Im Juni durfte ich einen ganzen Nachmittag lang bei den Übungsstunden des Nano Kinderchors in Wien dabei sein. Ich habe Kinderaugen leuchten und junge Menschen mit Begeisterung Musik machen sehen. Und jetzt mal ehrlich: Welches Kind mag Musik nicht?

Vor den Übungsstunden versammeln sich alle Kinder in einem Klassenraum. Aufregung, Spannung, es werden Aufkleber abgeholt und ins Heft geklebt. Die Kinder sind stolz darauf und haben Freude an ihrem allerersten „Hobby“. Es wirkt nicht so streng wie Schule, aber letztendlich verfolgt natürlich auch das spielerische Lernen und Kennenlernen von Musik, Instrumenten und der eigenen Stimme das Ziel, das alles einmal zu beherrschen. Das wichtigste aber: der Spaß. Denn nur, wenn Kindern etwas auch Spaß macht, lernen sie auch nachhaltig.

Nano Kinderchor

Instrumente „schnuppern“

Jede Woche wird in den Übungsstunden ein anderes Instrument vorgestellt. Oft ist dazu jemand zu Gast, der dieses Instrument auch professionell spielt. Diesmal das Schlagzeug. Ganz oben schon fast am Dachboden steht eines. Die ersten Kinder stürmen in den Raum, begeistert können sie kaum die Finger davon lassen. Jedes Instrument ist anders und nicht jedes Instrument spricht jedes Kind an. Das Schlagzeug mögen wohl einige und eines der Mädchen hat darin wohl IHR Instrument gefunden. Mit leuchtenden Augen darf sie es ausprobieren und bearbeitet es lautstark. Ich muss an das kleine Fräulein denken – das würde ihr sicher auch gefallen. Dazu gehört aber natürlich nicht nur das Ausprobieren. Nebenbei werden auch Fakten durchgegangen. Spielerisch. Sie werden es sich  merken.

Nano Kinderchor

Kammermusik ist auch Kindermusik

Ein Stockwerk darunter wird von den Jüngsten Xylophon geübt. Einfach Tonfolgen, die Schwierigkeit liegt darin, sie dann auch gemeinsam zu spielen. Eine Steigerung gibt es bei den älteren Kindern. Kammermusik. Die Kinder, die es schon besser können, sind ein wenig ungeduldig und drängen weiter. Geduld ist gefragt. Besonders schwierig für junge Gemüter. Keine Chance, jeder darf und soll es zuerst einzeln beherrschen, denn alles gemeinsam zu spielen ist gar nicht so einfach.

Auch Bewegung ist wichtig!

Im Turnsaal dürfen die Kinder dann zu Musik wie Katzen herumstreunen, wie Frösche hüpfen und wie Schmetterlinge fliegen. Zu klassischer Musik, aber nicht zu steif sondern kindlich eben. Es soll Spaß machen und nebenbei bekommen sie ein besseres Gefühl für die Musik.

Das Herzstück des Nano Kinderchors: Gesang

Was fehlt noch? Gesang natürlich und Bewegung. Gesang gibt es erstmal in Form von Stimmbildung, Einzeln, in Gruppen und zuletzt im Chor. Ungeduldig sitzen die kleineren Kinder im Kreis. Tonleitern als solche sind ja total langweilig. Wenn dann aber in der Tonleiter gegähnt oder miaut wird, hat das für Kinder schon wieder Unterhaltungswert.

„Kinder sind das schwierigste Publikum überhaupt, egal in welchem Alter“, meint Lisa Koroleva, Chorleiterin und künstlerische Leiterin des Nano Kinderchors. „Kinder schauen, hören zu und machen nur dann mit, wenn es ihnen auch wirklich Spaß macht. Sie werden nie wie Erwachsene aus Höflichkeit mitmachen.“ Mit Kindern zu arbeiten ist eine Herausforderung.

Zuletzt  geht es für mich zur Chorporobe. Ich finde Singen wundervoll, man braucht ausser sich selbst kein weiteres Instrument und kann so viel damit ausdrücken. Lisa spornt die Kinder an, fordert sie und gibt ihnen, was sie brauchen: Aufmerksamkeit, eine Herausforderung und ein Erfolgsgefühl. Wenn etwas nicht gleich klappt, wird es noch einmal probiert. Ältere und geübtere Kinder helfen den jüngeren den Ton zu finden und zu halten, ihm Fülle zu geben und mit Selbstvertrauen zu Singen.

Chorarbeit mit Kindern ist … wundervoll

Nano KinderchorIch frage Lisa, was das schönste an ihrer Arbeit mit den Kindern ist. „Die Arbeit mit Kindern hat mein Leben sehr verändert und mir einen tollen Ausgleich gegeben. Es zählen andere Werte als bei professionellen Musikern. Kinder machen Musik aus sich heraus, unbekümmert und mit dem ganzen Körper.“ Erwachsene hätten dagegen viel mehr Erwartungen, mein sie. Musik so zu erleben, wie Kinder sie erleben hätte sie schon vermisst und sieht es als Ausgleich und eine Frische Art Musik zu machen für ihre Bühnenauftritte. „Der Kreis hat sich für mich geschlossen“, meint sie zum Abschluss.

Ich muß gestehen, ich habe noch nie ähnliches erlebt wie beim Nano Kinderchor, vor allem nicht mit so jungen Kindern. Mitmachen können nämlich bereits Kinder ab drei Jahren. Das Übungsprogramm ist sehr abwechslungsreich und umfassen aber auch professionell betreut und auf eine gute Ausbildung ausgerichtet. Natürlich sieht man hier auch die gezielte musikalische Frühbildung, aber die Kinder lernen während sie einfach Spaß an der Sache haben.

Nano Kinderchor

Nano Kinderchor: was, wie, wann, wo?

Das Angebot des Nano Kinderchors gibt es in Wien und Baden (nur Chor) für verschiedene Altersgruppen bis zum Ende der Volksschule. Über das Jahr gibt es auch einige Auftritte und entsprechende Proben dazu, meist am Wochenende. Die genauen Infos zu den Standorten und denn allgemeinen Stundenplänen findet ihr hier. Und jetzt? Vorbeischauen, Ausprobieren und wenn es euch gefällt gleich anmelden!

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