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Erziehung

Warum ich meine Kinder nicht „im Griff“ haben möchte

FamilienLeben 7. Januar 2015

Gestern ist es wieder passiert. Das kleine Fräulein hat völlig aus dem Blauen heraus das Gesicht verzogen und plötzlich zu Schreien und Toben angefangen. Der Grund für die Aufregung war … ja, das ist eine gute Frage. Man weiss es nicht so genau.

Ich habe vermutlich die falschen Worte benutzt und damit unbewusst einen Auslöser gedrückt. Aber erstmals hat jemand ausgesprochen, was ich mir eigentlich immer denke, wenn ich eine ähnliche Situation bei anderen beobachte:“Ich bin so froh, dass das bei euch aus so ist!

Stadtmama_Hand

Danke W.! Ich bin froh, dass auch andere so denken. Solche Phase sind nämlich die, die mich bei meinem eigenen Kind meistens am hilflosesten machen. Danke, dass es dir auch so geht. Dass du das ausgesprochen hast. Das empfinde ich nicht aus Schadenfreude so. Als Mutter einer bald Dreijährigen würde NIEMALS schadenfreudig oder kopfschüttelnd mit einem helfenden Kommentar auf den Lippen neben Eltern stehen bleiben, deren Kind sich gerade tobend am Boden windet, lauthals „NEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIN MAMAAAA!“ plärrt oder sogar mit dem Kopf auf den Boden schlägt – was ich angeblich als Kleinkind gelegentlich gemacht habe. Das machen nur Menschen ohne Kinder. Oder Omas, die die Kindheit ihrer Kinder schon vergessen haben. Die waren nämlich immer alle gehorsam und haben das bestimmt nie gemacht. Ehrlich, ich würde bestenfalls verständig Schmunzeln oder anerkennend Nicken.

Übrigens ist der Urheber des Zitats ein Vater. Das gab mir zu denken. Als ich eben darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass die meisten Mütter, die ich in einer solchen Situation erlebt habe, sich an irgendeinem Punkt sogar für das Verhalten ihrer Kinder entschuldig haben. Entschuldige, wie bitte? Ja, sie haben sich entschuldigt. Verkehrte Welt. Dabei sollten wir doch in jeder Situation zu unseren Kindern stehen. Und wenn es nur ein „Oh mein Gott, das tut mir leid. Wir müssen jetzt wohl gehen, …“ war. Weil es uns Müttern offensichtlich peinlich ist, dass man von uns denken könnte, wir haben die Situation oder unsere Kinder nicht „im Griff“. Uns wird nämlich scheinbar eingeredet, dass wir dazu eigentlich im Stande sein sollten. Aber mal ehrlich, wer hat ein Kind schon „im Griff“. So ein blöder Begriff. Will man das eigentlich? Einen Roboter? Ist wohl auch auf dem Mist unserer Großmütter gewachsen.

Kleine Anekdote dazu: mein kleines Fräulein hat im Sommer mal mitten auf der Kreuzung vor dem Museumsquartier ein Tamtam gemacht und sich unter Gebrüll geweigert weiterzugehen. Ist eine große Kreuzung. Wenn man da mitten drauf einfach stehenbleibt ist das gefährlich. Ich habe sie also zuerst weitergeschubbst und dann am Ende hinterhergezogen, weil es mit Baby und Kinderwagen nicht anders ging. Unter lautem Prostest natürlich. Lautstarkes Kommentar einer älteren Dame hinter mir:“… Kind nicht im Griff … blablabla(nicht verstanden) … Das sind ja Zustände wie im Mittelalter!“ Ähm, ja. Was soll ich sagen. Kauf dir nen Hund und richte ihn ab. Oder einen Roboter.

So sehr es mich nämlich an meine Grenzen bringt, wenn das kleine Fräulein wieder so eine Phase hat, so stolz bin ich auf sie, wenn ich sie sonst in ihren Interaktionen beobachte. Wie sie geschäftig mit ihren Freunden „Einkaufen“ geht oder etwas baut. Wie sie sich die Rollen verteilen und uns das Ergebnis ihres Spiels bestaunen lassen. Und wie sie uns erschreckend genau spiegeln, in Worten wie im Verhalten. Noch ein Grund mehr, warum wir uns vielleicht vorher überlegen sollten, wie wir in solchen sowieso immer wiederkehrenden Situationen verhalten wollen. Ich nehme an, auch unser Verhalten in diesen Situationen nehmen sie in ihr Repertoire auf. Das kleine Fräulein hat bestimmt auch irgendwo gespeichert, dass ich sie einmal aus Verzweiflung und Übermüdung angeschrien habe, als ich nicht mehr weiter wusste. Leider. Ich hoffe, meine Versuche, diese Verhaltensweise zu Überschreiben fruchten …

 

 

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Mama muss warten ::: In Wien wächst viel Gras

FamilienLeben 31. Januar 2014

Wisst ihr, wie viel Zeit ich jeden Tag damit verbringe, zu warten. Nicht auf Bus, Bim oder S-Bahn, auch nicht auf einen Arzttermin. Eigentlich warte ich auf nichts Bestimmtes. Wie lange jeden Tag? Ich weiß es nicht genau. Aber jetzt, da es Minusgrade hat, kommt es mir viel länger vor als sonst, wenn Oona jeden Grashalm zwischen der U-Bahn und unserer Haustüre zählt. Und ja – es wächst hier viel Gras.

Mama, bitte warten!

Irgendwie scheint Kindern die Kälte nichts auszumachen. Seelenruhig hat Oona vorgestern Abend gefrorenen Sand aus einer Ecke der Sandkiste in die andere geschaufelt. Mama stand indes daneben und fand es irgendwie zu frostig zum Sandspielen. Und irgendwann ist es mir dann rausgerutscht: „Komm jetzt, wir müssen weiter …“. Nicht, dass es mich auch nur einen Meter weitergebracht hätte. Und recht geschieht mir. Was bilde ich mir ein, mein Kind so einfach aus ihrem Forscherdrang zu reißen. Dabei war es diesmal ausnahmsweise gar nicht so gemeint, wie es klingt. Wir waren weder spät dran, noch hat irgendjemand auf uns gewartet. Mir war einfach nur kalt. Schließlich trage ich keinen Ganzkörper-Winteranzug und Thermostiefel.
Ich hatte Glück. Ein bisschen gutes Zureden hat gereicht, zumindest bis zum Tunnel am Spielplatz um die Ecke …

Mama_muss_warten

… und Mama wartet, während das Fräulein Beeren zählt.

 

Bloß nicht hetzten!

Ich vermute, in den Augen unserer Kinder ist die Angewohnheit ihrer Eltern, immer durchs Leben eilen zu wollen, völlig unverständlich und sinnlos. Schließlich ist jedes Detail am Weg von A nach B faszinierend und erforschenswert. Heute mussten wir zum Beispiel in jede hohle Eisenstange reinschauen, die die Anrainer in unserer Umgebung als Absperrung für ihre Parkplätze benutzen. Also zuerst Oona, dann ihre Puppe und zuletzt ich. Und wir haben die vertrockneten roten Beeren auf einem Busch in der nächsten Gasse einzeln abgezupft. Gott sei Dank nicht alle, sonst stünden wir nächste Woche noch dort. Und da dachte ich mir: es ist schön, wenn man Zeit hat, sich diese Zeit zu nehmen. Ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so.

„Komm jetzt …!“ – ein Unwort?

Ich finde: Ja. Ich habe mir vorgenommen, es aus meinem Wortschatz so weit und so lange wie möglich zu verbannen. Ich weiß, immer wird es nicht klappen. Manchmal hat man Termine und kann nicht immer um eine Stunde mehr Wegzeit einrechnen. Aber wo es geht, werde ich ausreichend Zeit einplanen oder einfach versuchen, es anders auszudrücken. Bei einem Treffen mit Freunden hilft oft das Versprechen, ihre Freunde schneller zu sehen, wenn wir nicht trödeln. Am Weg in den Kindergarten versuche ich sie mit dem Frühstück, ihren Kindergartenfreunden oder mit der Möglichkeit einer morgentlichen Busfahrt zu locken. Und manchmal, sogar erstaunlich oft, klappt es tatsächlich.

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Erziehung

Selbstdisziplin in der Erziehung | Ich habe noch viel zu lernen

FamilienLeben 29. Januar 2014

In letzter Zeit befinden wir uns mitten in der Trotz- alias kindlicher Selbstfindungsphase. Eigentlich spannend, aber auch so wahnsinnig anstrengend. Vor ein paar Tagen hat eine Bekannte den Artikel „10 Ways To Guide Children Without Punishment“ gepostet. Und ich mache meine ersten Schritte zur Selbstdisziplin in der Erziehung. Also meiner Selbstdisziplin, ihr wisst schon … 😉

Du bist nicht perfekt, aber das ist ok

Ja, so ist es: Niemand ist perfekt und jeder hat Emotionen, die manchmal mit einem durchgehen. Als ich den Artikel gelesen habe, beschloss ich, ein paar Sachen umzusetzen. Un dich muß jetzt ehrlich sein: ES IST UNGEWOHNT.

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Tschüss! Ich bin dann mal woanders …

Kennt ihr sicher: manchmal reißt einem nämlich einfach der Geduldsfaden, ob man will oder nicht. Ich bin momentan situationsbedingt der geduldigste Mensch der Welt, wenn das kleine Fräulein sich gerade etwas einbildet, was ich nicht gut finde und ihr manchmal auch nicht gut bekommt. Der kann noch so lange dauern, ich halte durch. Aber es nervt mich dafür unglaublich wenn sie mit Sachen wirft, weil es ihr gerade in den Sinn kommt. Ich würde am liebsten explodieren, wenn sie scheinbar mutwillig Dinge kaputt macht, obwohl ich sie bitte aufzuhören.

Laut Tipp der Autorin für das nächste Mal: Durchatmen und dann erst „Nein“ sagen. Gestern und vorgestern erprobt, denn ich habe aktuell täglich mehrmals die Chance dazu, und: Puh, sehr schwierig, aber machbar. Oder:“Nein, nicht Beißen. Sag mir, wie ich dir helfen kann …“. Hmm, ja, leider bekomme ich darauf keine Antwort und eine Verhaltensänderung war auch nicht in Sicht. Das kann natürlich auch daran liegen, dass sie mich mit knapp zwei Jahren zwar schon versteht, sich aber noch nicht mit ausreichend Vokabel artikulieren kann.

In-Zeit vs. Aus-Zeit

Auch die „In-Zeit“ gegenüber der „Aus-Zeit“ finde ich spannend. Aus-Zeit in dem Sinn gibt es bei uns nicht. Eher ein „setz dich auf deinen Sessel und beruhig dich. Dann reden wir weiter“. Vielleicht ersetze ich das das nächste Mal durch ein daneben Hinsetzen und toben lassen und beobachte, ob es besser funktioniert. Ich bin mir ja bewusst, dass sie tobt, weil sie es nicht besser ausdrücken kann, aber ich fühle mich selbst so hilflos dabei.

Sind Väter eigentlich konsequenter?

Ich habe bei uns oft das Gefühl, Herr L. schafft es viel konsequenter, Regeln durchzusetzen. Ich bin nicht prinzipiell inkonsequent, aber ich finde selbst, dass ich gelegentlich nachgebe, wo er es nicht tun würde. Vielleicht das Vorspiel zum späteren „guter Cop – böser Cop“-Spiel … irgendjemand muss ja den „bösen Cop“ spielen, oder? Auf jeden Fall räumt sie bei mir nie so brav auf  wie bei ihm … 😉

 

 

 

 

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