zu bemerken und gleitest wieder in den Schlaf. Viele Mütter wissen am nächsten Tag gar nicht mehr, wie oft sie tatsächlich wach waren. Schläfst du synchron mit deinem Baby, wird es dich selten in einer Tiefschlafphase wecken.

Zwar ist erwiesen dass stillende Mütter im Familienbett häufiger wach sind und „weniger tief“ schlafen als Mütter von Babys, die getrennt von der Mutter im eigenen Bett schlafen, aber das Aufwachen und Stillen läuft derart automatisiert und synchronisiert ab, dass diese Mütter trotzdem mehr Schlaf bekommen. Ein weiterer positiver Effekt: Babys im Familienbett weinen fast nie, weil Mama automatisch und sehr schnell reagiert, bevor es so weit kommt.

Durchschlafen – ein Mythos?

Durchschlafen bedeuten per medizinischer Definition, dass Babys vier bis fünf Stunden am Stück durchschlafen. NICHT die ganze Nacht (sagen wir acht Stunden oder so). Dass wir Kinder der 70er bis 90er Jahre offenbar allesamt durchgeschlafen haben kann zwei Gründe haben: tatsächlich war die Aussage einer bekannten österreichischen Hebamme in einer Dokumentation folgende:“Wir haben es als unsere Aufgabe gesehen, dass die Mütter nach der Woche (Anm.: im Krankenhaus) mit durchschlafenden Babys nach Hause gehen…“ AUTSCH. Ich dachte, ich hatte nicht richtig gehört und habe mir die Sequenz damals noch einmal angesehen. Möglichkeit zwei: unsere Mütter haben schlichtweg vergessen, wie gut oder schlecht wir geschlafen haben.

Was kannst du tun, um dein Baby beim Schlafen zu unterstützen?

Ich habe vor einem Jahr bereits Tipps zu gesundem Babyschlaf gepostet. Mit der Erfahrung eines dritten wieder anders schlafenden Babys reicher habe ich dem trotzdem noch ein paar Tipps hinzuzufügen.

1. Sei selbst bestmöglich informiert!

Wer selbst gut informiert ist, kann sämtliche gut gemeinten und oft ungefragten Tipps anderer ignorieren und auf sein eigenes „Fachwissen“ zurückgreifen. Die Generation unserer Eltern hatte noch eine andere Einstellung zum Thema Babyschlaf als wir und selbst in unserer Generation scheiden sich bei diesem Thema die Geister. Lies so viel darüber, wie du finden kannst. Informiere dich umfassend, setze dich selbst ins Bild und entscheide selbst! Du bist Expertin für dein Baby! Babys „sollten, müssten, könnten …“ mit zwei, vier, sechs oder zehn Monaten….. WHATEVER! Jedes Baby ist anders! Egal ob es das Schlafen, Krabbeln, Gehen oder Sprechen angeht!

2. Wickeln in der Nacht  – die richtigen Windeln für die Nacht finden!

Ich gestehe, beim ersten Kind habe ich pflichtbewusst und aus Panik vor wundem Popo jede Nacht auch wenigstens einmal die Windeln gewechselt, egal was drin war. Gut, dass unsere Älteste so ein „Anfängerbaby! war. Sie ist danach einfach wieder eingeschlafen. Erst später habe ich gelernt und beim zweiten dann auch alles anders gemacht: Windeln wurden nur gewechselt, wenn die Windeln fast am Platzen war (also so gut wie nie) und wenn dann vor dem nächtlichen Stillen, damit die Maus danach wieder ungestört in den Schlaf gleiten konnte.

Die richtige Windel – ein Thema, an dem ich lange genagt habe. Aus oben genanntem Grund ist es für mich immer wichtig gewesen, sehr saugfähige Windeln zu benutzen. Meine damalige Öko-Windelmarke hat die Nacht nicht „durchgehalten“. Deshalb musste ich Windeln nehmen, mit denen ich aufgrund der Inhaltsstoffe eigentlich nicht so einverstanden war. LILLYDOO ist erst auf den Markt gekommen als das Sandwichmädchen bereits zwei Jahre alt war. Seither habe ich keine anderen Windeln benutzt. LILLYDOO war tatsächlich die erste Öko-Windel, die bei uns die ganze Nacht durchgehalten hat.

3. Tag/Nacht Rhythmus etablieren

Neugeborene haben noch keinen zuverlässigen Tag/Nacht Rhythmus. Sie können Tag und Nacht nicht unterscheiden, vor allem aber sind sie in Mamas Bau eher Nachts wach gewesen und haben tagsüber geschlafen, weil sie da durch die Bewegungen in den Schlaf gewiegt wurden. Kein Wunder also, dass ich bei zwei von drei Kindern nachts ein Kind auf mir wohnen hatte, das ich immer wieder in den Schlaf gestillt und gewiegt habe.

Der Rhythmus stellt sich bei Babys ungefähr ab dem dritten oder vierten Monat ein. Rituale (wie etwa, Baden, Massieren, Singen, …) können dem Baby helfen, sich auf die Nacht einzustellen und auf „Schlafmodus“ umzuschalten.

Keine Angst vor Schläfchen untertags! Gute Tagesschläfchen sind wichtig für einen guten Nachtschlaf! Wichtig ist dabei vor allem, die Anzeichen von Müdigkeit bei deinem Baby zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren. Ein völlig übermüdetes Kind (ich schreibe absichtlich nicht nur „Baby“, denn das gilt auch bei älteren Kindern) ist überdreht und das wirkt sich wiederum auf den Nachtschlaf aus.

4. Pucken

Aus unterschiedlichen Gründen kann Pucken als Einschlafhilfe hilfreich sein. Sei es „nur“, weil Pucken das Gefühl der Enge und Begrenztheit im Mutterleib gibt. Pucken ist eine bestimmte Wickeltechnik mit zum Beispiel einem Mulltuch, bei dem das Tuch eng um den Babykörper geschlungen wird, sodaß eine Art „Kokoon“ entsteht. Wir hatten einen kuscheligen Pucksack mit Klettervschlüssen, den meine Mädchen geliebt haben. Achtung: am besten eine Expertin um Hilfe bei der richtigen Technik fragen (zum Beispiel deine Hebamme), das Tuch muß aus Sicherheitsgründen wirklich richtig gewickelt sein.

5. Ein Tipp, der mir beim ersten Baby geholfen hat: zur Nachtmahlzeit wecken

Diesen simplen Tipp hat mir beim ersten Baby eine Hebamme gegeben und ich bin ihr damals so unendlich dankbar dafür gewesen. Es hat das Schlafverhalten unserer Großen in einer Nacht umgekrempelt, ohne dass ich sie wirklich viel beeinflussen musste. Unsere Große hat ihre Nachtmahlzeiten immer zeitversetzt zu meinen Schlafenszeiten eingefordert. Ich bin damals ins Bett gegangen und konnte sicher sein eine Stunde später ist das Baby wach. zwei Stunden später wieder. Sie hat also ihre längste Schlafphase als erstes gehabt, wenn ich noch wach war bis 1 Uhr nachts.

Der Tipp: ich habe sie hochgenommen und gestillt, als ich zu Bett gegangen bin (ca. um 12 Uhr nachts) und gemerkt habe, sie befindet sich nicht in einer Tiefschlafphase (Bewegung, Seufzen, …). Das hat ihre längste Schlafphase parallel zu meiner verschoben. Von dieser Nacht an hat sie von 12 bis 6 Uhr morgens geschlafen.

Tipps zum Thema Babyschlaf

 

Weiterlesen – Lesetipps

Wissenswertes zum Thema Babyschlaf bei den Rabeneltern

5 Ammenmärchen zum Thema Babyschlaf bei Geborgen Wachsen

Buch: Schlaf gut, Baby: Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten (Nora Imlau/Herbert Renz-Polster)*

Buch: Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch (Elizabeth Pantley)*

Buch: Mein kompetentes Baby: Wie Kinder zeigen, was sie brauchen (Nora Imlau)*

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Mythos Durchschlafen bei Babys. Weshalb schläft mein Baby nicht durch und wie kann ich ihm dabei helfen? 5 Tipps zum Durchschlafen und besseren Schlafen sowie Hard Facts zum Babyschlaf. #babyschlaf #schlafen #baby #erziehung #attatchmentparenting #beziehungaufaugenhöhe #beziehungstatterziehung #mamablog #mamablogger_at

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