Flohmärkte sind für manche Menschen Leidenschaft. Man bekommt viele Dinge dort deutlich billiger als im Geschäft, das spart also erstmal bare Münze. Gebraucht einkaufen ist aber viel mehr als das: es ist ein Schritt in Richtung nachhaltiger Leben. Denn die meisten Sachen sind nicht kaputt, nur weil jemand sie nicht mehr braucht und müssen schon gar nicht weggeworfen werden.

Preiswerte Alternative

Ich kaufe vieles neu, aber genauso viel Second Hand. Es geht mir nicht ausschließlich um den Preis. Von einer anderen Seite aus betrachtet: manche Sachen bekomme ich Second Hand auch gar nicht in der erwünschten Form, Farbe oder Qualität. Trotzdem stimmt es natürlich: Kleidung ist gebraucht deutlich günstiger als neu. Möchte oder muss man sparen, ist der Flohmarkt also definitiv eine Alternative zum Neukauf.

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Quasi Second Hand: hat Mama schon getragen als Baby … 😉

Fakt ist: Kinderklamotten sind teuer

Kindersachen sind im Verhältnis recht teuer. Ich trage meine eigene Kleidung sehr lange. Ich sehe aber selbst, dass viele Sachen noch wie neu aussehen, wenn meine Kinder nach ein bis sechs Monaten rauswachsen.

Das beste also: manchmal sind „gebrauchte“ Sachen sogar noch neu. Ihr kennt das sicher: das Kind wächst aus einem süßem Teil raus, ohne es je getragen zu haben. Unser ganz kleines Fräulein hat ein hübsches rosa Sommer-Kleidchen im Kasten hängen. Größe 74. Haben wir geschenkt bekommen. Im Herbst zu groß. In den Kasten gehängt. Mittlerweile trägt die Minimaus Grösse 80. Pech gehabt. Den zwei Paar sündhaft teuren Sommerschuhe vom kleinen Fräulein – natürlich ungetragen – gehrt es ganz genauso. Und nicht jeder hat kleinere Geschwister, die in diese Sachen mal reinwachsen werden.

Gebrauchte Klamotten enthalten weniger Schadstoffe

Willkommen in Absurdistan : ich höre von vielen Leute, dass sie Kindersachen getrennt waschen. Besonders schonend und mit speziellem Öko-Waschmittel. Ohne Weichspüler. Flecken werden nicht mit Vanish & Co behandelt. Nur an der Sonne ausgebleicht. Damit Babys Haut keine Schadstoffe abbekommt. Aber gebrauchte Kleidung kaufen? Das ist grauslich! Ehrlich, das ist ein O-Ton. Da kaufen manche lieber billige neue Klamotten beim Discounter (Hallo!?! Billiprodukte! Fragliche Produktionsbedingungen, Schadstoffe ….), bevor sie Gebrauchtes kaufen. Und jetzt kommt’s: gebrauchte Kleidung trägt viel weniger Schadstoffe als neue. Durch das häufige Waschen sind Schadstoffe, die bei der Produktion oder durch die Imprägnierung für den Transport am Stoff haften bleiben schon weitgehend ausgewaschen. Vor allem für Babys eigentlich ideal. Prinzipiell wäre allein aus diesem Grund ein Strampler vom Flohmarkt einem neuen vorzuziehen. Von Nachhaltgkeit sind wir bei solchen Gedanken weit entfernt.

Lange Lebensdauer

Viele Produkte (nicht nur Klamotten, auch Fahrräder, Babybetten, Spielzeug, …) haben eine deutlich längere Lebensdauer als nur ein oder zwei Kinder. Was macht man damit, wenn man keine Freunde oder Verwandte hat, deren Kindern man sie weitergeben kann? Oder die schon selbst genug davon haben …

Die Rennaisance des Flohmarktes

Eines ist klar: nicht umsonst erleben auch Flohmärkte für Erwachsenenklamotten gerade eine Rennaisance. Meine Freundin D. spricht mittlerweile schon von Preisdumping auf Flohmärkten (für Erwachsene), da es in den letzten Jahren ein stark steigendes Angebot gibt. Auch ich finde es schön, wenn Sachen auch nach ihrem Erstbesitzer weiterleben dürfen und getragen werden. Leider ist meine Kleidergröße nur spärlich vertreten. Die meiner Kinder dafür häufiger. Und mal ehrlich: seit ich Kinder habe, kaufe ich sowieso lieber Klamotten für sie. Schlechte Angewohnheit … 😉

Nachhaltigkeit & Produktionsbedingungen – ein Gedanke

Viele Dinge „überleben“ einen Besitzer. Nicht nur Klamotten, auch Fahrräder, Möbel, Spielzeug und – das kenne wir ja alle – Autos. Was beim Auto völlig normal ist, ist bei vielen anderen Sachen manchmal noch verpönt. Klar, ich kaufe keinen gebrauchten Vibrator (sorry, passender Vergleich), aber was spricht gegen ein gebrauchtes Fahrrad? Stellt euch nur vor, wir würden tatsächlich alles, was wir nicht mehr brauchen, einfach wegwerfen?! Wahnsinn!

Mir ist klar, der Markt für Billigklamotten ist größer als der für nachhaltig produzierte. Aber selbst günstig gekaufte Kleidung hält oft länger als einen Besitzer, zumal viele Käufer sich jede Saison neu einkleiden, egal ob die Sachen noch passen oder nicht. Möbel passen irgendwann nicht mehr zum eigenen Stil. Vor allem hochwertig produzierte Dinge haben eine lange Lebensdauer und auch bei einem von einer Schneiderin in Bangladesh billig hergestellten Kleid wäre es wirklich schade, es in die Tonne zu werfen, weil es nicht mehr gefällt. Wertschätzung und Nachhaltigkeit bedeutet für mich auch, Dinge zu benutzen, bis sie tatsächlich nicht mehr benutzbar sind, egal wo sie produziert wurden. Das bedeutet nicht, dass ich alles behalte, das bedeutet, dass ich versuche, Sachen weiterzugeben und auch selbst gebraucht zu kaufen, wenn es möglich ist.

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Flohmarkt: Verkaufen Survival Tipps

Liste: meine Top 10 Kindersachenflohmärkte Wien (2015, aber trotzdem aktuell)

 

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