Hätte man mich vor 4 Jahren gefragt, dann wären wir im Urlaub zu zweit vielleicht eher in die Ferne gefahren. Nach Norwegen, Schweden oder doch wieder nach Japan oder China. Jetzt haben wir Kinder. Das verkompliziert unsere Urlaubspläne kurzfristig ein wenig. Ich habe mir ewig den Kopf zerbrochen, wo wir hinfahren könnten und alle halbwegs glücklich sind…

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Es ist wirklich nicht einfach. Unsere Vorstellung vom perfekten Urlaub überschneiden sich nicht ganz mit dem, was mit so kleinen Kindern machbar ist. 12 Stunden Flugreise: gestrichen. 16 Stunden Sightseeing-Marathon, egal wo: eher weniger. Weite Autofahren: Nein, weil #2 Autofahren ungefähr so gerne hat wie Zehennägel schneiden. Und Herr L. auch nicht gerne weiter fährt. Ein Familienzimmer zu viert: das hat mir unseren Kindern etwas von einem Dorm-Room im Hostel in Hong Kong. Und trotzdem: Wir sind reif für einen Urlaub gewesen. Brauchen Tapetenwechsel. Waren ein bisschen ausgelaugt von einem anstrengenden Jahr.

Österreich kam nach dem letzten verregneten Sommer dieses Jahr nicht in Frage. Gut, dass es auch Gegenden gibt, die wettersicherer sind. Deshalb: Ab nach Kalabrien. Essen gut, Wetter gut, Meer gut. So, nun sind wir also im Urlaub und ich finde es so gar nicht entspannend. Von Entspannung bin ich ungefähr so weit entfernt wie vom Zieleinlauf des Vienna City Marathons. Ja spinnt die jetzt? Dann bleib doch zu Hause! Wie gesagt, wir haben Tapetenwechsel gebraucht und ich habe mir das einfach anders vorgestellt. Entspannender eben. Die Kinder finden es toll und wir eigentlich auch. Aber wenn ich nach Hause komme, brauch ich gefühlt noch eine Woche Urlaub.

Ein ganz normaler Urlaubstag …

6:45 Uhr: Tagwache. Locker eine Stunde früher als zu Hause und seit Tag 1 hier ganz ohne das gewohnte Durchschlafen. Das schlaucht. Kaum machen wir in der Früh die Tür vom Appartement auf ist das ganz kleine Fräulein eine Staubwolke. Weil das Tor zum Pool immer offen ist, jage ich ihr erstmal hinterher. Manchmal noch im Handtuch. Nach dem dritten Mal schließe ich die Zimmertür wieder. Lautstarkes Prostest Geschrei. Das kleine Fräulein kommt auch rein und schreit aus Spaß mit. Sie macht die Tür wieder auf, weil sie es lustig findet, dass das ganz kleine Fräulein dann abhaut. Besonders witzig finden es die Kinder, unsere Tür-Glocke zu läuten. Das bimmelt so schön laut.

Laut ist das Stichwort. Warum sind unsere Kinder hier eigentlich so laut? Permanent. Ohne Unterbrechung. Irgendwann zwischen Nachlaufen, Schimpfen, Kind suchen und Zähne putzen ziehe ich mich sogar an, damit wir Frühstücken gehen können.

9:00 Uhr. Frühstück fertig und wieder im Zimmer. Badezeug packen. Das erledige ich zwischen gefühlten 20 mal dem ganz kleinen Fräulein hinterherjagen, da sie erneut jede Gelegenheit nutzt, um auszubüchsen.

9:30 Uhr und mir geht schon fast die Puste aus. Wann darf ich Mittagspause machen? Der Vormittag vergeht schnell. Sand Buddeln, Schwimmen, Schnorcheln und ein paar Kekse essen. Dazwischen ein doppelter Espresso, der mit den Vormittag rettet. Um 13 Uhr brechen die Kinder im Bett zusammen. Ich auch.

16:00 Uhr. Die Kinder wachen auf, dann geht es an den Pool. Bis 19 Uhr. Schnell umziehen und unser Duracell-Baby ein paar Runden auf den Spielplatz laufen lassen. Ich hinterher. Sie klettert nämlich überall rauf. In der Tür ziehe ich mir noch rasch ein Shirt an, Oben Ohne ist beim Abendessen nicht so gerne gesehen.

20 Uhr. Für mitteleuropäische Durchschnitts-Kleinkinder ist das Abendessen in Süditalien leider etwas spät. Wer erinnert sich, wie das mit dem Abendessen im Urlaub ohne Kids so war? Entspanntes Gläschen Wein nach dem Dessert? Vergesst es. Ganz schnell. Nach sieben Tagen habe ich erfahren dass es auch Dessert gibt.

Mittlerweile haben wir unsere Kids nach einer Woche so weit an südliche Verhältnisse gewöhnt, dass wir überhaupt zum Abendessen gehen können. Meistens geht Herr L. mit dem ganz kleinen Fräulein nach der Vorspeise aufs Zimmer und ich bringe dann unsere Hauptspeise mit auf die Terrasse. Natürlich reicht unser Babyfon hier nämlich weder bis zum Restaurant noch zur Bar. Obwohl das blöde Ding eigentlich eine enorme Reichweite hat.

22 Uhr. Auch das letzte Kind schläft. Mir ist schon egal, ob das Babyfon bis zur Bar reicht, dazu bin ich eh zu müde. Um 24 Uhr fällt mir das Buch aus der Hand. Gute Nacht!

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