Es ist hier nun schon das dritte Kind, das in den Kindergarten gekommen ist. Und nein, für mich macht es das keineswegs einfacher. Jedes Mal stellte ich mir die gleichen Fragen. Die Sorgen waren immer die selben. Nach einem Gespräch mit einer befreundeten Kindergartenpädagogin möchte ich euch hier ein paar Tipps zur Eingewöhnung mitgeben, die euch den Start hoffentlich erleichtern.

Vorweg: alle unsere Mädels kamen mit unter zwei Jahren in den Kindergarten. Die älteste mit 18 Monaten, die jüngste nun mit 15. Ich saß bei der Jüngsten bereits in den Startlöchern, die Eingewöhnung nach hinten zu verschieben. Allerdings eher, weil ich mir Gedanken darüber machte dass es für mich zu früh wäre als für sie. Immer wieder habe ich festgestellt: sie fühlt sich unter anderen gleichaltrigen Kindern wohl, sie mag den Trubel und fühlt sich wohl. Sie freut sich, strahlt und ist zufrieden. Dass sie dann tatsächlich im Herbst mit der Eingewöhnung begonnen hat, habe ich erst kurz davor beschlossen. Ich habe gesehen, es wird passen.

Kindergarten_Eingewöhnung Tipps

Das ist etwas ganz wichtiges, das ich dir mitgeben möchte. Denn natürlich ist es ganz wunderbar, wenn du die Möglichkeit hast, deine Kinder bis drei Jahre oder länger zu Hause zu betreuen. Umgekehrt hast du vielleicht eine Deadline, weil du eben nur eine bestimmte Zeit lang freigestellt bist. Wenn es allen Beteiligten damit gut geht, ist es nicht wichtig, was andere dir einreden wollen! Es ist dein Modell, deine Entscheidung, dein Weg.

Für mich war es so: ich bin zu Hause zu gar nichts gekommen. Weder zum Arbeiten noch zum Haushalt machen. Zu Hause ist die Maus an mir geklebt wie Butter an Brötchen. Erledigt habe ich all diese Dinge dann jeden Abend zwischen 22 und 1 Uhr nachts. Das war sehr anstrengend, ich habe es kaum mehr geschafft, war müde, ausgelaugt und hatte keine Zeit zu Verschnaufen. Waren wir unterwegs und unter anderen Kindern war die Maus ein Staubwölkchen, immer in Action, nie auf mir drauf, an mir dran oder neben mir. Ich war gelegentlich sogar im Kindercafe um Dinge am Computer erledigt zu bekommen.

Es ist also auch wichtig, wie es dir sowohl mit der gesamten Situation und auch mit dem Thema Eingewöhnung und Kindergarten geht. Manche Menschen sind recht schnell damit zu sagen, was sie für dich für gut befinden oder nicht. Jetzt bin ich mir sicher: es war die richtige Entscheidung. Ich wäre jederzeit bereit gewesen, einen Schritt zurück zu machen. Musste ich aber nicht.

Tipps zur entspannten Kindergarten Eingewöhnung

L. ist Pädagogin in einer Kleinkindergruppe und hat mir ein paar Tipps für dich mit auf den Weg gegeben, die ich hier für euch gleich mit meinen Erfahrungen aus drei Kindergarten Eingewöhnungen mische.

(1) Kinder mögen Kinder

Kinder mögen andere Kinder, ab einem gewissen Alter brauchen sie andere Kinder sogar (und damit meine ich nicht unbedingt den Kindergarten selbst! Auch regelmäßige Spielgruppen oder Spieltreffs erfüllen diesen Zweck). Sie lernen voneinander und erwerben im Kindergarten oder einfach in der Gruppe wichtige soziale Kompetenzen.

(2) Tag der offenen Tür

Um dir und deinem Kind einen Eindruck vom Kindergarten und der Gruppe zu verschaffen, schau ihn dir vorher an und nimm auch den Schnuppertag in Anspruch, so einer angeboten wird. So kennt dein Kind bereits die Umgebung und PädagogInnen.

(3) Wörter bilden Meinungen

Sprich nicht negativ oder kritisch über den Kindergarten vor deinen Kindern – sie haben feine Sensoren und übernehmen das schneller als dir lieb ist! Wenn du dich nicht gut damit fühlst, solltest du dir andere Fragen stellen: ist es der richtige Kindergarten? Will ich eigentlich, dass mein Kind schon in den Kindergarten geht? Wie gehe ich mit der Trennung um? Habe ich die Möglichkeit, es länger zu Hause zu betreuen? In Österreich ist es möglich im Fall des Falles sogar ohne direkte Einwilligung des Arbeitgebers die Karenz einmalig bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes zu verlängern!

(4) Mama: die sichere Bindung

Stellt dir deine Beziehung zu deinem Kind als dehnbares Band vor. Zu Beginn ist dein Kind ganz eng an dich gebunden. Es schlüpft aus deinem Bauch an dein herz, beginnt zu Krabbeln, Laufen, Erforschen. Das Band dehnt sich mit dem Forscherdrang und der Selbständigkeit immer mehr. Es reißt aber niemals ab. Dein Kind vertraut darauf, dass du immer sein sicherer Hafen sein wirst und du zurück kommst und da bist, wenn es dich braucht. Manchen Kindern kann es helfen, wenn sie bereits vor der Kindergarten Eingewöhnung gelegentlich bei Oma und Opa, Tanten oder Freundinnen bleiben. Eine Stunde, in der du alleine Einkaufen gehst, vielleicht auch zwei oder länger, wenn sie sowieso gerne bei ihren Großeltern sind. Hier hat das sogar um den ersten Geburtstag trotz Stillen schon einmal einen ganzen Tag mit der Jüngsten funktioniert. So merken sie und können vertrauen: DU KOMMST WIEDER, wie du es versprochen hast!

Sicher gebundene Kinder* weinen manchmal bei der Trennung von ihrer Bindungsperson. Das ist normal und kein Grund zur Sorge, dass mit dem Kind etwas nicht stimmen könnte. Ist das so, ist es noch wichtiger, die Eingewöhnung sanft zu starten. Die ersten paar Male bist du mit im Raum, damit dein Kind Kontakt zu dir haben und gleichzeitig die neue Umgebung erkunden und eine Bindung zur Pädagogin aufbauen kann. Wenn du dein Kind dabei beobachtest, wir dir auffallen, dass es dir immer wieder „Sicherheitsblicke“ zuwirft. Ist Mama noch da? Sieht sie mich? Sehe ich sie? Danach werden die Phasen der Trennung Schritt für Schritt verlängert und geschaut, ob und wie gut es funktioniert. Meistens holt Mama dann nach 10 Minuten, einer Stunde oder am Ende des Vormittags ein strahlendes Kind ab, dass ihr zeigt, was es alles gemacht hat. (War zumindest bei uns so …)

Kindergarten Eingewöhnung Tipps

(5) Zeitraum: zwei bis sechs Wochen

Oft gibt es einen Gewissen Druck, wie lange eine Eingewöhnung dauern kann oder soll, meist durch einen fixen Wiedereinstiegs-Termin. Nimm dir aber mindestens zwei Wochen, besser noch vier bis sechs Wochen Zeit dafür. Jedes Kind ist anders und hat sein eigenes Tempo. Die ersten Tage wirst du vermutlich noch mit deinem Kind in der Gruppe sein und mit der Zeit immer längere Perioden draußen verbringen. Hier hat das Hinausgehen schon nach zwei Tagen geklappt, häufig funktioniert es aber auch erst später. Sprich deinen möglichen Zeitplan unbedingt mit den Pädagoginnen ab.

Auch, wenn du tatsächlich noch länger zu Hause bist, kann, muß eine Eingewöhnung nicht ein halbes Jahr dauern. Beschließe am besten auch für dich selbst, was ein guter Zeitraum ist, denn dann bist du auch überzeugter davon, dass es klappen wird. Mach dir vielleicht sogar Sport oder andere Termine aus, dann klappt es bestimmt.

Ein fixer Ablauf bzw. Endpunkt – z.B. das Mittagessen – macht es deinem Kind ebenso einfacher abzuschätzen, wann es abgeholt wird. (Mama kommt, wenn ich gegessen habe.)

In der zweiten Woche stürmt die Maus bereits durch die Tür und verabschiedet sich nicht einmal mehr wirklich. Ich sage nur „Tschüß“, mache deshalb keine Szene. Noch ein Küsschen hier und dort, Umarmen, ein Tränchen verdrücken, weil sie schon so groß ist? Ich muß ihr nicht zeigen, dass ich auch ein bisschen traurig bin, dass sie mich für diese Zeit nicht mehr braucht, sondern erst danach wieder.

(6) Regelmäßigkeit

Regelmäßigkeit ist bei der Eingewöhnung sehr wichtig, da sich Kinder so besser auf die neue Situation einstellen können. Je nachdem wie viele Tage dein Kind in den Kindergarten gehen wird, sollte es das auch in der Eingewöhnung tun. Ausnahmen bestätigen die Regel – gerade in der Eingewöhnungszeit sollten wir unsere Kinder besonders feinfühlig beobachten.

(7) Wer macht die Eingewöhnung?

Meistens übernimmt ein Elternteil die Eingewöhnung. Oft fällt es dem Kind leichter, wenn Papa die Eingewöhnung macht, weil Mama monatelang die Hauptbezugsperson war. Aber egal welcher Elternteil die Eingewöhnung macht, es macht es deinem Kind einfacher, wenn dieses Modell für die Eingewöhnungszeit so beibehalten wird.

(8) Es läuft gut? Was aber trotzdem passieren kann …

Auch wenn alles glatt läuft, kann es sein, dass dein Kind plötzlich nachmittags ein wenig grantiger ist als sonst. Ein bisschen müder, vielleicht schläft es auch schlechter. Das kann passieren, denn immerhin ist alles neu und dein Kind sammelt gerade viele neue Eindrücke. Das alles ist anstrengend für so ein kleines Wesen und deshalb braucht es vielleicht noch mehr Nähe als sonst in der Zeit, die es mit dir verbringt.

Du bist sowieso noch zu Hause und hast keinen Streß, wenn dein Kind einmal nicht in den Kindergarten möchte? Dann lass dein Kind doch ab und an einfach einen Tag mit dir verbringen. Ich habe das selbst auch so gehandhabt. Manchmal haben mich die Mädels (einzeln) zu Terminen begleitet. Es kam aber selten vor, dass sie nicht in den Kindergarten wollten. Es ist also nicht zu vermuten, dass das „ich will nicht“ ein Dauerbrenner wird. Vielleicht fällt es ihnen zum Beispiel nach den Ferien besonders schwer. Oder es geht ihnen einfach nicht gut. Wir Erwachsene haben auch nicht immer Bock auf Arbeit.

(9) Worauf du achten solltest

Wenn dein Kind dauerhaft nicht in den Kindergarten gehen möchte, dann solltest du heraufinden, woran es liegt. Achtung: die Frage „warum“ an dein Kind eignet sich dafür aber meistens nicht. Kaum ein Kindergartenkind wird diese Frage tatsächlich beantworten können. „Warum“ bringt Menschen in Verteidigungshaltung. (Habe ich etwas gemacht? Ich war’s nicht!). Sprich mit ihm über den Tag und suche das Gespräch mit den Pädagoginnen. Die haben den Alltag im Kindergarten meistens ganz gut im Blick und können bei der Problemlösung helfen.

Übrigens haben wir auch einmal Kindergarten gewechselt, weil wir mit der ersten Kindergruppe der ältesten absolut nicht zufrieden waren. Das ist wohl eine andere Geschichte, aber ich möchte sagen: bevor jemand dauerhaft unzufrieden oder unglücklich ist, ziehe auch einen Wechsel in Betracht.

Ich wünsche dir viel Glück mit der Eingewöhnung. Geh locker ran, auch dein „Band“ muß sich dehnen. Kinder werden selbständiger und größer, sie wollen ihre Zeit auch mit anderen Kindern verbringen. Sie lernen im Spiel von und mit anderen, bekommen sprichwörtlich Flügel. Ich habe es immer als ganz wunderbar empfunden, wenn mir meine Kinder mit leuchtenden Augen von ihren Freunden erzählt haben oder von Dingen, die sie mit ihrer Gruppe gemacht haben.

*Definition nach Mary Ainsworth

Steht dir auch bald die Kindergarten Eingewöhnung oder Eingewöhnung in KiTa oder Kindergkrippe bevor? Ich habe meine besten Tipps gesammelt, damit die Eingewöhnung entspannt verläuft.

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